• Argentinisches Tageblatt

Lateinamerikanische Wirtschaft in Kürze

(Vom 25.10. bis 1.11.)

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hat den Fachleuten des Außenministeriums angeordnet, die Möglichkeit eines Austrittes aus dem Mercosur zu untersuchen. Es handelt sich darum, dass die brasilianische Regierung die Zölle gegenüber Drittländern senken will, um sich in die Welt einzugliedern, aber von Alberto Fernández eine mehr protektionistische Haltung erwartet wird, eventuell mit mehr Integrierung im Mercosur, aber auch mehr Abschottung gegenüber Drittländern. Eine Zwischenlösung könnte in der Umwandlung des Mercosur von einem gemeinsamen Markt in eine Freihandelszone bestehen, was in Argentinien seit Jahren schon von vielen Wirtschaftlern befürwortet wird, u.a. von Debora Giorgi, die unter Cristina Staatssekretärin für Industrie war.

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Der Protest auf den Straßen von Santiago de Chile u.a. Städten des Landes, der über eine Million Menschen versammelte, wird u.a. auf die ungleichmäßige Einkommensverteilung zurückgeführt, so dass angeblich ein großer Teil der Bevölkerung an der starken BIP-Zunahme der letzten Jahrzehnte (so dass jetzt das höchste pro-Kopf-Einkommen in Lateinamerika erreicht wurde) nicht beteiligt war. Indessen ergibt der Gini-Koeffizient, mit dem die Ungleichheit des Einkommens gemessen wird (je niedriger, desto gleichmäßiger ist die Einkommensverteilung) in Chile eine Verringerung von 0,58% im Jahr 2000 auf jetzt 0,49%. Ebenfalls ergibt der Bartholomew-Index, der die soziale Mobilität misst (je höher, umso größer ist diese), für die Periode 2001/06 in Chile 2,06, was sich mit 1,63 in Großbritannien, 1,67 in den USA und 1,58 in Spanien vergleicht. Die Armut erfasste 1994 27,6% der Bevölkerung, und jetzt sind es nur 8,6%. All diese Zahlen machen den Massenaufstand in Chile noch unverständlicher, als er an sich schon erscheint.

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