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Im Blickfeld: Franco Macri – ein Einwandererleben

Im Blickfeld: Franco Macri – ein Einwandererleben

Franco Macri.

Der Vater des Präsidenten ist am Freitagabend, dem 1. März, nach langer Krankheit im Alter von 88 Jahren gestorben. Sein Leben war wirklich außerordentlich. Im Januar 1949, im Alter von 28 Jahren, traf er mit seinem Bruder Tonino (Vater des Bürgermeisters von Vicente López, Jorge Macri) und seiner Schwester Pia in Argentinien ein. Er stammte aus Kalabrien, Süditalien, einer armen Gegend Italiens, wo sein Vater u.a ein kleines Postunternehmen betrieb, aber die Familie in bescheidenen Verhältnissen lebte und wirtschaftlich sehr unter den Folgen des Krieges gelitten hatte.

In Argentinien begann Franco als einfacher Bauarbeiter. Doch das dauerte nicht lange: schon 1950 gründete er sein eigenes Bauunternehmen. Doch erst 1959 gelang ihm der große Sprung zu einem wirklichen Unternehmen. 1969 bildete er ein Gemeinschaftsunternehmen mit FIAT, unter dem Namen Impresit Sideco, das ab 1982 Sideco Americana hieß. Der wirtschaftliche Aufstieg von Macri und auch die Bildung eines beträchtlichen Vermögens in seinen ersten Jahren als Unternehmer, sind schwer zu erklären, ebenso wie die Verbindung mit FIAT, ein Unternehmen, das normalerweise keine Partnerschaften eingeht und noch weniger mit einem unbekannten Unternehmer. Später trennte sich Macri von FIAT und bildete sein eigenes Unternehmen, SOCMA (Sociedad Macri), das sich öffentlichen und gelegentlich auch privaten Bauten widmete und unter der Menem-Regierung auch an den Konzessionen für Straßen beteiligt war.

In den 80er Jahren wollte Franco Macri auch ein großes Bauprojekt, ein Objekt von ca. 3 Mrd. (!) Dollar in New York übernehmen. Der Umfang dieses Projektes war für einen Unternehmer wie Macri erstaunlich hoch. Schließlich erhielt Donald Trump dieses Projekt. Obwohl Franco Macri sich zunächst mit Trump gestritten hatte, endete der Konflikt freundschaftlich, und Sohn Mauricio Macri spielte Golf mit Trump. Das hat ihm jetzt, nachdem beide Präsidenten geworden sind, die guten Beziehungen erleichtert.

Franco Macri stieg auch in andere Tätigkeiten ein. 1978, unter der Militärregierung, als Bürgermeister Osvaldo Cacciatore beschloss, die Müllabfuhr zu privatisieren, erhielt Macri in Verbindung mit dem US-Unternehmen Waste Management (damals das weltweit größte auf diesem Gebiet) die Zuteilung. Das Unternehmen Manliba hat den Dienst wesentlich verbessert, und die Stadtverwaltung hat dabei die Ausgaben für diesen Zweck halbiert. Als die Konzessionsfrist abgelaufen ist, wurde der Dienst neu ausgeschrieben und andere Firmen übernahmen die Tätigkeit.

In den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts zogen sich die Firmen FIAT und Peugeot von der lokalen Automobilfabrikation zurück. Franco Macri übernahm die Fabriken und bildete das Unternehmen Sevel, das sehr erfolgreich war. Macri gelang es, die Fabriken ohne die kostspieligen bürokratischen Strukturen zu betreiben, die sie vorher hatten, und es gelang ihm, Geld zu verdienen, nachdem FIAT und Peugeot Verluste erlitten hatten. Er erreichte auch einen hohen Anteil am lokalen Automobilverkauf. Später, unter der Menem-Regierung, kamen FIAT und Peugeot zurück, und Macri gab die Kfz-Produktion auf.

Unter der Menem-Regierung übernahm Franco Macri das staatliche Postunternehmen. Eventuell spielte hier die Erinnerung an seinen Vater eine Rolle, der auch ein Postunternehmen betrieben hatte. Dabei ging es ihm nicht gut, weil er die überhöhte Belegschaft nicht abbauen konnte und das Postgeschäft wegen Fax und Internet stark schrumpfte. Néstor Kirchner hat dann das Unternehmen rückverstaatlicht und dabei wie üblich die Rechtsordnung missachtet, so dass er einen Konflikt geschaffen hat, der jetzt bei der Justiz ausgetragen wird, und von der Tatsache, dass Mauricio Macri Präsident ist, überschattet wird. Denn per Saldo wird der Staat wohl zahlen müssen. Auf der einen Seite schuldet die Macri-Post dem Staat Geld wegen nicht gezahlter Konzessionsgebühren, und auf der anderen Seite schuldet der Staat dem Macri-Konzern den Betrag, den dieser für den Bau des neuen Postgebäudes südlich der Bundeshauptstadt eingesetzt hat, was erlaubt hat, den alten Palast in eine Kulturzentrum umzuwandeln.

Der Macri-Konzern hat sich in den letzten Jahren stark verkleinert, was auch darauf zurückzuführen ist, dass Sohn Mauricio als Geschäftsführer zurücktrat, um zunächst als Präsident des Fußballklubs Boca Juniors tätig zu sein, dann als Bürgermeister der Bundeshauptstadt und schließlich als Präsident. Auch das Bauunternehmen IECSA, das dem Konzern gehörte, wurde an Calcaterra, ein Neffe von Franco, abgetreten. Heute verbleibt vom Macri-Konzern, der einst der größte Argentiniens war, wenig übrig. Und mit dem Tod von Franco Macri und der Präsidentschaft seines Sohnes Mauricio dürfte es so bleiben.

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