• Argentinisches Tageblatt

Randglossen

(Vom 22.11. bis 29.11.)

Sag mir, mit wem du dich herumtreibst, und ich sage dir, wer du bist”, besagt ein argentinisches Sprichwort. Cristina und Alberto Fernández unterscheiden sich jetzt auch deutlich durch die Gouverneure, die sie bevorzugen. Während der Präsident enge Beziehungen zu Uñac (San Juan), Bordet (Entre Rios) u.a. aufgebaut hat, die sich zivilisiert verhalten, unterhält die Vizepräsidentin enge Beziehungen zum Gouverneur von Formosa, Insfran, und dem ehemaligen Gouverneur von Santiago del Estero, Zamora. Der erste hat den Vorsitzenden ihrer Senatsfraktion gestellt, der zweite seine Frau als Vorsitzende der Deputiertenkammer, und somit dritte in der Nachfolge des Präsidenten. Sowohl Insfran als auch Zamora wiesen ein Verhalten auf, bei dem sie in Ländern wie Deutschland hinter Gittern sitzen würden. Und jetzt kommt noch der Fall des mehrmaligen Gouverneurs von Tucumán und Senatoren, José Alperovich, hinzu, ein hundertprozentiger Kirchnerist, der von seiner Nichte wegen Vergewaltigung angeklagt wurde und dabei von seinen Kollegen im Senat nicht in Schutz genommen wurde. Schlimm für Cristina.


Dass Alter und Weisheit mitunter konträre Begriffe sein können, weiß man nicht erst seit Donald Trump, dem bei seinem Amtsantritt bisher ältesten US-Präsidenten. Diesen Titel und damit auch das Amt wollen ihm jetzt gleich drei demokratische Konkurrenten streitig machen. Joe Biden (74), Bernie Sanders (78) und Michael Bloomberg (77), von denen alle drei im Falle eines Wahlsiegs beim Amtsantritt älter wären als Donald Trump bei dem seinigen. Sanders und Bloomberg wären sogar älter als Ronald Reagan am Ende seiner achtjährigen Amtszeit. Und Reagan hatte, höflich ausgedrückt, zuletzt so einige Probleme mit dem Gedächtnis. Das muss natürlich auf die drei Demokraten nicht zutreffen. Trump ist jedenfalls jünger als seine Gegner, aber das fällt auch auf. Er ist nicht agiler, sondern infantiler.


Der Mann ist nicht nur äußerst undiplomatisch, sondern auch ein bisschen einfältig. Die Rede ist vom US-Botschafter in Deutschland. Richard Grenell heißt der Mann, aber das ist unwichtig. Er ist ein Trump-Klon, das heißt er verhält sich noch trumpiger als das Original. Entweder droht er der deutschen Regierung oder gibt ungebetene Ratschläge. Kürzlich musste sich Grenell furchtbar aufregen, weil Wirtschaftsminister Altmeier die Aufforderung der US-Regierung, den chinesischen Mobilfunkkonzern Huawei wegen Spionageverdachts bei der Vergabe von Lizenzen auszuschließen, kritisiert hat. Altmeier hatte erklärt, man würde auch die USA nicht ausschließen, obwohl sie das Handy von Bundeskanzlerin Merkel abgehört hätten. Grenell sah darin eine Beleidigung von US-Soldaten. Das ist es nicht, sondern ein ironischer Seitenhieb. Der US-Botschafter hätte auch sagen können: Huawei ist gefährlich, und Merkel wurde von Obama abgehört. Dann hätte er die Lacher auf seiner Seite gehabt.

0 vistas

© 2019 Tageblatt - All rights reserved

  • White Twitter Icon
  • White Facebook Icon
  • White Instagram Icon