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Mit dem Rucksack durch Afrika

Actualizado: 28 de abr de 2019

Tageblatt-Mitarbeiterin Antje Waldschmidt veröffentlicht ihr Buch „Kein Tee mit Mugabe“

Von Marcus Christoph

Antje Waldschmidt mit ihrem Buch. (Foto: ash)

Buenos Aires (AT) - Auf eine Reise mit dem Rucksack durch das südliche Afrika lädt Antje Waldschmidt ihre Leser ein. „Kein Tee mit Mugabe“ heißt das erste als Printversion erschienene Buch der 34-jährigen Berliner Autorin, die in diesem Jahr auch als freie Mitarbeiterin das Argentinische Tageblatt verstärkte. Entstanden ist ein sehr lebendig geschriebener Reisebericht durch Länder wie Mosambik, Simbabwe und Sambia, die nicht gerade im Fokus des Massentourismus stehen.

Anders als die Bezugnahme im Titel auf Simbabwes Langzeitherrscher Robert Mugabe suggeriert, spielen politische Aspekte nicht die Hauptrolle des vom Oberkassel-Verlag herausgegebenen Buchs der Politikwissenschaftlerin. Im Vordergrund stehen vielmehr die persönlichen Erlebnisse und Eindrücke der Autorin, die es auf besondere Weise versteht, Situationen wie Menschen sensibel und anschaulich zu beschreiben. Die Perspektive ist durchgehend die der Ich-Erzählerin. Dabei fehlt auch der nötige Schuss Ironie und Selbstironie nicht.

Startpunkt der Reise ist die südafrikanische Metropole Johannesburg, in deren Nachtleben die Autorin einen nicht ganz unproblematischen Abend verlebt. Ist ihr Südafrika durch mehrere Studienaufenthalte noch recht gut bekannt, betritt Waldschmidt in Mosambik Neuland. Voller Vorfreude begibt sie sich auf das Abenteuer der persönlichen Entdeckung des Landes am Indischen Ozean, das bis 1975 portugiesische Kolonie gewesen ist und im Anschluss in den Einflussbereich der Sowjetunion fiel. Nach der Unabhängigkeit folgten Jahre des Bürgerkriegs, von dem sich das Land bis heute nicht erholt hat.

Waldschmidt macht zunächst Station in der Hauptstadt Maputo, dem einstigen Lourenço Marques. Dort taucht sie in mehreren ausgedehnten Spaziergängen in das Leben der Millionenstadt ein. Überhaupt ist es für sie Methode, sich Städte und Landschaften möglichst zu Fuß zu erschließen.

Antje Waldschmidt bei einem Reitausflug in Tofo / Mosambik. (Foto: privat)

In Maputo beschreibt die Autorin den Kontrast zwischen „Tradition, Zerfall und Moderne“, der sich ihr bietet. Gebäude aus der Kolonialzeit neben sozialistischen Plattenbauten. Ein wenig wie in Havanna. Highlight ist der von Gustave Eiffel entworfene, längst aus der Zeit gefallene Hauptbahnhof. Doch bei aller Faszination begegnen ihr auch immer wieder die Schattenseiten wie die Armut oder der allgegenwärtige Müll, der geradezu charakteristisch für Maputos Straßen zu sein scheint.

Umso größer ist von daher das Bedürfnis der Autorin, endlich zu den weiter nördlich gelegenen Traumstränden zu gelangen. Um dorthin zu kommen, muss sie aber erst einmal eine mehrstündige Fahrt in einem Kleinbus hinter sich bringen. Die taugt zwar dazu, Land und Leute kennenzulernen, ist aber für eine hochgewachsene Europäerin, die eingequetscht zwischen den Einheimischen schwitzt, auch eine Tortur.

Als Entschädigung wartet der Strand von Tofo, wo sich die Autorin mit Blick auf den Ozean einquartiert und sich dem paradiesischen Ambiente hingeben kann. Die Strände von Mosambik sind immer noch ein echter Geheimtipp. In anderen Gegenden der Welt gibt es Küstenabschnitte, die weit weniger schön, dafür aber völlig überlaufen sind. In Mosambik kann man an manchen Tagen einen Traumstrand fast für sich alleine haben.

