Stichwahl um Johnson-Nachfolge

Truss und Sunak bereiten sich auf Wahlkampf vor

Truss - Sunak
Truss (l.) und Sunak auf dem Weg zu einem Treffen der Konservativen. (Fotos: dpa)

London (dpa) - Die beiden verbliebenen Kandidaten für die Nachfolge des scheidenden britischen Premierministers Boris Johnson haben sich nach der letzten Wahlrunde in der konservativen Fraktion optimistisch gezeigt. Ex-Finanzminister Rishi Sunak verwies am Mittwochabend im Gespräch mit dem Nachrichtensender Sky News darauf, als Schatzkanzler während der Pandemie wohl Millionen Menschen mit einem der deutschen Kurzarbeit nachempfundenen Programm den Job gerettet zu haben. Truss sagte, sie wolle durch Steuersenkungen das Wirtschaftswachstum ankurbeln und damit die Gunst der Wähler gewinnen.

In einer Stichwahl müssen sie sich nun den Mitgliedern der konservativen Partei stellen. Wer neue Parteichefin oder Parteichef der Tories und damit auch Premier wird, soll sich am 5. September herausstellen. Erwartet wird, dass sich die beiden einen hart geführten Wahlkampf liefern werden.

Beide Kandidaten zeigten sich zuversichtlich, dass sie Labour-Chef Keir Starmer und dessen Sozialdemokraten bei der nächsten Parlamentswahl besiegen können. Regulär steht zwar erst im Jahr 2024 wieder eine Wahl an. Doch es wäre nicht das erste Mal, dass in Großbritannien vorzeitig gewählt wird. In Umfragen liegt Labour derzeit weit vor den Konservativen.

Nun entscheiden zunächst einmal die wohl etwa 160.000 Mitglieder der Konservativen Partei, wer das Land führen soll. Auftakt für den Wahlkampfsommer bei den Tories ist am kommenden Montag, wenn sich die Finalisten in einem vom BBC-Fernsehen übertragenen Rededuell stellen.

Konfliktstoff birgt auch der umstrittene Gesetzentwurf zum Nordirland-Protokoll, für den das britische Unterhaus am Mittwochabend in dritter Lesung mehrheitlich stimmte - und das trotz teils heftiger Kritik aus den eigenen Reihen. Mit dem geplanten Gesetz sollen die Brexit-Vereinbarungen zu der britischen Provinz einseitig von London außer Kraft gesetzt werden können. Die EU-Kommission hatte sich zuvor äußerst besorgt ob des Vorhabens gezeigt und Konsequenzen angedroht.


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