Treffen zweier Verbündeter

Chiles Präsident Boric bei Alberto Fernández

Boric - Fernandez
Gabriel Boric (l.) und Alberto Fernández. (Foto: Casa Rosada)

Buenos Aires (AT/wvg) - Es war ein schnelles Wiedersehen: Nur vier Wochen nach ihrem letzten Treffen ist der chilenische Präsident Gabriel Boric zu einem Staatsbesuch bei Alberto Fernández in Buenos Aires eingetroffen. Außenminister Santiago Cafiero empfing den Staatschef des Nachbarlandes am Sonntagnachmittag am Flughafen in Ezeiza. Alberto und sein politischer Verbündeter Boric waren sich zuletzt bei dessen Amtseinführung am 11. März in Santiago de Chile begegnet (wir berichteten). Für den erst 36-jährigen Chilenen war es die erste Auslandsreise im Amt.

Am Montagmorgen kamen die Staatschefs zu einem bilateralen Gespräch in der Casa Rosada zusammen. Ziel war es, die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen beider Länder zu vertiefen. Nach dem Vier-Augen-Gespräch stießen mehrere Minister und Spitzenfunktionäre beider Seiten hinzu. Zum Abschluss des Treffens unterzeichneten die Präsidenten mehrere Übereinkünfte zu Menschenrechts- und LGBTQ-Themen, aber auch zur konsularischen Zusammenarbeit.

Bei der anschließenden Pressekonferenz zeigten sich die Staatschefs harmonisch. Vorhandene Differenzen wie etwa bei den Gebietsansprüchen beider Länder in der Antarktis ließen sich diplomatisch lösen, ohne die restliche Zusammenarbeit zu beschädigen, hofft Boric. Der chilenische Staatschef äußerte sich zudem solidarisch mit den argentinischen Gebietsansprüchen auf die Inselgruppe der Malwinen.

Ebenfalls vereint zeigten sich Alberto und Boric im Hinblick auf ihre politische Vision. Boric bezeichnete sich als „Verbündeten und Komplizen“ Argentiniens im Kampf gegen die Ungleichheit und für eine gerechtere Welt für alle. Alberto antwortete, dass Lateinamerika geeint werden müsse. Dies sei das „unauflösbare“ gemeinsame Ziel beider Länder, das gewahrt werden müsse. „Die Anden trennen uns nicht, sie vereinen uns“, so der argentinische Präsident. Bereits vor dem Treffen hatten Boric und Fernández am Denkmal des Befreiungskämpfers José de San Martin im Stadtteil Retiro Blumen niedergelegt.

Auf die Frage eines Journalisten nach der Rolle von autoritär regierten Ländern wie Kuba, Venezuela oder Nicaragua im angestrebten lateinamerikanischen Einigungsprozess antwortete Boric, es dürfe dort nicht mit zweierlei Maßstäben gemessen werden. „Die Menschenrechte müssen überall auf der Welt uneingeschränkt geachtet werden, unabhängig von der politischen Couleur der Regierung, die sie verletzt“, so der chilenische Präsident. Er verwahrte sich damit dagegen, den Maßstab der Menschenrechte nur bei bestimmten Ländern anzulegen.

Nach seinem Besuch in der Casa Rosada ging es für Boric weiter in den Kongress, wo seine Delegation unter anderem vom Präsidenten der Deputiertenkammer, Sergio Massa, empfangen wurde. Dem Nachrichtenportal „Infobae“ zufolge ging es bei dem Treffen mit den Parlamentariern unter anderem um eine mögliche Zusammenarbeit bei der Gasversorgung, aber auch um weitere Infrastrukturprojekte und Fragen des Rohstoffabbaus.

Gabriel Boric begann seine Karriere als Anführer der chilenischen Studentenproteste und ist seit März der jüngste Präsident in der Geschichte des Landes. Präsident Fernández bezeichnete ihn zu seinem Wahlsieg als „Verbündeten in der Region“. Beobachter werteten seine Wahl im Dezember 2021 als Schritt zu einer möglichen Rückkehr der lateinamerikanischen Linken.



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