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Niedriger Ölpreis als Herausforderung für die Opec


„Wir haben einen sehr exklusiven Klub gegründet.“ Stolz verkündete der Ölminister Venezuelas, Perez Alfonso, die Einigung in Bagdad. Iran, Irak, Saudi-Arabien, Kuwait und Venezuela hatten es satt, bei ihren Öleinnahmen von den westlichen Ölmultis abhängig zu sein. Die Konzerne hatten die Förderung des schwarzen Goldes in ihrer Hand, die Länder selbst bekamen nur einen kleinen Teil der Einnahmen. Die Gründung der Organisation erdölexportierender Staaten (Opec) vor 60 Jahren (14. September 1960) war ein Befreiungsschlag - und der Beginn einer Geschichte von Macht und Ohnmacht eines Kartells.

Heute kontrolliert die Opec zusammen mit ihren neuen Partnern in der Opec+ mehr als 40% der weltweiten Ölförderung. Das Bündnis funktioniert - und ist nicht zuletzt wegen der mittelfristigen wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise doch bedroht. Je länger Öl so wenig kostet, desto wahrscheinlicher wird es eine Belastungsprobe für das Bündnis.

Zwar hielten sich selbst sonst eher weniger disziplinierte Länder wie der Irak, Nigeria und Angola aktuell an die beschlossenen Förderkürzungen, die den Preis um die u$s 45 pro Barrel (je 159 Liter) pendeln ließen. Aber nicht einmal finanziell starke Mitgliedsländer könnten sich ein solches Preisniveau über lange Zeit leisten. Allein Saudi-Arabien hat nach eigenen Angaben von April bis Juni u$s 32,5 Mrd. weniger mit seinen Ölexporten eingenommen als im Vorjahreszeitraum.

Im Grundsatz glänzt der Bodenschatz Öl nach Überzeugung von Experten auch in Zeiten der Klimakrise und des Kampfes gegen fossile Energieträger. “Der Treibstoff der Globalisierung ist und bleibt Öl”, sagen Energieexperten. Allerdings werden die Karten auf dem Ölmarkt in den nächsten Jahrzehnten in mehrfacher Hinsicht neu gemischt.

Es wird darum gehen, das Öl umweltfreundlicher zu machen. Das beginne zum Beispiel schon am Bohrloch, wo klimaschädliche Gase wie Methan frei werden. Das könne man im Sinne des Klimas ändern. “Öl ist außerdem nicht gleich Öl.” Das leichtere Öl aus Saudi-Arabien sei weniger umweltbelastend als das schwere Öl Venezuelas, das deutlich weniger zukunftsfähig sei. Trotz aller Anstrengungen in Sachen Energiewende vor allem in Europa scheint es wenig Zweifel zu geben, dass mittelfristig der Ölbedarf noch wächst. Die Opec selbst geht bisher zumindest bis 2040 von einem deutlichen Plus bei der weltweiten Ölnachfrage aus - getrieben durch Länder wie China und vor allem Indien, und auch durch den steigenden Bedarf an Kunststoffen.

Öl hat einigen Opec-Staaten sagenhaften Reichtum gebracht. Zu Zeiten der besonders hohen Ölpreise von fast u$s 150 pro Barrel wie Mitte 2008 summierten sich die Einnahmen der Opec auf u$s 970 Mrd. Saudi-Arabien allein soll in diesem Rekordjahr fast u$s 300 Mrd. eingenommen haben.

Auf lange Sicht gesehen sind die Schwankungen des Ölpreises trotz aller Anstrengungen des Kartells gewaltig. In den vergangenen Jahren hat der Boom der US-Schieferölindustrie - aktuell steckt sie wegen der niedrigen Weltmarktpreise tief in der Krise - die Marktmacht der Opec arg beschnitten. Immer wieder fiel der Preis wie jetzt in der Corona-Krise dramatisch.

Heute kann die Opec den Preis nicht mehr einfach diktieren. Aber das Ende 2016 etablierte Zweckbündnis, mit zehn weiteren erdölproduzierenden Ländern wie dem Rohstoff-Giganten Russland, zur Opec+ war ein strategisch wichtiger Schritt. Damit ziehen abgesehen von den USA nun mit Saudi-Arabien und Russland zwei der drei wichtigsten Ölförderländer mehr oder weniger an einem Strang. Die Steuerung des Ölpreises soll über ein auf den Markt abgestimmtes dosiertes Auf- und Abdrehen des Ölhahns funktionieren. Das ist schwer. Die Experten sind mit Blick auf die Zukunft der Opec eher skeptisch. Denn die Welt nimmt dem Klimawandel immer mehr ernst und steuert auf umweltfreundliche Energiegewinnung, besonders durch Windkraftwerke, und geringeren Energiekonsum zu.

Matthias Röder (dpa/AT)

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