„Indios im Busch“

Fernández verstimmt Nachbarn / Besuch aus Spanien

Alberto Fernández - Pedro Sánchez
Alberto Fernández (r.) und sein Gast Pedro Sánchez. (Foto: casa rosada)

Buenos Aires (AT/dpa/mc) - Eigentlich wollte Präsident Alberto Fernández die engen Beziehungen zu Europa betonen, doch dann ging der Schuss nach hinten los und er stieß seine Nachbarn in Lateinamerika vor den Kopf. „Die Mexikaner stammen von den Indios ab, die Brasilianer kommen aus dem Dschungel, aber wir Argentinier sind mit Schiffen aus Europa gekommen“, sagte der Staatschef am Mittwoch bei einem Treffen mit dem spanischen Regierungschef Pedro Sánchez in Buenos Aires.

Mit diesem Kommentar entfachte Fernández in Lateinamerika einen veritablen Shitstorm. Schließlich gelten die Argentinier in der Region ohnehin als ein wenig zu stolz auf ihre mehrheitlich europäische Herkunft. „Das Schiff, das sinkt, ist Argentinien“, schrieb der brasilianische Kongressabgeordnete und Präsidentensohn Eduardo Bolsonaro mit Blick auf die schlechte Wirtschaftslage im Nachbarland auf Twitter.

Fernández bat später um Verzeihung. „Ich wollte niemanden beleidigen. Wer sich angegriffen fühlt, den bitte ich um Entschuldigung“, schrieb er auf Twitter. „In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts haben wir über fünf Millionen Einwanderer aufgenommen, die mit unseren Urvölkern zusammenleben. Unsere Vielfalt ist unser Stolz.“

Offenbar hatte der Staatschef mehrere Zitate durcheinandergebracht. Fernández wollte sich auf den mexikanischen Literaturnobelpreisträger Octavio Paz beziehen, der einmal gesagt haben soll: „Die Mexikaner stammen von den Azteken ab, die Peruaner von den Inkas und die Argentinier kamen auf Schiffen.“ Tatsächlich erinnerte sein Kommentar allerdings mehr an eine Textzeile des Lieds „Llegamos de los barcos“ (Wir kamen von den Schiffen) seines Lieblingsmusikers Lito Nebbia.

Bis dahin war der Besuch Sánchez‘, den Fernández als ersten ausländischen Staatschef seit seinem Amtsantritt im Dezember 2019 in Buenos Aires empfangen konnte, für den Gastgeber recht erfolgreich verlaufen. Denn es gab viele aufwärmende Worte seitens des Gastes von der Iberischen Halbinsel. So versicherte Sánchez, Spanien werde stets an der Seite Argentiniens stehen und sprach von „totaler Unterstützung“.

Er sagte dies vor dem Hintergrund der Schuldenlast, die Argentinien derzeit drückt. So Zahlungen an den Internationalen Währungsfonds (IWF) sowie an den Pariser Club, in dem staatliche Gläubiger zusammengeschlossen sind, an. Die Fernández-Regierung strebt eine Umschuldung an und braucht dafür den Rückhalt westlicher Regierungen. Der argentinische Präsident betonte bei der Gelegenheit, dass er die Schulden von seinem ungeliebten Amtsvorgänger Mauricio Macri geerbt habe.

Zwischen Fernández und Sánchez jedenfalls schien die Chemie zu stimmen. Die beiden Politiker, die dem sozialdemokratischen Spektrum zuzuordnen sind, sagten sich „gegenseitige Unterstützung auf diversen Feldern“ zu. Auch in dem Bestreben, das Abkommen zwischen dem Mercosur und der Europäischen Union einzutüten, waren sich beide einig. Fernández galt bislang eher als Skeptiker, was internationale Freihandelsabkommen betrifft.

Sánchez betonte, dass die spanischen Unternehmen auf Argentinien setzten und auch bereit seien, hier zu investieren. Vor dem Hintergrund, dass während der Kirchner-Regierungen spanische Unternehmen in Argentinien enteignet wurden, keine Selbstverständlichkeit. Sánchez wurde bei seinem Besuch in der argentinischen Hauptstadt durch Antonio Garamendi, dem Präsidenten des spanischen Unternehmerverbandes, Vertretern von Firmen wie Iberia, Telefónica, Indra Sistemas sowie den Banken BBVA und Santander begleitet.

Sánchez versicherte, dass Spanien als Eingangsland nach Europa der „große Verbündete Lateinamerikas“ sein könne. Als gegenwärtig beste Wirtschaftspolitik bezeichnete der spanische Premier die Beschleunigung der Impfkampagnen. Angesichts der heftigen zweiten Corona-Welle versicherte Sánchez Argentinien seine Solidarität. Dabei erinnerte Sánchez auch daran, dass andersherum Fernández einer der ersten Staatsmänner gewesen sei, der sich bei ihm gemeldet habe, als die Pandemie Spanien hart traf. Gegenwärtig hat das Land von der Iberischen Halbinsel erklärt, bis Ende dieses Jahres 22,5 Millionen Dosen Impfstoff im Rahmen des Covex-Programmes spenden zu wollen. Der größte Teil davon solle Lateinamerika zugute kommen. Der spanische Premier bezeichnete die Corona-Pandemie als dreifache Krise: gesundheitlich, wirtschaftlich und auch sozial. Fernández erklärte, dass seine Regierung derzeit vor allem zwei Ziele verfolge: die Überwindung der Pandemie sowie den Wiederaufbau der Wirtschaft.


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