„Programm der Brüderlichkeit“

Alberto Fernández empfing Guillermo Lasso

Lasso - AF
Guillermo Lasso (l.) mit Alberto Fernández. (Foto: Casa Rosada)

Buenos Aires (AT/mc) - Für einen Neubeginn im Umgang mit Venezuela hat Alberto Fernández geworben. Der argentinische Präsident regte dies beim Besuch seines ecuadorianischen Amtskollegen Guillermo Lasso an, der am Montag in Buenos Aires weilte. Die Worte Fernández‘ haben in diesem Zusammenhang besonderes Gewicht, da er derzeit auch den zeitweisen Vorsitz der Gruppe der Länder Lateinamerikas und der Karibik (Celac) innehat. Beide Staatschefs verständigten sich darauf, im Rahmen dieses Staatenbündnisses ein „Programm der Brüderlichkeit“ auf den Weg zu bringen.

„In meiner Funktion als Celac-Vorsitzender rufe ich alle Länder der Region auf, die Situation in Venezuela zu überdenken, weil das Land eine schwere Zeit durchgemacht hat.“ Jetzt gelte es, das Krisenland zu unterstützen, indem wieder Botschafter dorthin entsandt werden, so Fernández. Seine Regierung jedenfalls habe vor, die diplomatischen Beziehungen zu dem sozialistischen Erdölstaat, dem Menschenrechtsverletzungen und Demokratiedefizite vorgeworfen werden, wieder zu normalisieren. Fernández‘ Amtsvorgänger Mauricio Macri hatte die Beziehung zur venezolanischen Regierung von Nicolás Maduro eingefroren und stattdessen den Oppositionspolitiker Juan Guaidó als legitimen Vertreter Venezuelas anerkannt.

Fernández rief des Weiteren zu einer weitreichenden Integration der lateinamerikanischen Region auf: Es gelte, eine „vollständige Einheit“ herzustellen, „damit unsere Völker besser leben“. Lasso und er stimmten darin überein, dass Lateinamerika einen entschiedenen Kampf gegen die Armut brauche sowie ein starkes Eintreten für die Demokratie und ihre Institutionen. Dazu rechnete Fernández auch eine „wirklich republikanisch gesinnte Justiz - unabhängig von den De-facto-Mächten“.

Lasso, der von Hause Unternehmer ist und politisch als konservativ gilt, betonte, dass das Celac-Bündnis als Plattform dienen könne, die Einheit Lateinamerikas und der Karibik wieder herzustellen. „Ein Dialogforum, in welchem wir unsere Differenzen austragen können, und das zum Wohlstand unserer Völker beiträgt“, so der ecuadorianische Präsident.

Im Interview mit der Zeitung „La Nación“ sprach sich Lasso zwar ebenfalls für eine Normalisierung der Beziehungen zu Venezuela aus. Gleichwohl sagte er, dass sein Land noch nicht bereit sei, wieder einen Botschafter nach Caracas zu entsenden. Bei dem Gespräch kündigte Lasso an, beim nächsten Celac-Gipfel eine gemeinsame Verurteilung des russischen Angriffskrieges anzuregen. Die Invasion in der Ukraine bezeichnete Lasso als „Horror“, der keinen Sinn habe und sofort beendet werden müsse.

Alberto Fernández hat es während seiner Celac-Präsidentschaft noch nicht geschafft, eine entsprechende Erklärung der Staatengruppe auf den Weg zu bringen. Dies dürfte auch kein Selbstgänger sein. Schließlich gibt es mit Venezuela, Kuba und Nicaragua Staaten in der Region, die sich bislang geweigert haben, Stellung gegen Putins Aggression zu beziehen.


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