• Argentinisches Tageblatt

Im Blickfeld: Ein Elefant im Porzellanladen

Von Jonas Uphoff

Donald Trump ist in seinem Element. Denn dieses Jahr im November werden die nächsten Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten stattfinden, die der Amtsinhaber auch dieses Mal für sich zu entscheiden gedenkt. Und Wahlkampf ist, wie man weiß, etwas, worin Trump aufblüht, ein Handwerk, welches er, wie böse Zungen behaupten könnten, besser beherrscht als das Regieren. Selbstdarstellung, Eigenlob, pathetische Übertreibungen oder grobe Simplifizierungen, damit war er beim letzten Mal erfolgreich, wann immer er sich seiner Anhängerschaft präsentierte. Anscheinend lässt der Amtsinhaber jedoch das Feingefühl für die richtige Zielgruppe vermissen, wenn er ebenjene populistische Rhetorik nun beim diesjährigen Weltwirtschaftsforum in Davos geradezu verschwenderisch gebraucht. Mögen die einschlägigen Phrasen bei seinen Anhängern zu Hause gut ankommen, vor einem internationalen Publikum, welches sich aus führenden Köpfen der Wirtschaft und Politik, sowie auf Handeln drängenden Umweltaktivisten zusammensetzt, stoßen sie doch eher sauer auf. Es folgt Kritik. Und mit Kritik kann Trump wiederum nicht gut umgehen.

Da im Zuge der Klimabewegung vor allem die Weltwirtschaft und die damit verbundene Politik zum Wandel und zu schnellem Handeln aufgerufen wird, überrascht es nicht, dass bereits im Vorfeld des Forum eine Debatte über Nachhaltigkeit und zukünftige Wirtschaftsgestaltung erwartet wurde. Das Zusammentreffen bietet ja auch eine ideale Basis zur Verhandlung. Der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck sagte dazu während der Konferenz, dass man mit Firmenlenkern und milliardenschweren Investoren in den Dialog treten würde, die langsam begreifen würden, dass sie sich nachhaltige Möglichkeiten zur Investition suchen müssten. Wo diese Themen besprochen werden, darf eine Schlüsselfigur des Umweltaktivismus nicht fehlen: Greta Thunberg, obwohl gesundheitlich merklich angeschlagen, betrat abermals im wahrsten Sinne des Wortes die internationale Bühne und mahnte zum dringlichsten Handeln. Viel mehr als ihre Metaphern aus der Rede des vorherigen Jahres, indem sie sich an eben demselben Ort befunden hatte, brauchte sie nicht anzubringen, um den Ernst der Lage zu unterstreichen. Denn viel hat sich seitdem nicht getan bei den Entscheidungsträgern. Die CO2-Emissionen sind nicht zurückgegangen und der Klimagipfel in Madrid 2019 konnte nicht einmal die Durchsetzung der alten Pariser Ziele bekräftigen. Selbst der Grüne Habeck, obwohl im Kern mit Thunbergs Linie konform, bremst erst einmal aus. Die Forderungen seien gut, doch brauchten Gesetze in ihrer Durchführung viel Zeit und man solle vor allem nach Kompromissen suchen.

Wem die pessimistische Haltung der jungen Schwedin natürlich zur Gänze missfiel, war Donald Trump. Mittlerweile geht er zwar so weit, den Klimawandel nicht mehr als Erfindung, Scherz, oder gar Manipulation von außerhalb zu sehen. Dennoch hält er das Ganze noch immer für eine große Übertreibung. Seine beiläufige Aussage beim Betreten des Forenkomplexes „Ja, die Umwelt ist mir wichtig“, gepaart mit einer wegwerfenden Handbewegung zeigt ganz deutlich, was auf der Agenda des Präsidenten ganz oben steht - und was nicht. Verwendete er den Großteil seiner Anwesenheit dazu, seine Errungenschaften für die US-amerikanische Wirtschaft und Gesellschaft ins Licht zu stellen, die sich laut eigener Aussage vor allem aufgrund seines Einwirkens deutlich gebessert hätten, oder das Lob der versammelten Industrieführer für die von ihm eingeführten immensen Steuererleichterungen entgegenzunehmen, ging er in der letzten Rede noch einmal explizit auf die Kritik Thunbergs ein.

Diese hatte zuvor insbesondere die USA scharf für ihre Klimapolitik attackiert. Dazu sagte der Präsident, dass bei ihnen alles „sauber und gut“ sei und man sich doch andere Kontinente ansehen müsste. Zwar nannte er keine konkreten Länder, doch kann man davon ausgehen, dass von ihm beliebte Feindbilder wie etwa China gemeint waren. „Greta sollte anfangen, sich um diese Länder zu kümmern.“ Durch eine spöttische Frage nach ihrem Alter und den Vorwurf, Greta Thunberg hätte ihn auf dem „Time“-Magazin „ausgestochen“ offenbarte er abermals seinen narzisstisch ausgelegten Blick auf die Situation. Auch versäumte er es nicht, die letzten Sätze für noch etwas mehr Wahlkampf zu nutzen, mit dem Versprechen eine „gewaltige Anzahl Jobs“ ins Land zu bringen.

Trumps Charakter und sein Auftreten zeichnen sich oft durch eine an Realsatire grenzende Komik aus. Das Lachen bleibt einem jedoch im Halse stecken, wenn man darüber nachdenkt, von was für bisher nie dagewesener Wichtigkeit die Besprechung eben dieser Themen ist. Das beiläufige Abbügeln der Person Greta Thunberg steht sinnbildlich für das Abbügeln der gesamten Bewegung, die sie lediglich vertritt. Tausende, noch immer hoffnungsvolle Aktivisten, die durch derartiges Gebaren der Entscheidungsträger zunehmend frustriert und desillusioniert werden.

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