• Argentinisches Tageblatt

Start frei für junges Netzwerk

FAAG und Stiftung Verbundenheit organisieren 1. Jugendtreff in Rosario

Von Catharina Luisa Deege und Jonas Uphoff

Die Veranstalter und Organisatoren sind stolz - das können sie auch sein. (Foto: Uphoff)

Buenos Aires (AT) - „Wir sind nichts anderes als natürliche Verbündete.“ Maja Dimitroff, die Kulturbeauftragte der deutschen Botschaft beschreibt schon in der Eröffnungsrede mit dem Zitat von Außenminister Heiko Maas exakt, wovon das in Rosario stattgefundene Event letztendlich gelebt hat.

51 Jugendliche, interessiert an der deutschen Kultur, Sprache und Umweltschutz, von denen manche weder deutsche Vorfahren, noch in der Schule die Sprache erlernt haben, sondern einfach dem natürlichen Interesse an transkulturellen Bündnissen nachgehen wollen. Wir, Jonas und Catharina vom Argentinischen Tagebaltt, durften auch dabei sein - beim 1. #Jugendtreff der FAAG („Federación de Asociaciones Argentino-Germanas“), organisiert von Dr. Marco Just Quiles von der Stiftung Verbundenheit mit den Deutschen im Ausland.

Nach unserer Ankunft wurden wir jungen Erwachsenen von den Veranstaltern im Club Alemán in Rosario begrüßt. Es sollten uns spannende zwei Tage voller Präsentationen, Input und energiespendenden Getränken wie Kaffee und Mate erwarten. Mit dem gemeinschaftlichen Frühstück um 8 Uhr begannen der Samstag sowie der Sonntag,

Morgenmuffelstimmung war jedoch nie angesagt. Das gemeinsame Interesse an Deutschland war ein Bindeglied zwischen allen Teilnehmern. Viele hatten schon Erfahrungen durch Austauschprogramme, Sprachkurse oder die eigene Familie gesammelt.

Das Ziel des Projekts? Das Potenzial zu nutzen. Das Potenzial unserer Generation, welche reich an Motivation ist, in einer globalisierten Welt Verbindungen herzustellen, Zukunftsmöglichkeiten für uns darin zu sehen, miteinander für den Umweltschutz zu kämpfen und in dem Sinne voneinander zu lernen.

Zwei Länder und Kulturen, die sich einerseits so fern und gleichzeitig so nah sind - aber letztendlich immer auch miteinander verbunden waren.

Mathias Ensinck will seine Erfahrung an andere weitertragen. (Foto: Deege)

Mathias Ensinck aus San Juan hat sich aufgrund dieses gemeinschaftlichen Aspekts beworben. „Die einzige Art und Weise, einen sozialen Wandel zu vollziehen, ist, sich zu treffen und sich auszutauschen, mit jungen Leuten aus dem ganzen Land.“ Die 17 bis 35-Jährigen kamen aus fast allen Teilen Argentiniens angereist: Misiones, Chaco, Santa Fe oder Mendoza, um nur ein paar Provinzen zu nennen.

Studentin Zoe Beloff kann dem Event viel abgewinnen. (Foto: Deege)

Teilnehmerin Zoe Beloff aus Buenos Aires hat etwas anderes motiviert, sich zu bewerben: Sie hat uns erzählt, dass sie den #Jugendtreff als eine attraktive Chance gesehen hat, zwei ihrer größten Leidenschaften vereinen zu können. Als Studentin der Umweltwissenschaften und ehemalige Schülerin einer deutschen Schule war es für sie eine einmalige Gelegenheit, durch die vielen einflussreichen Funktionsträger, die bei der Veranstaltung anwesend waren, etwas für sich persönlich, jedoch auch auf professioneller Ebene mitzunehmen.


Zukunftsvisionen, Diskussionen und Sauerkraut

Als eines der besonders herausfordernden Phänomene unserer Zeit und insbesondere für Jugendliche ein omnipräsentes Thema, zu dem jeder etwas beitragen und diskutieren kann, machten die Veranstalter den Klimawandel und Strategien im Umgang mit diesem aus. Der zweite Tag startete daher mit Vorträgen dreier Experten, die allesamt die Themen Nachhaltigkeit und Umwelt behandelten. Verena Böhme von der Organisation „Manos Verdes“ („Grüne Hände)“, die sich mit der problematischen Müllentsorgung in Argentinien beschäftigt, betonte, wie wichtig die Zusammenarbeit beider Nationen sei und wie viel Argentinier und Deutsche in dieser Hinsicht voneinander lernen könnten. Außerdem geladen waren Federico Fritz von CREA, einer Organisation, die sich um nachhaltige Landwirtschaft kümmert, und Klimaexpertin Tais Gedea Lara, die Konzepte für erneuerbare Energien und Mobilität vorstellte.

Doch bloßes Hören und Verstehen von Inhalten war nur der Auftakt und kleinste Teil dieses Programms. Denn schon bald waren die Teilnehmer selbst gefragt, ihre eigene Ideen und Konzepte für nachhaltige und ökologische Projekte in Gruppen zu verfassen und anschließend zu präsentieren.

