Sorgenvolle Töne zum Nationalfeiertag

Empfang des österreichischen Botschafters zum 26. Oktober

Von Marcus Christoph

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Botschafter Andreas Melán und seine Frau Patricia Melán-Csik beim Empfang zum Nationalfeiertag. (Foto: Christoph)

Buenos Aires (AT) - Groß war die Freude bei Botschafter Andreas Melán, dass zum ersten Mal seit drei Jahren die Feier zum österreichischen Nationalfeiertag wieder im schönen Garten der Residenz im Stadtteil Belgrano stattfinden konnte. Zahlreiche Gäste aus Politik, Diplomatie, Wirtschaft und Gesellschaft waren der abendlichen Einladung am Mittwoch gefolgt, bei der schließlich auch das Wetter mitspielte.

Die Österreicher feiern jedes Jahr am 26. Oktober ihren Nationalfeiertag. Das Datum erinnert an den Beschluss der österreichischen Neutralität, der vor 67 Jahren gefasst wurde. Zudem war der 26. Oktober 1955 auch der erste Tag, an dem laut Staatsvertrag keine fremden Truppen mehr auf österreichischem Hoheitsgebiet stehen durften.

Angesichts der aktuellen Weltlage stimmte Melán bei seiner Rede aber vor allem sorgenvolle Töne an. Denn die Welt habe sich am 24. Februar durch den „grausamen Angriff“ Russlands auf die Ukraine fundamental geändert. „Zum ersten Mal seit vielen Jahren ist der Krieg nach Europa zurückgekehrt“, verdeutlichte der Botschafter.

Die Menschen seien verängstigt umso mehr, da der russische Präsident mehrfach mit dem Einsatz von Atomwaffen gedroht habe. „Wir wissen nicht, wohin das Ganze noch führt, und wie es endet“, sagte Melán. Die Sympathie und die Solidarität Österreichs gelte dem bedrängten ukrainischen Volk. „Wir unterstützen es, genauso wie die anderen Länder Europas.“

Melán beklagte, dass in der gegenwärtigen Auseinandersetzung auch Ernährung und Energie als Waffen eingesetzt werden. Als weitere Belastung komme in der Folge der gestiegenen Energiepreise auch eine gestiegene Inflation als Problem auf die Menschen zu.

Letztlich würden die Konsequenzen auch in weit vom Krieg entfernten Ländern wie Argentinien spürbar werden, schätzt der Botschafter. Er äußerte den Wunsch, beim Empfang im kommenden Jahr über „positivere Dinge“ reden zu können.

Etwas Erfreuliches gab es für Melán aber auch jetzt schon zu berichten. So informierte er darüber, dass in diesem Jahr 800 direkte Nachkommen von Geflüchteten des Holocausts in Argentinien die österreichische Staatsbürgerschaft erhalten haben. Die Bewilligungen erfolgten großzügig und so wenig bürokratisch wie möglich, so der Botschafter.

2019 hatten sich alle im österreichischen Nationalrat vertretenen Parteien darauf verständigt, den Zugang zur Staatsbürgerschaft auf die Nachfahren jener Opfer zu erweitern, die Österreich bis zum 15. Mai 1955 verlassen haben. Der neue § 58c Abs. 1a StbG ermöglicht den Nachkommen von Opfern des NS-Regimes, die österreichische Staatsbürgerschaft zu erhalten, ohne dafür ihre bisherige Staatsangehörigkeit aufgeben zu müssen.

Zwar sind einige Dokumente als Nachweis der Herkunft notwendig. Doch in Abstimmung mit den in österreichischen Archiven tätigen Historikern sei eine zügige und unkomplizierte Bearbeitung möglich, hatte Melán bereits im April dieses Jahres angekündigt.

Viel Zeit zum Ausruhen nach dem Empfang hatten Melán und sein Team nicht. Bereits am Folgetag stand der Besuch des österreichischen Vize-Außenministers Peter Launsky-Tieffenthal in Buenos Aires auf dem Programm.


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