Ganz in der Nähe von Tofo befindet sich die entspannte Provinzhauptstadt Inhambane im mediterranen Kolonialstil, der Waldschmidt „Verträumtheit und Reinheit“ attestiert - jedenfalls der richtige Ort, um ein wenig die Seele baumeln zu lassen.

Besonders angetan hat es der Autorin das Bazaruto-Archipel gegenüber der Stadt Vilankulo. Dorthin unternimmt sie mehrere Ausflüge mit einem Dhau, dem typischen Fischerboot der Mosambikaner. Auf den Inseln findet sie Momente der Vollkommenheit angesichts der Pracht der Natur: „Diese Weite, diese Größe, diese Schönheit. Sie ließ uns alle plötzlich klein und unbedeutend in dieser großen, wundersamen Welt erscheinen.“

Sonnenuntergang am Strand von Tofo. (Foto: privat)

Entsprechend schwer fällt Waldschmidt der Abschied aus Mosambik. Doch die Beschreibung der Busfahrt in Richtung Simbabwe, die teilweise unter dem Schutz eines Militärkonvois stand, lässt dann auch erahnen, dass das Land an anderen Stellen weit von einem Paradies entfernt ist.

Eine gewisse Melancholie zieht sich durch die Reise in Simbabwe, das zum Zeitpunkt der Buchrecherche noch von Robert Mugabe regiert wurde. Dieser begann einst als Hoffnungsträger, als 1980 das Ende für das Apartheidsregime im einstigen Rhodesien gekommen war. Doch im Laufe seiner 37 Jahre an der Macht wandelte er sich mehr und mehr zum Diktator.

Die Misere und die Isolation, die sich aus dieser Politik ergaben, macht Waldschmidt am Beispiel des Kariba-Stausees deutlich. Einst auch ein Ort des Tourismus mit modernen Hotels und einer stolzen Ausflugsbootflotte, bieten die Anlagen heute ein sehr tristes Bild. Touristen meiden das Land, die touristischen Einrichtungen gammeln vor sich hin.

Stellvertretend für den Niedergang: Ein junger Mann namens Loko. Er wurde einst als hoffnungsvolles Fußball-Talent in die Nationalmannschaft seines Landes berufen, strauchelte in der Fremde dann aber komplett, wurde darüber verrückt und fristet nun ein ganz trauriges Dasein zurück an seinem Heimatort. Letztes Reiseziel ist Simbabwes Nachbarland Sambia, wo die Autorin sich durch die Straßen, Märkte und Kulturzentren der Hauptstadt Lusaka treiben lässt, ehe sie die Heimreise antritt.

Antje Waldschmidt auf dem Bazaruto-Archipel / Mosambik. (Foto: privat)

Die Personen, die in dem Buch zu Wort kommen, sind fast ausnahmslos Menschen, die Waldschmidt während ihrer Reise zufällig trifft. Seien es andere Traveller oder Afrikaner, die unterwegs sind. Auf gezielte Interviewpartner zu bestimmten Themen hat die Autorin offenbar bewusst verzichtet. Auf diese Weise entsteht ein sehr authentischer Reisebericht mit teilweise sehr persönlichen Begegnungen.

Andererseits tragen die Zufallsbekanntschaften oft nicht zur Vertiefung allgemeiner Themen bei. Im Vordergrund steht die Reise, das Unterwegssein - und dies weiß die Autorin sehr lebendig zu schildern, sodass das Buch bis zum letzten Kapitel spannend und unterhaltsam bleibt. Erst auf der Zielgeraden erfährt der Leser dann auch die Auflösung, was es mit dem Buchtitel auf sich hat...


Der Hauptbahnhof von Maputo, nach Plänen von Gustave Eiffel erbaut. (Foto: privat)

Derzeit befindet sich Antje Waldschmidt auf einer mehrmonatigen Reise durch Südamerika. Ob sich daraus ein neues Buchprojekt ergibt, ist noch offen. Es wäre aber auf jeden Fall wünschenswert.

„Kein Tee mit Mugabe“ ist auch als E-Book-Version bei Amazon und Ebay erhältlich.

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