• Argentinisches Tageblatt

Kubanische Ärzte als Reizthema

Äußerungen des Gesundheitsministers sorgen für Wirbel

Kubanische Ärzte bei einer Abschiedszeremonie vor einem Auslandseinsatz. (Foto: dpa)

Buenos Aires (AT/mc/dpa) - Die Frage, ob kubanische Ärzte in Argentinien im Kampf gegen das Coronavirus helfen sollen, erregt weiterhin die Gemüter. Das Thema kehrte in in diesen Tagen in die Schlagzeilen zurück. Auslöser war ein Interview, das Gesundheitsminister Ginéz González García am Sonntagabend dem TV-Sender „América“ gab. Obwohl der Leiter des Gesundheitsressorts sich eher vage bis missverständlich ausdrückte, rauschte es umgehend durch den Blätterwald, dass 200 Mediziner von der sozialistischen Karibikinsel nach Argentinien kommen.

González García wurde von TV-Moderator Antonio Laje befragt, ob eine Verpflichtung kubanischer Ärzte darin begründet sein könne, dass es zu wenige einheimische Ärzte gebe. Der Minister verneinte bei der Gelegenheit einen solchen Plan nicht. Aber in seiner Antwort kündigte er eigentlich nur an, dass man gegebenenfalls auf angehende Ärzte, die noch keinen Universitätstitel haben, zur Unterstützung zurückgreifen werde. Dies bezog sich in erster Linie auf Ortskräfte.

Warum die hiesigen Medien González Garcías Äußerungen nun so eindeutig in die beschriebene Richtung deuteten, darüber kann nur spekuliert werden. Das Gleiche gilt für die Frage, warum der Minister die folgenden Tage nicht zu einer Klarstellung nutzte. Auch von keiner anderen offiziellen Stelle gab es verbindliche klärende Auskünfte.

Ein möglicher Einsatz kubanischer Ärzte wird derzeit vor allem in der Provinz Buenos Aires analysiert. Dort liegen die großen Armutsgebiete des Großraums Buenos Aires. Außenminister Felipe Solá sagte am Dienstag gegenüber „Radio Con Vos“: „Ich weiß, dass es eine Unterredung von Gouverneur Axel Kicillof und den dortigen Bürgermeistern gab, bei der fast alle Beteiligten geäußert haben, dass Ärzte fehlen.“ Entschieden sei indes noch nichts. Aber sollte der Gliedstaat eine Notwendigkeit anmelden, aus dem Ausland Ärzte zu verpflichten, werde sich die Nationalregierung dem nicht entgegenstellen, so Solá.

Bereits vor gut einem Monat hatte die kubanische Regierung von Präsident Miguel Díaz-Canel ein Ärzte-Hilfsangebot gemacht. Kicillof erklärte damals, man werde dann darauf zurückkommen, wenn die einheimischen Kräfte nicht mehr ausreichten. Der Höhepunkt der Corona-Pandemie in Argentinien wird für Mitte Mai erwartet.

Sicher ist zur Stunde offenbar nur, dass die Ärzte-Idee aus Kuba bereits jetzt zu großer Aufregung geführt hat. Die Vorsitzende der PRO-Partei, Patricia Bullrich, meinte, die Regierung sollte lieber ihre Anstrengungen intensivieren, im Ausland gestrandete Argentinien zurückzuholen. Unter diesen seien auch Mediziner, argumentierte die einstige Sicherheitsministerin auf Twitter.

Scharfe Kritik kam auch von der Medizinischen Konföderation (COMRA). Die Gewerkschaft betonte noch einmal, dass die medizinischen Titel der Kubaner in Argentinien nicht hinreichend anerkannt seien. Des Weiteren stellte die Interessenvertretung auch die Notwendigkeit des Einsatzes der ausländischen Mediziner infrage: „In Argentinien gibt es ausreichend qualifizierte Ärztinnen und Ärzte. Wir gehören zu den Ländern mit der höchsten Dichte von Medizinern pro Einwohner.“

Unterstützung für die Pläne kam hingegen von Fernán Quirós, dem Gesundheitsminister der Stadt Buenos Aires, dessen Wahlbündnis „Juntos por el cambio“ in Opposition zur Nationalregierung steht. Er argumentierte, der Geburtsort eines Menschen habe nichts mit seinen beruflichen Fähigkeiten zu tun. Er wies Behauptungen zurück, bei kubanischen Ärzten könne es sich um „Spione“ handeln. Die Situation sei zu ernst, um sich Theorien hinzugeben, die außerhalb der Realität lägen, so Quirós.

Überwindung der Kluft?

Von Juan E. Alemann

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