• Argentinisches Tageblatt

Gedenken an Vernichtungskrieg

Vor 80 Jahren überfiel das Deutsche Reich die Sowjetunion

Steinmeier
Verneigung vor den Opfern: Bundespräsident Steinmeier am sowjetischen Ehrenmal Schönholzer Heide. (Foto: dpa)

Moskau/Berlin (dpa) - Mit Gedenkveranstaltungen haben Russland, die Ukraine, Belarus und andere Staaten an den Überfall Hitler-Deutschlands auf die Sowjetunion vor 80 Jahren erinnert. In Berlin besuchte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Dienstag das sowjetische Ehrenmal Schönholzer Heide und legte einen Kranz nieder. „Der deutsche Krieg gegen die Sowjetunion war eine mörderische Barbarei“, sagte er bereits am Freitag der Vorwoche bei einer Gedenkveranstaltung in Berlin. „So schwer es uns fallen mag: Daran müssen wir erinnern!“ Die Erinnerung an dieses Inferno, die Feindschaft und die Entmenschlichung bleibe für alle Deutschen eine Verpflichtung und für die Welt ein Mahnmal.

Russlands Präsident Wladimir Putin legte in Moskau Blumen am Grabmal des unbekannten Soldaten an der Kremlmauer nieder. Der Platz war weiträumig abgesperrt und nur für ausgewählte Besucher zugänglich. In der Ukraine gedachte Präsident Wolodymyr Selenskyj in Kiew der Opfer des Zweiten Weltkriegs und hielt eine Schweigeminute ab. In Belarus, das während des Krieges jeden dritten Einwohner verloren hatte, kamen Tausende Menschen noch im Morgengrauen zur Festung in Brest im Westen des Landes an der Grenze zu Polen.

Russlands Präsident Putin sprach sich anlässlich des Jahrestags in einem deutschsprachigen Gastbeitrag für die Zeitung „Die Zeit“ zudem für bessere Beziehungen mit Europa aus. Es gebe viele gemeinsame Interessen wie Sicherheit, strategische Stabilität, Klima- und Umweltprobleme, schrieb Putin in dem Text, den das Medium am Dienstag veröffentlichte. Gleichzeitig erhob das russische Staatsoberhaupt Vorwürfe gegen EU und Nato.

„Die Grundursache des zunehmenden gegenseitigen Misstrauens in Europa lag im Vorrücken des Militärbündnisses gen Osten“, kritisierte Putin in dem Beitrag, der laut „Zeit“ zuerst auf Russisch und dann auf Deutsch in der Redaktion eingetroffen war. Europa warf er vor, einen „bewaffneten verfassungswidrigen Staatsstreich“ in der Ukraine unterstützt zu haben. Damals war der russlandfreundliche Präsident Viktor Janukowitsch von prowestlichen Kräften gestürzt worden.

Der Kremlchef erinnerte daran, dass mit dem Angriff der Nazis am 22. Juni 1941 für das sowjetische Volk der Große Vaterländische Krieg begonnen hatte - „der blutigste in der Geschichte unseres Landes“. Er lobte „den Mut und die Standhaftigkeit der Helden der Roten Armee und der Arbeiter daheim“, die nicht nur ihr Vaterland, sondern auch Europa und die ganze Welt vor Versklavung gerettet hätten.

Die Sowjetunion hatte mit rund 27 Millionen Toten so viele Opfer zu beklagen wie kein anderes Land im Zweiten Weltkrieg. Der Überfall durch die Nazis markierte den Beginn eines beispiellosen Vernichtungsfeldzugs - darunter die Leningrader Blockade, mit der die NS-Führung und die Wehrmacht versuchten, die Bevölkerung der Stadt in den Hungertod zu treiben.


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