Der Kick-Off für eine deutsch-argentinische Community. (Foto: Stirz)

Die kreativen Herangehensweisen zeigten, wie ernst das Thema von den Teilnehmern genommen wird, und wie hoffnungsvoll und aktiv junge Leute sein können, wenn es um die Mitgestaltung der Zukunft geht. Dies wurde nicht nur von uns und den anderen Teilnehmern so wahrgenommen, sondern auch von der „Jury“, unter anderem bestehend aus der Kongressabgeordneten Cornelia Schmidt-Liermann. Veranstalter und Teilnehmer sind hoffnungsfroh, dass sie die Ideen mitnehmen und sie eventuell an den richtigen Stellen einsetzen können.

Die Konzepte kreisten vor allem um das Thema der emissionsfreien Fortbewegungsmittel. So wurde beispielsweise vorgeschlagen, flächendeckend die Radwege besser auszubauen und, ähnlich wie es zum Beispiel in Buenos Aires bereits vorhanden ist, auch in anderen Städten des Landes ein Fahrrad-Leih-System zu etablieren. Auch die öffentlichen Verkehrsmittel haben nach Aussage der Repräsentanten vielerorts eine Grundüberholung nötig. Ideen für effektive Recycling-und Pfand-Methoden nach deutschem Vorbild wurden ebenfalls vorgestellt.

Dass die Teilnehmer aus allen Gegenden Argentiniens (und daher aus strukturell sehr unterschiedlichen Regionen) kamen, machte die verschiedenen Perspektiven, noch mal umso interessanter. Um über Möglichkeiten zu Studiengängen, Stipendien, Ausbildungen und Arbeit in Deutschland zu informieren, gab es am Nachmittag Informationsstände, unter anderem von Repräsentanten der Argentinisch-Deutschen Handelskammer.

Trotz des ausgiebigen Programms blieb den Teilnehmern noch genug Zeit, um das malerische Flussufer Rosarios zu besuchen. Abgerundet wurde der Tag durch ein traditionell deutsches Essen (wahlweise entweder Bratwurst mit Sauerkraut oder Gulasch mit Spätzle) und eine anschließende Party.

Alles in allem herrschte viel Ausgelassenheit und Gemeinschaftsgefühl. Dies lag auch am nächsten Tag trotz des erschöpfenden Programms in der Luft. Denn während alle interessiert den Vernetzungsmöglichkeiten durch deutsche Vereine lauschten und ihre Rückmeldungen gaben, bekamen wir den Eindruck, dass an diesem Wochenende tatsächlich eine eindrucksvolle, engagierte und sehr international denkende Community zueinander gefunden hat.


Weltbürger

Wir sind weder Deutsche noch Argentinier, sondern ganz einfach Weltbürger. Einfach ist es zwar nicht, das zu verstehen, sondern eher überfordernd, denn Grenzen verschwimmen. Doch wie bereichernd es auch sein kann, transkulturelle Bindungen einzugehen und sich zu trauen, manchmal über seine eigene Nationalität hinweg zu schauen, haben uns FAAG und Stiftung Verbundenheit durch dieses besondere Projekt gezeigt.

Das „Mind Opening“ ist ein Prozess. Das sagte der Koordinator der „Jovenes de la FAAG“, Gabriel Podevils, am Ende der Veranstaltung. Der Austausch ist das, was zählt. Und so schwer ist das nicht. Ob online, durch das neue junge Netzwerk oder bei einem Bier in einer Bar, Austausch kann immer und überall stattfinden.

Die jungen Erwachsenen konzentriert und motiviert. (Foto: Stirz)

Den Horizont zu erweitern und somit auch neue Berufswege einschlagen können: Der Dialog zwischen Argentinien und Deutschland ist wertvoll, vor allem in Zeiten, in denen rechte Wellen gegen internationale Bindungen einschlagen.

Was die Jugendlichen (außer Broschüren und Ansteckpins) also mitgenommen haben?

„Neues Wissen, neue Kontakte und natürlich ein neues Netzwerk!“, antwortet uns Zoe. Student Mathias nimmt etwas ganz Besonderes mit: „Die Verantwortung, das was ich hier gelernt habe, weiterzutragen und in die Gesellschaft zu integrieren.“


„In jeglicher Hinsicht die Erwartungen übertroffen“

Der Hauptveranstalter Marco Just Quiles wertet den Kongress als vollen Erfolg. „Das Wichtigste ist, dass die Leute jetzt motiviert nach Hause gehen“, so der Organisator. Denn der Kongress soll nicht nur ein einmaliges Erlebnis bleiben, sondern den einzelnen Teilnehmern, bei denen gezielt darauf Rücksicht genommen wurde, dass möglichst viele Regionen Argentiniens repräsentiert werden, Denkanstöße und Unterstützung für selbst erdachte Aktionen und Events geben. Denn die deutschen Institutionen senden zwar ein wichtiges Zeichen, indem sie den Jugendlichen signalisieren, dass sie gesehen werden. Doch ihr kreatives Engagement haben sie bereits inne.

315 vistas

© 2019 Tageblatt - All rights reserved

  • White Twitter Icon
  • White Facebook Icon
  • White Instagram Icon