Plattform für Industrie 4.0

Hannover Messe soll nach Buenos Aires kommen

Von Marcus Christoph

Sante - Rohde - Kulfas
Ulrich Sante (M.) und Bernd Rohde (l.) im Gespräch mit Wirtschaftsminister Matías Kulfas. (Foto: Deutsche Botschaft)

Buenos Aires (AT) - „Argentinien wirtschaftlich auf die Weltkarte bringen.“ Mit diesen Worten warb Dr. Ulrich Sante für die Idee, die Hannover Messe in der zweiten Märzhälfte des kommenden Jahres in Buenos Aires zu veranstalten. Gemeinsam mit Bernd Rohde, dem Regionaldirektor der Hannover Messe in Mexiko, stellte der deutsche Botschafter vor wenigen Tagen das ehrgeizige Vorhaben in seiner Residenz vor. Es gehe darum, eine internationale Plattform zu schaffen mit dem Ziel, ein positives Bild von Argentinien zu erzeugen und Investoren für das Land zu gewinnen, führte Sante bei dem Pressegespräch aus.

Gemeinsam mit Rohde hatte er mehrere Unterredungen mit hiesigen Entscheidungsträgern. Darunter der argentinische Wirtschaftsminister Matías Kulfas und Pablo Julio López, der Finanzminister der Provinz Buenos Aires. Die Gesprächspartner seien „sehr interessiert“ an der deutschen Initiative gewesen, berichtete Sante. Als Messe-Standorte kommen die Rural im Buenos-Aires-Stadtteil Palermo und das Areal Tecnópolis im Vorort Vicente López in Betracht.

Die Hannover Messe ist die weltweit größte Industriemesse. Sie hat sich in den vergangenen Jahren zum globalen Hotspot für Industrie 4.0 entwickelt, worunter man die umfassende Digitalisierung der industriellen Produktion versteht. Mittlerweile ist die Hannover Messe zu einem Exportschlager geworden. So fand sie bereits in Ländern wie Mexiko, den USA, China, der Türkei und Singapur statt. In dem südostasiatischen Stadtstaat wirkte seinerzeit Sante als deutscher Botschafter, als dort 2018 erstmals eine Ausgabe der Hannover Messe stattfand. Angesichts der dabei gewonnenen positiven Erfahrungen bemühte sich Sante, der seit 2020 die hiesige deutsche Botschaft leitet, darum, Buenos Aires als südamerikanischen Standort für die Hannover Messe zu positionieren.

Vorteile würde die Industriemesse nach Hannoveraner Vorbild vor allem für kleine und mittlere Betriebe bringen, meinte der Botschafter. Die großen Unternehmen hätten mit den Veränderungen, die die Digitalisierung mit sich bringe, weniger Probleme als die mittelständischen Betriebe, bei denen mitunter Sorge davor bestünde, bisherige Produktionsweisen zu ändern.

Bernd Rohde konnte von seinen Erfahrungen mit der Hannover Messe in Mexiko berichten. Das nordamerikanische Land, früher vor allem ein Standort für billige Arbeit, habe 2019 die Chance genutzt, sich als moderner Industriepartner zu zeigen, so Rohde in akzentfreiem Spanisch. Er pries die Industrie-Schau mit einem Vergleich an: „Die Hannover Messe ist für die Industrie, was die WM für einen Fußballer ist.“ Zur Auftaktmesse vor drei Jahren in Leon im Bundesstaat Guanajuato seien an den drei Ausstellungstagen mehr als 30.000 Besucher gekommen, schilderte Rohde. Wichtig sei, dass Regierung, Forschung und Wirtschaft an einem Strang zögen.

„Der menschliche Faktor ist entscheidend“, unterstrich der Messe-Vertreter. Zur Förderung junger Talente sollen Preise ausgelobt werden. Ein weiteres Augenmerk richte sich auf die Unterstützung von Frauen, deren Anteil in Argentinien bei Ingenieurswissenschaften bislang nur rund 25 Prozent ausmache. Mit der Hannover Messe einhergehen sollen Seminare, Konferenzen und Spitzentreffen zu den Themen Nachhaltigkeit und Duale Ausbildung.

Rohde sprach von einem „guten Eindruck“, den er von Buenos Aires als möglichen Messe-Standort gewonnen habe. Dies werde er in Hannover berichten, wo Ende dieses Monats eine verbindliche Entscheidung zur Veranstaltung der Messe in der argentinischen Hauptstadt fallen soll.

Wie Sante erläuterte, ist das Messe-Projekt als eine Säule des deutsch-argentinischen Zukunftsforums (Foro Futuro) zu sehen. Dabei gehe es um die industrielle Transformation Argentiniens, um die Energiewende, die für Argentinien große Chancen biete, um verbesserte (zertifizierte) Berufsausbildung nach dem in Deutschland bewährten Dualen System sowie um Unterstützung für Start-ups. Was Letzteres betrifft, konnte Sante verkünden, dass noch in diesem Jahr in Buenos Aires ein Büro von German Accelerator öffnen soll. Dabei handelt es sich um ein vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gegründetes Förderprogramm für. Jungunternehmen.

„Wir glauben an die Kräfte, die verändern wollen“, fasste Sante zusammen, der bei der Gelegenheit auch die Wichtigkeit des kürzlich ausgehandelten Abkommens zwischen Argentinien und dem Internationalen Währungsfonds betonte. Dies schaffe Vertrauen für Argentinien in der Welt. Wenn das Abkommen tatsächlich abgesegnet würde, käme die Messe zur rechten Zeit, so der Ausblick des Botschafters, der Deutschland als verlässlichen Partner Argentiniens empfahl: „Die alten Freunde können auch die Freunde von morgen sein.“


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