• Argentinisches Tageblatt

Impfstoff aus China?

Regierung verhandelt im Wettlauf gegen die Zeit

In China erhielt der Sinopharm-Impfstoff Ende Dezember seine Zulassung. Das Bild zeigt medizinisches Personal in Qingdao. (Foto: dpa)

Buenos Aires (AT/mc) - Im Wettlauf gegen die Zeit, die Bevölkerung gegen Covid-19 zu impfen, sucht die Nationalregierung nach neuen Möglichkeiten. Bislang ist der russische „Sputnik V“ der einzige Impfstoff, der in Argentinien eingesetzt wird. Doch die bisherige Lieferungen verliefen schleppender als nötig, um die Bürger vor der zu befürchtenden zweiten Corona-Welle im Herbst zu immunisieren. Erst am Dienstag erfuhr Präsident Alberto Fernández von seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin, dass Russland es nicht schaffen werde, wie angekündigt bis Ende März 20 Millionen Dosen Sputnik V zu liefen.

Hilfe soll nun möglicherweise aus China kommen. Am Dienstag berichteten hiesige Medien übereinstimmend, dass die Fernández-Regierung mit Chinas Führung verhandle, um den Impfstoff des nationalen chinesischen Pharmaunternehmens Sinopharm nach Argentinien zu importieren. Doch zuletzt gestalteten sich die Gespräche schwierig. Nach einem Bericht der Zeitung „La Nación“ wolle die argentinische Seite zunächst einmal eine Million Dosen Impfstoff für diesen Monat ordern. Die Chinesen möchten hingegen ein Paket von 30 Millionen Dosen verkaufen. Eine Unterschrift lag gestern Mittag noch nicht vor.

Wie das russische bedarf auch das chinesische Vakzin zweier Impfungen, ehe die komplette Wirksamkeit erreicht ist. Laut der Zeitung „Clarín“ ist der Preis für den Sinopharm-Impfstoff doppelt so teuer wie „Sputnik V“.

In China hatte das Vakzin Ende Dezember seine offizielle Zulassung erhalten. Wie der Hersteller mitteilte, soll Sinopharm einen annähernd 79-prozentigen Schutz vor Covid-19 bieten. Es ist somit weniger wirksam als andere Impfstoffe wie Sputnik oder auch Biontech/Pfizer und Moderna. Es kann aber bei normaler Kühlschrank-Temperatur gelagert werden. Sinopharm wurde weltweit bereits mehr als einer Million Menschen gespritzt und gelangte in mehr als drei Ländern, darunter dem EU-Kandidatenland Serbien, zum Einsatz.

Die argentinische Nationalregierung verhandelt derweil auch mit dem Pharmaunternehmen AstraZeneca und Covax, der Organisation, die sich um einen weltweit gleichmäßigen und gerechten Zugang zu Covid-19-Impfstoffen bemüht. Wie Gesundheitsminister Ginés González García am Mittwoch mitteilte, habe sich Argentinien bereits 22,4 Millionen Dosen des AstaZeneca-Vakzins gesichert, die ab März ins Land kommen sollten. Derzeit versucht die Regierung eine zusätzlich Bestellung von 1,2 Dosen mit dem britisch-schwedischen Konzern auszuhandeln, deren erste Hälfte bereits in diesem Monat ausgeliefert werden könnte.

Bis Mitte des Jahres sollen - alle Impfstoffe zusammengenommen - 50 Millionen Dosen importiert werden, mit denen dann 25 Millionen Menschen gegen das Virus immun gemacht werden könnten.

Derweil gab es gute Nachrichten, was Sputnik V betrifft: So publizierte das medizinische Fachblatt „The Lancet“ am Dienstag, dass das russische Vakzin eine Wirksamkeit von 91,6 Prozent aufweise. Russische Forscher hatten zuvor weitere Details zu dem Impfstoff veröffentlicht.


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