• Argentinisches Tageblatt

Kreativ trotz Quarantäne

Im Gespräch mit Musiker Ben Hoffmann

Von Catharina Luisa Deege

Der 20-Jährige nutzte die Zeit der Quarantäne zum Songschreiben. (Foto: Lucio Vignolo)

Buenos Aires/ Hannover (AT) - „Eigentlich hatten wir mega Glück“, sagt der 20-jährige Ben am Anfang unseres Interviews. Glück, dass die Quarantäne gerade beschlossen wurde, nachdem die Band „Jeremias“ das letzte Konzert ihrer Tour „Du musst an den Frühling glauben“ spielte. Als die jungen Hannoveraner am 29. Februar dieses Jahres noch den Berliner Club „Musik & Frieden“ mit ihrem für die Musikgruppe charakteristischen Disco-Funk beschallten, waren sie auf eine längere Auszeit vorbereitet. „Geplant war sowieso eine Pause zum Durchatmen nach der Tour“, erklärt mir der Bassist der Newcomer-Band.

„Jeremias“ sind vier Freunde: Ben Hoffmann am E-Bass, Sänger und Pianist Jeremias Heimbach, Oliver Sparkuhle an der Gitarre und Schlagzeuger Jonas Hermann. Als Band existieren sie seit Februar 2018 - und von da an ist viel passiert: Eine EP, mehrere Singles und sogar die erste deutschlandweite Bandtour. Von dem, was die Künstler in etwas mehr als zwei Jahren geschafft haben, können andere Musiker*innen nur träumen.

Eine junge, geradezu vor Energie strotzende Band und eine alles lähmende Quarantäne; wie passt das zusammen? Ben schildert: „Es war erst einmal Stille im Raum.“ Die Lust, weiterzuschreiben und zu proben, war schließlich trotz wohlverdienter Pause da. Für ersteres fanden die Jungs jedoch schnell eine Lösung. Sie legten einen Nachrichtenverlauf an „wo wir all‘ unsere Ideen reingeknallt haben, mit dem Ziel, die einfach auszuprobieren sobald man wieder proben darf und dann guckt, wohin es musikalisch geht.“

Stillstand können sich die Musiker jetzt nicht erlauben. Dafür bekommen die sozialen Medien und der Verkauf von „Merchandise“ einen höheren Stellenwert. Zudem sind Release-Planungen am Laufen: Heute erscheint ihre neue Single „Keine Liebe“.

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Die Ausnahmesituation, in der sich geradezu die ganze Welt befindet, bringt neben Fortschritten in der Digitalisierung sogar komplett neue Kunstformate mit sich. Am 12. Juni steht „Jeremias“ wieder auf einer echten Bühne. Fans, die sich bis an den Bühnenrand drängen und schwitzende Massen wird es bei dem Konzert jedoch nicht geben; dafür eher einen Applaus in Form von unkontrolliertem Gehupe und eine Menge PKWs. Bassist Ben Hoffmann ist gespannt auf das neuartige „AutoKultur“-Konzert in der niedersächsischen Hauptstadt, welches pünktlich zum Release der neuen EP stattfindet: „Das wird ‚ne Erfahrung.“

So ganz ohne geht es halt nicht. Das Veranstaltungsformat „AutoKultur“ und die Live-Streams auf Instagram sind nur ein Trostpflaster. „Wir haben viele Leute für uns gewonnen, indem wir live gespielt haben“, betont der 20-Jährige, als wir über die Bedeutung von Live-Auftritten reden. Als Support-Band spielte „Jeremias“ unter anderem für Indie-Rock-Gruppe „Giant Rooks“. „Wir haben uns quasi eine Fanbase herangespielt“, erklärt Ben mit leichtem Schmunzeln.

„Jeremias“ sind Ben, Jonas, Jeremias und Oliver (v.l.n.r.). (Foto: Isabel Hayn)

Mittlerweile können die Freunde zumindest wieder gemeinsam proben und die Ideen aus dem Nachrichtenverlauf zum Leben bringen. Dabei wird natürlich der Sicherheitsabstand eingehalten, man treffe sich schließlich „nur um Musik zu machen.“ Dass die Corona-Krise nicht unbedingt auch eine kreative Krise bedeutet, bewies sich schon in den bisherigen Post-Quarantäne-Treffen der Künstler. „Es hat alte Strukturen aufgebrochen. Wir sind freier als vorher, was Songwriting angeht“, gesteht der 20-Jährige und führt aus: „Man hat sich in der Quarantäne mit seiner eigenen Musik beschäftigt, die man nicht unbedingt im ‚Jeremias‘-Kontext schreibt. Jetzt treffen vier neue Vorstellungen aufeinander.“

Als ich ihn frage, wie er die neue „freie“ Zeit persönlich für sich entdeckt habe, überlegt Ben Hoffmann einen kurzen Moment. Er habe angefangen zu malen, schreibe viel und probiere sich persönlich mehr aus. Es ist erfrischend, in dem kompletten Video-Gespräch mit dem Hannoveraner nicht ein einziges Mal auf eine finstere Miene zu stoßen. Keine Skepsis, keine Katerstimmung, sondern pure Lust. Mit ihrer Kreativität und agilem Optimismus ist die Band „Jeremias“ ein Hoffnungsfunken in einer vor allem für die Kulturwelt dunklen Zeit.

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