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Im Blickfeld: Geschmack(los)?

Von Friederike Rennecke

„Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten“, so wird es im Auktionshaus „Herrmann Historika“ in Grasbrunn bei München vergangene Woche wiederholt zugegangen sein, als verschiedenste Gegenstände aus dem Privatbesitz Adolf Hitlers und anderen NS-Verbrechern versteigert wurden. Die Auktion unter dem Namen „Deutsche Zeitgeschichte - Orden und Militaria ab 1919“ hat für viel Furore und Kritik gesorgt. Rabbi Menachem Margolin von der European Jewish Association (EJA) schrieb zuvor aus Brüssel einen Brandbief an das Auktionshaus, in dem er die Absage forderte: „Mit einigen Dingen sollte man einfach keinen Handel treiben“, hieß es darin. Im ersten Moment möchte man ihm beipflichten, zustimmen und fragt sich wie verquer man denken muss, um Geld aus diesen Relikten zu machen, die Überbleibsel des wohl dunkelsten Kapitels der deutschen Geschichte sind. Adolf Hitler selbst, hat den Zylinder, der für 50.000 Euro über die Ladentheke ging, mit seinen eigenen Händen berührt und ihn auf seinem Kopf getragen wie eine Krone. Der Mensch, der Millionen von Menschenleben auf dem Gewissen hat und am Ende nicht mal den Mut bewiesen hat, sich seinem Schicksal zu stellen, sondern sich in seinem Bunker versteckt hielt wie ein Feigling, um schließlich Selbstmord zu begehen.

Auf der anderen Seite gibt es allerdings Menschen wie Abdallah Tschatila. Der in der Schweiz lebende libanesische Geschäftsmann ersteigerte letzte Woche in München verschiedene Objekte in einem Wert von insgesamt 545.000 Euro. Zu den Gegenständen gehört der Zylinder, Hitlers Zigarrenkiste, seine Schreibmaschine und eine Luxusausgabe des von Adolf Hitler verfassten Manifestes „Mein Kampf“ (130.000 Euro), die Hermann Göring gehört hat. Zunächst habe Tschatila vorgehabt die Dinge zu verbrennen. „Aber ich denke, es ist sehr wichtig sie aufzubewahren, weil es die Erinnerung am Leben erhalten wird, damit künftige Generationen sehen, dass Hitler wirklich existiert hat“, so der Geschäftsmann. Die von ihm gekauften Gegenstände wird er der israelischen Organisation „Keren Hayesod“ spenden. Margolin sei überwältigt gewesen von dieser Geste, forderte aber trotzdem die Absage der Versteigerung.

Es gibt viele Menschen wie Margolin, die solch eine Art Auktion kritisch sehen, vor Allem im Hinblick auf die derzeitigen Entwicklungen innerhalb Deutschlands. Die immer weiter steigende Radikalisierung rechter Gruppen, die Leugnung des Holocausts und der stetig wachsende Fremdenhass einiger Menschen stehen im Kontrast zu den aufklärenden Funktionen dieser Relikte aus der NS-Zeit. Was passiert, wenn die Objekte in falsche Hände geraten? Was passiert mit den Gegenständen nach der Versteigerung und wer gehört zu den Menschen, die solche von Hass geprägten Objekte, wie ein von Hand geschriebener Brief Adolf Hitlers, ersteigern? Das Auktionshaus selbst sieht sich gezwungen die eigene Entscheidung zu verteidigen. Schließlich würden hauptsächlich Museen, staatliche Sammlungen und „private Sammler, die sich wirklich akribisch mit dem Thema auseinandersetzen“, Zugang zur Auktion haben. Am Ende waren es über 500 Teilnehmer im „Hermann Historika“ selbst und im Internet, die um die Wette boten, für einen oder mehrere der historischen und mit Schuld befleckten Gegenstände. Ein so volles Haus kommt dort selten vor. Ein Stück Papier mit dem Hinweis auf den Paragrafen 86 des Strafgesetzbuches, in dem es heißt, dass „Propagandamittel verfassungswidriger Organisationen“ lediglich für Lehre, Forschung, Kunst und Wissenschaft verwendet werden dürfen, ansonsten begehe man eine Straftat, soll unterschrieben und so wie ein Ausweisdokument vorgezeigt werden. Das waren die „strengen Kontrollen“. Pacher räumt ein: „Dass der eine oder andere mit falscher Ideologie sich darunter mischt, ist praktisch nicht verhinderbar.“ So bestimmt nicht. Aber ist doch klar, dass sich aus diesem Grund viele Leute Sorgen machen, dass die Gegenstände in falsche Hände geraten könnten. In die Hände von Leuten, die diese grausamen Taten jenes Mannes zu glorifizieren und zu rechtfertigen versuchen. Es ist doch verständlich, dass viele Leute fordern, dass die gekauften Gegenstände aus Adolf Hitlers Privatbestand nach dem Kauf überwacht werden sollen. An wen sie gehen und was mit ihnen angestellt wird.

Aber warum nicht gleich spenden? Warum muss das Auktionshaus die Objekte aus der Nazizeit überhaupt für viel Geld versteigern, wohingegen man ein viel größeres Zeichen setzen könnte, indem man die Artefakte direkt an Museen oder gemeinnützige Organisationen geben würde? So hätten sie sich mit Sicherheit einiges an Ärger erspart, 500 Teilnehmer hin oder her. Die Auktion hat einen morbiden Beigeschmack. Sicherlich sollten diese Überbleibsel unserer dunklen Geschichte erhalten bleiben, schließlich werden sie für immer ein Teil dieser sein. Es ist wichtig, auch solche Art von Relikten aus der NS-Zeit für die kommenden Generationen zu bewahren, wie Tschatila schon sagte. Um sie zu erinnern, was war und sie nicht vergessen zu lassen. Um eine Wiederholung dieser Geschichte zu vermeiden. Aber sie sollten doch lieber in einem Museum verwahrt werden, wo keine Schandtaten mit ihnen betrieben werden können und keiner aus ihnen Profit schlagen kann, denn das ist und bleibt einfach nur geschmacklos.

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