• Argentinisches Tageblatt

Wahlallianzen stehen fest

Actualizado: 25 de jun de 2019

Macri geht mit Pichetto / Massa mit Fernández

Mauricio Macri. (Foto: dpa) - Miguel Ángel Pichetto. (Foto: fb)

Buenos Aires (AT/mc) - Für diesjährigen Wahlen zeichnen sich allmählich Konturen ab. Seit Mittwoch um Mitternacht wissen die Wähler, welche Wahlallianzen ins Rennen gehen. Die wichtigsten Bündnisse schlossen in den vergangenen Tagen Präsident Mauricio Macri und der peronistische Senator Miguel Ángel Pichetto, Alberto Fernández und Sergio Massa sowie Roberto Lavagna und Juan Manuel Urtubey. Zum Teil sind es Konstellationen von Politikern, die sich in der Vergangenheit noch bekämpft haben. Die Allianzen haben nun bis zum 22. Juni Zeit, ihre Kandidatenlisten einzureichen.

Insgesamt werden sieben Bündnisse um die Gunst der Wähler buhlen. Zunächst am 11. August bei den Vorwahlen, dann am 27. Oktober bei den eigentlichen Wahlen. Das Regierungslager wird diesmal nicht mehr unter dem Label „Cambiemos“ (Verändern wir) an den Start gehen, sondern sich „Juntos por el Cambio“ (Gemeinsam für den Wandel) nennen. An der Seite Macris, der sich um seine Wiederwahl bemüht, wird Pichetto als Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten antreten.

Auch die Radikale Bürgerunion, die eigentlich selber den Vize-Kandidaten stellen wollte, und Elisa Carrió mit ihrer Bürgerlichen Koalition werden wie 2015 als Bündnispartner Macris in die Wahlen ziehen.

Pichetto gab seine Absichten am Dienstag bei einer Pressekonferenz bekannt. „Ich habe sofort Ja gesagt“, beschrieb der bisherige Senator den Moment, als der Staatschef ihn diesbezüglich fragte. Pichetto, der im Oberhaus des Kongresses die Provinz Río Negro vertritt, gilt als Vertreter eines gemäßigten Peronismus. In der Vergangenheit organisierte er indes auch für Macris Amtsvorgängerin Cristina Fernández de Kirchner Mehrheiten im Senat. Doch im Laufe der Zeit kam es zur Entfremdung zwischen Kirchner und Pichetto, der gemeinsam mit anderen „dialogbereiten“ Peronisten die „Föderale Alternative“ bildete.

Das voraussichtlich stärkste Oppositionsbündnis ist auf den Namen „Frente de Todos“ (Wahlbündnis für alle) getauft. Dass Alberto Fernández als Präsidentschaftskandidat antritt und ihn dabei Ex-Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner als Vize-Kandidatin begleitet, ist bereits seit einigen Wochen bekannt. Nun schlossen sich auch Sergio Massa und dessen Erneuerungsbündnis (FR) der Allianz an.

Massa war einst Kabinettschef von Cristina Kirchner, ehe er sich mit ihr überwarf und er auf Oppositionskurs ging. Bei den Wahlen 2015 versuchte er selber, Präsident zu werden, schaffte es aber nicht in die Stichwahl. Wie er sich nun verhält, bleibt abzuwarten. Möglich könnte eine bündnisinterne Kandidatur gegen Fernández / Fernández bei den Vorwahlen sein, um zu klären, wer als Kandidat der neuen Wahlallianz in die Präsidentschaftswahlen geht. Ausgemacht ist dies aber noch nicht.

Das Spektrum des gemäßigten Peronismus hat sich derweil im Bündnis „Consenso Federal“ (Föderaler Konsens) zusammengeschlossen. Spitzenmann ist der ehemalige Wirtschaftsminister Roberto Lavagna. Er wird begleitet von Saltas Gouverneur Juan Manuel Urtubey, der zuletzt noch Gespräche mit Mauricio Macri geführt hatte.

Der gemäßigte Peronismus ist jedoch durch die Neuorientierungen von Pichetto und Massa empfindlich geschwächt. Dies lag auch daran, dass man sich auf keine einheitliche Linie für die anstehenden Urnengänge verständigen konnte. Lavagna wollte nur als „Konsenskandidat“ antreten und sich keinen bündnisinternen Vorwahlen stellen.

Linksaußen im politischen Spektrum hat sich das Bündnis der Linken und der Arbeitereinheit gebildet, das von Nicolás del Caño geführt wird. Des Weiteren gibt es das Bündnis „Despertar“ (Erwachen) mit dem ultraliberalen Ökonomen Luis Espert und das Bündnis „Nos“ (Wir) mit dem einstigen Zollamtschef José Gómez Centurión als bekanntester Person. Die beiden letztgenannten Allianzen sind als wirtschaftsliberal und konservativ einzuordnen. Eigentlich war eine gemeinsames Bündnis geplant, das dann schließlich nicht zustande kam.

Ganz rechts außen hat sich das „Patriotische Bündnis“ mit dem Rechtsradikalen Alejandro Biondini und Enrique Venturino für die Wahlen angemeldet. Letzterer gehörte der „Carapintada“-Bewegung an - einer Gruppierung nationalistischer Militärs, die 1987 einen erfolglosen Putsch gegen Präsident Raúl Alfonsín unternahm.



Gemäßigter Peronist

Buenos Aires (AT/jea) - Präsident Mauricio Macri hat mit Miguel Pichetto keinen Vertreter der UCR und keinen Politiker aus den Reihen seiner eigenen Pro-Partei aufgestellt, sondern einen historischen Peronisten als Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten. Der Senator aus Río Negro gehört zu den gemäßigten Peronisten, die Abstand von linken und radikalen Gruppen nehmen, die 1973 mit Héctor Cámpora als Präsident die Peronistische Partei beherrschten.

Pichetto steht Carlos Menem und nicht den Kirchners nahe, auch wenn er während deren zwölfjähriger Regierungszeit weiter in der Partei tätig war und sich ihren Weisungen fügte. In letzter Zeit ist er zu seinen ursprünglichen Überzeugungen zurückgekehrt. Zu Macri bestehen zwar Differenzen, aber es gibt keinen grundsätzlichen Konflikt.

Mit der Ernennung von Alberto Fernández als Kandidat des Kirchner-Lagers und von Pichetto als Macris Vize hat eine bedeutende Wende stattgefunden. Nicht mehr die Mitte nährt sich von den beiden Extremen, sondern diese sprechen jetzt diese Wählerschaft an und leeren so die Mitte. Das Kirchner-Lager hat mit Fernández ein gemäßigtes Antlitz erhalten, das Macri-Lager mit Pichetto ein soziales und mehr pragmatisches.

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