• Argentinisches Tageblatt

Gewalt gegen soziale Aktivisten

Kolumbianischer Friedensnobelpreisträger Santos fordert Schutz

In der Corona-Pandemie ist es in Kolumbien für Menschenrechtsvertreter, Umweltschützer und anderen Aktivisten besonders gefährlich. Mehr als 100 wurden in diesem Jahr bereits getötet. Ex-Präsident Santos nimmt den Staat in die Pflicht

Friedensnobelpreisträger Santos. (Foto: dpa)

Bogotá - Angesichts der Gewalt im Schatten der Covid-19-Pandemie hat der ehemalige kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos eine Gewährleistung der Sicherheit von Menschenrechtsvertretern, Umweltschützern und anderen Aktivisten gefordert. „Der Staat hat die Pflicht, diese sozialen Anführer zu schützen“, sagte Santos der Deutschen Presse-Agentur.

Der Friedensnobelpreisträger hatte mit dem Abkommen seiner Regierung mit der Rebellenorganisation Farc 2016 entscheidend dazu beigetragen, einen jahrzehntelangen Bürgerkrieg mit mehr als 200.000 Toten und vier Millionen Binnenvertriebenen zu beenden. Die Gewalt in Kolumbien ist seitdem weniger geworden. Aber in ländlichen Gebieten bereitet sie immer noch Sorge, und mehr noch in der Pandemie.

Der Menschenrechtsorganisation Indepaz zufolge wurden in dem südamerikanischen Land in diesem Jahr bereits mehr als 100 Aktivisten ermordet. „Ein großer Teil der Gewalt richtet sich heute gegen soziale Anführer, die den freiwilligen Ersatz von Koka-Pflanzungen fordern“, sagt Santos.

Gefährdet sind Leute, die sich für Projekte im Zusammenhang mit dem Friedensprozess oder für die Rückgabe von Land an Vertriebene einsetzen. Ohne Personenschutz und wegen der Einschränkungen gegen die Corona-Krise ohne die Möglichkeit, sich frei zu bewegen, werden sie zu einem leichten Ziel für ihre Gegner.

Die Farc hatte sich stark über den Kokainhandel und Schutzgelderpressung finanziert. Der freiwillige Ersatz des Anbaus von Koka durch legale Produkte war ein wichtiger Aspekt des Friedensvertrags gewesen. Er sollte auch den Bauern alternative Einkommensquellen erschließen. Bisher ist es Kolumbien jedoch nicht gelungen, den Anbau und Handel von Drogen deutlich zu verringern.

In die früheren Farc-Gebiete sind jetzt andere Banden eingesickert. Zudem ist die kleinere Guerillagruppe ELN immer noch aktiv. Der Staat ist in den Krisenregionen nicht wirklich präsent. In dem jüngsten Bericht der Weltdrogenkommission, deren Mitglied Santos ist, spielte dies im Kampf gegen internationale Mafia-Banden eine wichtige Rolle.

Die organisierte Kriminalität sei als Geschäft zu betrachten, das Länder und Sektoren überschreite, meint Santos. Und er sagt auch: „Der Staat darf nicht nur effektiv gegen diejenigen vorgehen, die ein Verbrechen begehen. Sondern er sollte intelligente Mittel benutzen, um die Drahtzieher, die Drogenhändler, die Großgrundbesitzer zu verfolgen.“ (dpa)

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