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Nobelpreis für ehemaligen Fed-Präsidenten Bernanke und Ökonomen seiner Richtung

Von Alexander Sturm und Steffen Trumpf

Ben Bernanke
Ben Bernanke. (Foto: wikipedia.org)

Der diesjährige Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften geht an den ehemaligen US-Notenbankchef Ben Bernanke und die beiden ebenfalls US-Ökonomen Douglas Diamond und Philip Dybvig. Mit ihren Erkenntnissen hätten sie das Verständnis der Rolle von Zentralbanken in der Wirtschaft bedeutend verbessert - vor allem in Finanzkrisen, würdigte die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm. Die Forscher hätten in den frühen 1980er Jahren die Grundlagen zur modernen Bankenforschung gelegt. "Ihre Analysen sind von großer praktischer Bedeutung bei der Regulierung der Finanzmärkte und dem Umgang mit Finanzkrisen gewesen." Als Präsident der US-Notenbank Fed von 2006 bis Anfang 2014 steuerte der heute 68 Jahre alte Bernanke die USA durch die schwerste Finanzkrise seit der Großen Depression der 1930er Jahre.

Bernanke habe gezeigt, wie der Ansturm von Kunden auf Banken zum Abheben ihrer Ersparnisse aus einer relativ gewöhnlichen Rezession in den 1930er Jahren eine schwerwiegende Krise mit dramatischen Folgen weltweit gemacht habe, erklärte John Hassler vom zuständigen Nobelkomitee. Wenn Sparer in großer Zahl gleichzeitig an ihr Geld wollten ("Bank Run"), könne das Gerücht zur selbsterfüllenden Prophezeiung werden. Staatliche Einlagensicherungen könnten da vorbeugen.

"Alle drei Preisträger haben unser Verständnis über die Rolle von Banken und deren Risiken verändert und Wege aufgezeigt, wie sie reguliert werden müssen." Ihre Werke beeinflussten noch heute fast alle Forschungsprojekte zu Banken und Finanzkrisen, sowie die Arbeit von Zentralbanken und Bankenaufsehern.

Für Bernanke ist der Nobelpreis die Krönung seiner Karriere als Ökonom - auch wenn viele Menschen seinen Namen nur mit der Finanzkrise verbinden. Sein Vater war Apotheker und die Mutter Lehrerin, Bernanke studierte an der Elite-Universität Harvard und promovierte am Massachusetts Institute of Technology. Als Vorsitzender des Council of Economic Advisers leitete er das wichtigste Ratgebergremium der US-Regierung, bevor er zum Nachfolger von Alan Greenspan an die Spitze der Notenbank Fed berufen wurde.

Kurz nach seinem Amtsantritt brach die Immobilienkrise über die USA herein. Sie erfasste auch die Banken und erreichte im Zusammenbruch von Lehman Brothers 2008 ihren Höhepunkt. Bernanke wurde zum Manager der Finanzkrise. Er reagierte, senkte rapide den Leitzins und pumpte Billionen Dollar in die Märkte. Die Bilanzsumme der Fed stieg in gut fünf Jahren von rund u$s 870 Mrd. auf mehr auf u$s 4,1 Bio. - ein gewaltiges Experiment. Auch andere Notenbanken wie die Europäische Zentralbank (EZB) lockerten ihre Geldpolitik in den Folgejahren beispiellos.

Die USA ließen die Finanzkrise relativ schnell hinter sich: Zum Ende von Bernankes Amtszeit Anfang 2014 war die Arbeitslosigkeit dort so gering wie nie seit Beginn der Krise, das Wirtschaftswachstum stärker. Doch schon damals gab es große Zweifel am Rezept der lockeren Geldpolitik. Skeptiker kritisierten, sie warnten, das billige Geld würde der Welt eines Tages eine noch viel schlimmere Blase bescheren. Doch das ist bisher nicht geschehen. Die Fed muss eben wissen, wann die expansive monetäre Politik aufhören muss. Und genau das ist jetzt, angesichts der Inflation, die in den USA auf 9,1% gestiegen ist, der Fall. (dpa)


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