• Argentinisches Tageblatt

„Godmother of Punk“

Nina Hagen feierte 65. Geburtstag

Schriller Gesang, buntes Make-Up: Die Punk-Ikone fällt gerne auf. (Foto: dpa)

Berlin (dpa) - Die Szene ist vergleichsweise harmlos - aus heutiger Sicht. Nina Hagen katapultiert sich damit allerdings 1979 aus ihrer Welt der Punk-Bühnen direkt ins Wohnzimmer schockierter Spießbürger. „Frauenorgasmen sind so wichtig“, sagt die damals 23-Jährige in der TV-Sendung „Club 2“, und dann zeigt sie es allen ganz genau: „Frauen müssen sich anfassen!“ Es folgen Hinweise zu hilfreichen Stellungen bei der Selbstbefriedigung. Dass die Sängerin dabei eine Hose trägt, tut dem folgenden Skandal keinen Abbruch. Ihr Leben wird unberechenbar bleiben. Am Mittwoch, dem 11. März wurde die „Godmother of Punk“ 65 Jahre alt.

Das erste Album der Nina Hagen Band ist Musikgeschichte. Songs wie „Auf‘m Bahnhof Zoo“, „Rangehn“ oder „Unbeschreiblich weiblich“ bekennen sich offensiv zu sexueller weiblicher Selbstbestimmung. Hagen legte damit einen Grundstein für New Wave in Deutschland, was dann als Neue Deutsche Welle zunehmend Pop-Charakter annahm.

Zu dem Zeitpunkt hat Nina Hagen ihre erste musikalische Karriere bereits hinter sich. Die in Ost-Berlin geborene Tochter der schon in der DDR gefeierten Brecht-Akteurin Eva-Maria Hagen will auch Schauspielerin werden. Allerdings ist Mutter Hagen zu dem Zeitpunkt mit Regimekritiker und Ziehvater Wolf Biermann liiert. Das macht die Tochter aus Stasi-Sicht politisch unzuverlässig. Nina Hagen wird Schlagersängerin, produziert Ohrwürmer wie „Du hast den Farbfilm vergessen“. Nach der Ausbürgerung Biermanns versucht sie, so schnell wie möglich in den Westen zu gelangen.

Klassenkampf auf der Leinwand

Südkoreanisches Autorenkino im Kulturzentrum San Martín


Lesen Sie mehr darüber in der vollständigen Online-Ausgabe.

In der Online-Ausgabe des Argentinischen Tageblatts finden Sie weitere Artikel, Bilder und Information.

Sie können auch auf unser Archiv zugreifen.

ZWEI MONATE GRATIS-TESTABO.

Abonieren Sie hier!

Hagens Stil mag schrill erscheinen, vor allem ist er radikal. Sie setzt sich scheinbar keine Grenzen und probiert Dinge aus. Ihr Spiel zwischen Kunstfigur und Realität erinnert an David Bowie. Oft dramatisch stark geschminkt mit auffälligsten Outfits. Auch wenn sie vor einiger Zeit versicherte, „es ist ja nicht so, dass ich jedesmal in den Farbeimer gefallen bin, wenn ich auf der Bühne stehe!“

Ihre Stimme spannt sich nicht nur oktavenweit zwischen furchterregenden Tiefen und anstrengenden Höhen mit Koloraturkompetenz. Sie nutzt alles, was irgendwie die Bezeichnung Ton rechtfertigt. Da gluckst es, reibt, röhrt, kratzt, gackert, hechelt, überschlägt sich.

Ihr Leben in verschiedenen Ländern bringt zahlreiche Partner und Projekte mit sich. Musikalisch ist sie sehr produktiv, nimmt enorm viele Alben auf, variiert ihre Songs.

Sie singt Brecht genauso wie Oper, mixt Punk und Pop, greift Gospel auf, fällt in den Schlager zurück, spielt „Eisern Union“ für den Fußballclub 1. FC Union Berlin ein.

Fernsehauftritte bergen stets Aufregungspotenzial. Hagen wird nicht berechenbar. Auch dem Film bleibt sie treu, schon zu DDR-Zeiten war sie in vielen Produktionen zu sehen. Das reißt bis heute nicht ab. „Es gibt halt Regisseure, die Frauen in fortgeschrittenem Alter sehr schön finden.“ Gleichzeitig engagiert sie sich in sozialen Projekten. „Wir sollten uns dafür einsetzen, dass der Raubtierkapitalismus heute nicht überall das Sagen hat.“

Auch Übersinnliches begleitet sie über die Jahrzehnte. Ashram in Indien, Eingebungen, Sichtung eines UFOs. Ihre Tochter nennt sie anschließend Cosma Shiva. Die ist inzwischen als Schauspielerin ebenfalls erfolgreich, was die Hagens zur Künstlerinnen-Dynastie macht.

Mehr als nur Zappeln

Zeitgenössisches Ballett im Teatro San Martín


Lesen Sie mehr darüber in der vollständigen Online-Ausgabe.

In der Online-Ausgabe des Argentinischen Tageblatts finden Sie weitere Artikel, Bilder und Information.

Sie können auch auf unser Archiv zugreifen.

ZWEI MONATE GRATIS-TESTABO.

Abonieren Sie hier!


10 vistas

© 2019 Tageblatt - All rights reserved

  • White Twitter Icon
  • White Facebook Icon
  • White Instagram Icon