Gegen den Hass

Norwegen gedenkt der Opfer des Breivik-Terrors

Von Steffen Trumpf

Oslo - Jeder einzelne Name schmerzt. All diese 77 überwiegend jungen Menschen, deren Namen an diesem Nachmittag auf der Insel Utøya verlesen werden, sind vor genau zehn Jahren an diesem Ort oder zuvor im Osloer Regierungsviertel ums Leben gekommen. Ermordet vom Rechtsterroristen Anders Behring Breivik bei der schlimmsten Gewalttat, die Norwegen nach dem Zweiten Weltkrieg erlebt hat. Eine Schweigeminute folgt, dann stellen Kronprinz Haakon und Kronprinzessin Mette-Marit, Regierungschefin Erna Solberg und andere Kränze auf. Eine Trompete spielt, und wer möchte legt Rosen dazu, die zum Symbol der norwegischen Antwort auf den Terror geworden sind.

Zehn Jahre nach den Terroranschlägen von Oslo und Utøya hat Norwegen am Donnerstag der insgesamt 77 Todesopfer gedacht. Bei Gedenkveranstaltungen an den beiden Tatorten und an mehreren weiteren Orten im Land machten viele Redner auf den anhaltenden Kampf gegen Hass, Rechtsextremismus und Rassismus aufmerksam, der nicht zuletzt auch im Internet ausgefochten wird.

„Vor zehn Jahren begegneten wir Hass mit Liebe. Aber den Hass gibt es noch immer“, sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg bei einem Gedenkgottesdienst im Dom von Oslo. Jeden Tag müsse für demokratische Werte gekämpft werden, sagte er mit Blick auf rassistisch und rechtsextremistisch motivierte Taten in Norwegen, aber auch auf Terrorangriffe wie die islamistischen Attacken in Brüssel und Paris. „Die Terroristen können sich dazu entschließen, Leben zu nehmen, aber wir bestimmen, dass sie uns die Demokratie, unsere freie und offene Gesellschaft, nicht nehmen dürfen.“

Stoltenberg war damals Ministerpräsident des skandinavischen Landes gewesen, als seine Nation die schlimmste Gewalttat der Nachkriegszeit und Europa einen der schwersten Terroranschläge jemals erlebte. Der Rechtsextremist Breivik hatte am 22. Juli 2011 zunächst eine in einem weißen Transporter versteckte Bombe gezündet und dabei im Osloer Regierungsviertel acht Menschen getötet. Daraufhin fuhr er zur etwa 30 Kilometer entfernten Insel Utøya, wo er sich als Polizist ausgab und das Feuer auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des jährlichen Sommerlagers der Jugendorganisation der sozialdemokratischen Arbeiterpartei eröffnete.

69 Menschen, vor allem Jugendliche und junge Erwachsene, kamen auf Utøya ums Leben. Breivik nannte rechtsextreme und islamfeindliche Motive für seine Taten. Er wurde im August 2012 zur damaligen Höchststrafe von 21 Jahren Sicherheitsverwahrung mit einer Mindestdauer von zehn Jahren verurteilt.

„Nicht alle hasserfüllten Worte führen zu Terror, aber jeder Terror beginnt mit hasserfüllten Worten“, sagte die Utøya-Überlebende und heutige Chefin der Jugendorganisation der Arbeiterpartei, Astrid W. E. Hoem, bei einem Gedenken im Osloer Regierungsviertel. Zehn Jahre nach den Anschlägen müsse man sich eingestehen, dass der Hass nicht gestoppt worden sei. „Wir müssen jetzt ein für alle Mal sagen, dass wir Rassismus und Hass nicht akzeptieren. Wenn wir das jetzt tun, können wir es vielleicht schaffen, das Versprechen ‚Nie wieder 22. Juli‘ einzuhalten“, sagte sie. (dpa)


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