• Argentinisches Tageblatt

Lateinamerikanische Wirtschaft in Kürze

Vom 31.1. bis 7.2.

In Brasilien ist die Arbeitslosigkeit im 4. Quartal 2019 auf 11% zurückgegangen, teilt das statistische Amt (IBGE) mit. Im 3. Quartal waren es noch 11,8%, und vorher noch mehr. Es ist die niedrigste Arbeitslosigkeit seit Ende 2015, als es 8,9% waren. Indessen beträgt der Anteil der Schwarzarbeiter an den Beschäftigten 41,1%. Die Zahl der Beschäftigten betrug Ende 2019 94,5 Mio. Menschen, was sich mit 92,7 Mio. Ende 2018 vergleicht.

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Brasiliens Staatsschuld erreichte Ende 2019 75,8% des Bruttoinlandsproduktes, gegen 76,5% ein Jahr zuvor, berichtet die ZB. Trotz dieser relativ hohen Verschuldung, stellt dies kein Problem dar, da Brasilien die Staatsschulden, die verfallen, kontinuierlich durch Aufnahme neuer Schulden ersetzt.

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In Brasilien lag das primäre Defizit des Bundesstaates, bei dem Zinsen ausgeschlossen werden, im Jahr 2019 umgerechnet u$s 14,56 Mrd., was 0,85% des Bruttoinlandsproduktes darstellt. Das Defizit lag schließlich etwas unter der Hälfte des Plansolls, das im Budget vorgesehen war. Es war das beste Ergebnis seit 2014, als das Defizit 0,56% des BIP erreichte.

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Angesichts des erwarteten Wirtschaftswachstums in Brasilien fordert die deutsche Wirtschaft verbesserte Arbeits- und Produktionsbedingungen in dem südamerikanischen Land. „Wir haben die große Hoffnung, dass Abgaben und Steuern gesenkt und Prozesse vereinfacht werden“, sagte Thomas Junqueira der DPA. Er leitet das Verbindungsbüro des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) in São Paulo, eines der größten Wirtschaftsverbände Europas. Dabei forderte er mehr Tempo und weniger Kosten. Als Beispiel nannte er die Beschaffung eines Ersatzteils: Dieses könne in Brasilien etwa ein Drittel mehr kosten als im Ausland. Die Beschaffung könne zwischen einer Woche und mehreren Monaten variieren. „Die Politik in Brasilien will ja wettbewerbsfähig sein und eine moderne Industrie haben.“ Mit mehr als 1000 deutschen Unternehmen ist São Paulo einer der größten deutschen Wirtschaftsstandorte außerhalb Deutschlands. (dpa)

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Rund 4900 Dieselkunden von Volkswagen sowie der Töchter Porsche, Audi und Skoda in Chile bekommen eine Entschädigung. Ein entsprechender Vergleich für Fahrzeuge mit zu hohem Schadstoffausstoß wurde in dem südamerikanischen Land jetzt mit der Verbraucherorganisation ODECU geschlossen, wie ein VW-Konzernsprecher am Mittwoch in Wolfsburg berichtete. Ein Teil der vereinbarten Zahlungen geht an zwei gemeinnützige Institutionen: Die von der katholischen Kirche getragene Wohlfahrtsorganisation Fundación Las Rosas und die Universität San Sebastián in der Hauptstadt Santiago de Chile erhalten jeweils umgerechnet rund u$s 185.000. Jeder Einzelkunde soll zudem etwa u$s 500 bekommen - in Summe sind dies noch einmal knapp u$s 2,5 Mio. Auch der chilenische Importeur Ditec beteiligt sich. „Mit dem Vergleich ist der Diesel-Rechtsstreit in Chile abgeschlossen“, erklärte Volkswagen. Die Autos der betroffenen Kunden sollen laut ODECU kostenlos technisch überarbeitet werden und Software-Updates erhalten. (dpa)

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Die brasilianische ZB hat den Referenzzinssatz um 0,25 Prozentpunkte auf ein historisches Minimum von 4,25% gesenkt. Es handelt sich um die fünfte Abnahme in Folge. Die systematische Zinssenkung soll die Wirtschaft ankurbeln.

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Der nationale Industrieverband Brasiliens hat in einem Bericht gegen die argentinische Devisenbewirtschaftung Stellung bezogen. Die nicht automatischen Lizenzen, denen brasilianische Exporte nach Argentinien jetzt unterstellt werden, führten zu mehr bürokratischen Verfahren und machten die Unternehmen von der Willkür der argentinischen Zollbehörden abhängig. Besonders schädlich sei dies bei Kapitalgütern, Schuhen, Stahl und Kautschuk. Der Prozentsatz der brasilianischen Exporte nach Argentinien, die von den Lizenzen betroffen seien, sei von 18% auf 52% gestiegen.. In der Tat ist die strenge Devisenbewirtschaftung, die die neue argentinische Regierung eingeführt hat, unvereinbar mit den Mercosur-Regeln. Das Abkommen müsste auf alle Fälle grundsätzlich geändert werden.

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Brasiliens ZB erwartet dieses Jahr eine Zunahme des Bruttoinlandsproudktes von 2,3%. 2018 waren es nur +1,3% und 2019 nur +1,2% gewesen, nachdem die ZB jeweils 2,6% und 2,4% vorgesehen hatte. In den Jahren 2016 und2017 war das BIP insgesamt um 7% zurückgegangen. Der jetzige Optimismus gründet sich besonders auf die Tatsache, dass die Reform des Pensionssystem vom Parlament verabschiedet wurde, was ein grosser Beitrag zur Ordnung der Staatsfinanzen darstellt. Indessen sehen Ökonomen die Abkühlung der Wirtschaft von China, dem größten Käufer brasilianischer Produkte, als ein negativer Faktor.

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