US-Haushaltsdefizit hoch, aber leicht gefallen


Das Haushaltsdefizit des US-Bundesstaates ist im Fiskaljahr 2021 im Vergleich zum Vorjahr leicht um u$s 360 Mrd. auf u$s 2,77 Bio. gefallen. Der Fehlbetrag von Oktober 2020 bis einschließlich September 2021 entsprach damit 12,4% der US-Wirtschaftsleistung, wie das Finanzministerium mitteilte. Im Haushaltsjahr 2020 hatte das Defizit wegen der Konjunkturpakete, um die Corona-Krise zu stemmen, noch bei rund u$s 3,13 Bio. oder 15% der Wirtschaftsleistung gelegen.

Die Zahlen zeigten, dass Präsident Joe Bidens Wirtschaftspolitik erfolgreich sei, erklärte Finanzministerin Janet Yellen. Sie warnte allerdings, dass für eine vollständige Erholung von der Corona-Krise weitere Unterstützung nötig sei. Der Kongress müsse die von Biden vorgeschlagenen Investitionspakete für die Modernisierung der Infrastruktur und eine Ausweitung der Sozialleistungen beschließen. Bidens jüngster Budgetentwurf für das Haushaltsjahr 2022, das im Oktober begann, geht von einem Defizit von u$s 1,66 Bio. oder 6,8% der Wirtschaftsleistung aus.

Das Defizit der Staatsfinanzen wird in den USA zum allergrößten Teil mit Neuverschuldung und zu einem geringen Teil mit Geldschöpfung finanziert. Bei einer sinkenden Wirtschaftsleistung, wie sie 2020 stattfand, ist die Zunahme der monetären Basis gefährlich, bei einer stark steigenden wie sie 2021 einsetzte, wird sie von der höheren Wirtschaftstätigkeit aufgesogen. Die Staatsschuld ist in den Budgetjahren, die jeweils im September ablaufen, um etwa 20% auf ca. 120% des BIP gestiegen. Das ist nicht ungefährlich.

Die hoch entwickelte US-Wirtschaft verdaut diesen Geldüberhang mit einer geringen Inflationswirkung. Der Index der Konsumentenpreise ist schon von 2% auf über 4% jährlich geklettert, und könnte bis 10% jährlich zunehmen. Doch wenn diese Entwicklung sich anbahnt, dürfte erwartet werden, dass die Fed. kräftig auf die Bremse tritt. Das hat sie zum letzten Mal 1980 getan, und dabei eine weltweite Rezession (auch in Argentinien) provoziert.

Abgesehen davon hat sich gezeigt, dass die stark gestiegene Geldversorgung sich wenig auf die Preise der Konsumgüter, mehr auf die Grossistenpreise, aber stark auf die Börsenkurse ausgewirkt hat. In armen Ländern bedeutet mehr Geld sofort mehr Konsum, also höhere Nachfrage nach allerlei Gütern des täglichen Bedarfs, wobei eine Preiswirkung dabei unvermeidbar erscheint. Aber in den Vereinigten Staaten hat die monetäre Expansion die Konsumgewohnheiten kaum verändert. Einmal haben die Menschen dabei ihre Geldreserven erhöht, in Form von Bargeld und vor allem in Bankdepositen, weil sie wegen der rezessiven Pandemiewirkung verunsichert worden waren. Und dann legten sie auch mehr beiseite, was sich auch auf die Börse auswirkte. Die monetäre Theorie wird angesichts dieser Erfahrung noch verfeinert werden müssen. (dpa/JEA)


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