• Argentinisches Tageblatt

Trennendes überwinden

Festgottesdienst zum Nationalfeiertag

Erzbischof Mario Poli und Präsident Mauricio Macri. (Foto: casarosada)

Buenos Aires (AT/mc) - Gemeinsamkeiten stärken und Trennendes überwinden - dies stand im Mittelpunkt der Predigt von Erzbischof Mario Poli, die dieser beim traditionellen Te Deum zum Nationalfeiertag am 25. Mai in der Kathedrale von Buenos Aires hielt. In Gegenwart von Staatspräsident Mauricio Macri, Vizepräsidentin Gabriela Michetti, Bürgermeister Horacio Rodríguez Larreta, Gerichtspräsident Carlos Rosenkrantz und den Spitzen der Streitkräfte warb Poli für einen „nationalen Pakt mit weitem und großzügigem Blick“. Dieser dürfe sich nicht an kurzfristigen Einzelinteressen orientieren. Vielmehr müsse er vor allem den Armen und Bedürftigen zugute kommen, die mittlerweile ein Drittel der Bevölkerung ausmachen.

Der Erzbischof erinnerte daran, dass die Kirche bereits 2001 einen solchen Vorschlag gemacht habe. Dies zeige, wie sehr die Initiative überparteilich zu begreifen sei. Sie rufe alle maßgeblichen politischen Akteure dazu auf, sich mit „Intelligenz, Kreativität und Vorstellungskraft“ an einen Runden Tisch zu setzen. Dabei gelte es nicht die Unterschiede, sondern die Gemeinsamkeiten hervorzuheben. „Die Gesellschaft ist nicht dafür da, geteilt zu werden. Man darf sich nicht daran gewöhnen, in ständiger Konfrontation zu leben.“

Poli nahm zudem Bezug auf Papst Franziskus, der einst selbst als Erzbischof von Buenos Aires den Gottesdienst zum Nationalfeiertag abhielt. „Er ist weiterhin der Meinung, dass die Politik ein grundsätzliches Vehikel ist, um eine Bürgergesellschaft aufzubauen.“

Der Erzbischof wandte sich jedoch nicht nur an die politische Klasse des Landes. Er kritisierte auch Medien und Meinungsforschungsinstitute. Diese säten oftmals Zweifel bezüglich der moralischen Integrität von Personen, die sich um öffentliche Ämter bewerben. „Nicht selten führt der mediale Effekt zu Konfusion und Mutlosigkeit“, argumentierte der Geistliche.

Poli würdigte in seiner Predigt Leben und Werk von Enrique Angelelli. Der einstige Bischof von La Rioja wurde 1976 von Schergen der Militärdiktatur umgebracht. Seine Seligsprechung erfolgte vor wenigen Wochen (wir berichteten). Einige konservative Kirchenkreise sehen dies auch kritisch, da Angelelli ihrer Meinung nach der Guerrilla-Organisation „Montoneros“ zu nahe gestanden sei.

Seitens der Nationalregierung zeigte man sich recht zufrieden mit der Predigt. Schließlich blieben scharfe kritische Töne wie vor zwei Jahren diesmal aus. Damals ging Poli die Regierung angesichts von Armut und sozialer Ungleichheit hart an.

Kabinettschef Marcos Peña versuchte, die Forderungen des Erzbischofs nach einem „nationalen Pakt“ ganz im Sinne der jüngsten Regierungsinitiative zu deuten. Diese hat zum Ziel, Repräsentanten verschiedener Parteien und Organisationen zum Gespräch in die Casa Rosada einzuladen. Auch Innenminister Rogelio Frigerio meinte: „Wir reden über ähnliche Dinge.“

Am 25. Mai wird in Argentinien der Mai-Revolution von 1810 gedacht, als es zur Erhebung gegen die spanische Kolonialmacht kam. Sie mündete sechs Jahre später in der Unabhängigkeit des Landes. Der Festgottesdienst war in der jüngsten Vergangenheit auch von politischen Querelen belastet. So feierten die Spitzen von Staat und Kirche das Te Deum zeitweise getrennt. Während der Kirchner-Jahre wichen die Vertreter der Nationalregierung in den Wallfahrtsort Luján aus, um die kritischen Worte des damaligen Erzbischofs Jorge Bergoglio nicht hören zu müssen.

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