• Argentinisches Tageblatt

Randglossen

(Vom 27.9. bis 4.10.)

Macri hat am Samstag den ersten von 30 öffentlichen Auftritten seiner Wahlkampagne vollzogen. Es war im Stadtteil Belgrano, an der neuen Eisenbahnstation, wo er zu einer Menschenmenge von über 50.000 dicht aneinander stehenden Personen sprach, die unzählige argentinische Fahnen hielten. Es war ein Erfolg, der jedoch beim gehobenen Mittelstand, der in dieser Gegend wohnt, zu erwarten war. Konkret hat er nicht viel gesagt. Ein Programm für eine zweite Amtszeit scheint er nicht zu haben. Doch es dürfte ihm jetzt weniger darum gehen, die Wahl zu gewinnen, als eine bedeutende parlamentarische Vertretung zu erreichen, so dass er nach dem 10.Dezember weiter in der großen Politik mitmischt und 2023 selber oder mit einem anderen seiner Koalition wieder an die Regierung gelangen kann.


In erster Linie ist es Heuchelei, in zweiter Undankbarkeit, die ihresgleichen sucht. Da ist US-Präsident Donald Trump unter wesentlicher Mithilfe von Russland an die Macht gekommen, und nun belegt seine Regierung das Land mit Sanktionen, weil es sich in die US-Wahlen eingemischt hat. Dazu kommt, dass Trump im Gegensatz zu den Geheimdiensten zu der Erkenntnis gelangt war, dass Moskau nichts mit seinem Wahlsieg zu tun hatte. Das entbehrte zumindest nicht einer gewissen Logik. Für den Politclown im Weißen Haus wäre es eine kognitive Dissonanz, wenn er seinen Wahlsieg den Russen zu verdanken hätte. Wenn er jetzt Sanktionen verhängt, gibt er zu, dass er Moskau Dank schuldet. Undank ist der Welt Lohn.


Vielleicht braucht man zur Erklärung des österreichischen Wahlergebnis ja einen anderen Ansatz. Dass Politiker bestechlich sind und auch gerne in die eigene Tasche wirtschaften, ist ja nichts Neues und hätte nicht zu solch drastischen Stimmenverlusten für die FPÖ führen dürfen. Vor zwei Jahren war die Partei bei den Nationalratswahlen auf rund 26 Prozent gekommen. Das entspricht in etwa der Zahl der Raucher in Österreich. Eine zentrale FPÖ-Forderung war die Aufhebung des Rauchverbots. Für den damaligen FPÖ-Chef und Kettenraucher HC Strache war das fast noch wichtiger als ein Burkaverbot. Das Rauchverbot kam durch, die FPÖ konnte ein zentrales Wahlversprechen nicht durchsetzen. Dass die Partei mehr als ein Drittel ihrer Wählerschaft verliert, ist nachvollziehbar. Nikotinsüchtige könne sehr nachtragend sein.

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