Rückkehr zu Getreide-Deal

Moskaus Invasion in der Ukraine steckt fest

Putin
Mit dem Angriffskrieg gegen die Ukraine scheint Russland zunehmend in eine Sackgasse zu geraten. (Foto: dpa)

Moskau/London (dpa) - Auch nach der Teilmobilmachung von 300.000 Reservisten gibt es für Russland in dem Angriffskrieg gegen die Ukraine so gut wie keine militärischen Fortschritte. Unterdessen kündigte Moskau am Mittwoch überraschend an, wieder in das erst am Samstag ausgesetzte Abkommen für ukrainische Getreideausfuhren über das Schwarze Meer einzusteigen.

Die russischen Invasionstruppen kommen nach britischen Geheimdienstinformationen in der Ukraine nur äußerst langsam voran. Das Verteidigungsministerium in London verwies bei seinem täglichen Update am Mittwoch auf Aussagen des Chefs der Söldnergruppe Wagner, Jewgeni Prigoschin, wonach seine Einheiten täglich 100 bis 200 Meter vorrückten. London betonte aber, Moskaus Militärdoktrin sehe eigentlich Vorstöße von 30 Kilometern pro Tag vor.

Laut westlichen Regierungsquellen sind infolge der teilweisen Mobilmachung schätzungsweise 400.000 Russen aus ihrer Heimat geflohen. Bei der Zahl seien noch nicht diejenigen berücksichtigt, die wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine das Land schon vorher verlassen hätten.

Für Überraschung sorgte, dass Russland wieder in das Abkommen zum Export von Getreide aus der Ukraine über das Schwarze Meer einsteigen will. Dank der Vermittlung der Türkei habe die Ukraine zugesichert, den Seekorridor nicht für Kampfhandlungen gegen Russland zu nutzen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sieht die Wiederaufnahme des Getreideabkommens als Teilerfolg im Krieg mit Russland. „Die russische Erpressung hat zu nichts geführt”, sagte Selenskyj am Mittwoch in seiner abendlichen Videoansprache. Er lobte insbesondere UN-Generalsekretär António Guterres und den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan sowie weitere Schlüsselpartner als Vermittler. Kremlchef Wladimir Putin schloss jedoch einen neuen Ausstieg aus dem Getreideabkommen mit der Ukraine nicht aus, sollte es aus russischer Sicht Verstöße dagegen geben. „Russland behält sich das Recht vor, aus diesen Vereinbarungen auszusteigen für den Fall, dass die Garantien seitens der Ukraine verletzt werden”, sagte Putin am Mittwoch bei einer Videokonferenz.

Wie frustriert russische Generäle über den Misserfolg in der Ukraine sind, soll einem Bericht der „New York Times” zufolge die Diskussion über den Einsatz taktischer Atomwaffen zeigen. Die Zeitung berichtete am Mittwoch, ranghohe russische Militärangehörige hätten darüber gesprochen, wann und wie Moskau womöglich eine taktische Atomwaffe in der Ukraine einsetzen könnte. Russlands Präsident Wladimir Putin sei in die Diskussionen nicht eingebunden gewesen.

Die US-Regierung warf Nordkorea vor, Russland im Krieg gegen die Ukraine heimlich mit Militärausrüstung zu unterstützen. Nordkorea versuche die Lieferungen von Artilleriegeschossen über andere Länder etwa im Nahen Osten zu verschleiern. Die Lieferungen zeigten nicht nur, wie sehr Nordkorea bereit sei, Russland zu unterstützen. Es sei auch ein Zeichen für Russlands Mangel an militärischer Ausrüstung.

Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu bekräftigte unterdessen bei einem Besuch in Minsk das Ziel einer engen militärischen Zusammenarbeit mit Belarus. Der Aufbau eines gemeinsamen Verteidigungsraums sei besonders wichtig mit Blick auf die sich verschärfende Konfrontation zwischen dem Westen und Russland. Russland hatte zuletzt Tausenden Soldaten, Panzer und schwere Militärtechnik nach Belarus verlegen lassen. Die Regierung in Kiew sieht auch Belarus als Kriegspartei, weil das Land russischen Truppen seine Militärbasen für Angriffe auf die Ukraine überlassen hatte.



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