Friedensnobelpreis für Journalisten

Auszeichnung für Kampf für die Meinungsfreiheit

Berit Reiss-Andersen
Die Vorsitzende des norwegischen Nobelkomitees, Berit Reiss-Andersen, zeigt Fotos der diesjährigen Preisträger. (Foto: dpa)

Oslo (dpa) - Die beiden Journalisten Maria Ressa und Dmitri Muratow erhalten in diesem Jahr den Friedensnobelpreis. Das gab das norwegische Nobelkomitee am Freitag bekannt. Die Philippinerin und der Russe bekommen den Preis für ihre Bemühungen um die Wahrung der freien Meinungsäußerung, die eine Voraussetzung für Demokratie und dauerhaften Frieden sei, sagte die Vorsitzende des Komitees, Berit Reiss-Andersen, bei der Bekanntgabe in Oslo. Mit der Auszeichnung von Ressa und Muratow solle die Bedeutung des Schutzes der Meinungs- und Pressefreiheit für Demokratie und Frieden unterstrichen werden.

Die beiden Heimatländer der Preisträger, die von Staatschef Rodrigo Duterte regierten Philippinen und das Russland von Kremlchef Wladimir Putin, sind alles andere als Musterländer der Pressefreiheit. Dass das Nobelkomitee gerade Journalisten aus diesen Ländern auszeichnet, ist aber auch als Signal darüber hinaus zu verstehen.

„Frau Ressa und Herr Muratow erhalten den Friedenspreis für ihren mutigen Kampf für die freie Meinungsäußerung auf den Philippinen und in Russland“, hieß es vom Nobelkomitee zwar zum einen. „Gleichzeitig sind sie Vertreter aller Journalisten, die für dieses Ideal in einer Welt eintreten, in der Demokratie und Pressefreiheit immer widrigeren Bedingungen begegnen.“

Die mehrfach ausgezeichnete Ressa aus Manila ist Chefredakteurin des Online-Nachrichtenportals Rappler. Die 58-Jährige gilt als scharfe Kritikerin von Präsident Duterte, sie wurde immer wieder verhaftet. Vergangenes Jahr war sie in einem Verleumdungsprozess zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden. Sie ging in Berufung und ist auf Kaution auf freiem Fuß. Das US-Magazin „Time“ hatte sie 2018 zusammen mit anderen Journalisten zur „Person des Jahres“ gekürt.

Dmitri Muratow ist Chefredakteur der kremlkritischen Zeitung „Nowaja Gaseta“. Der 59-Jährige, der schon als Oppositioneller für die liberale Partei Jabloko an Wahlen teilgenommen hatte, hatte sich zuletzt auch mit der Demokratiebewegung in Belarus solidarisiert. Er kritisierte in der Vergangenheit öffentlich die Politik des Kreml auf der von Russland 2014 annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim. Russland hat damit zwei Friedensnobelpreisträger. Der 90 Jahre alte Michail Gorbatschow erhielt den Preis 1990 und ist heute auch Miteigentümer der kremlkritischen Zeitung „Nowaja Gaseta“.

Das Nobelkomitee schafft mit seiner Auswahl einen Spagat: Zum einen war vermutet worden, dass es diesmal einen Preis für die Freiheit von Medienschaffenden geben könnte. Zum anderen kürt das Komitee zwei Preisträger, die zuvor nicht zum engeren Favoritenkreis gezählt hatten. Vor allem Organisationen wie die Reporter ohne Grenzen und das Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) hatten vorab zu den Favoriten gezählt.

Dotiert sind die Auszeichnungen in diesem Jahr erneut mit zehn Millionen schwedischen Kronen (rund 980.000 Euro) pro Kategorie. Ressa ist in diesem Jahr die bislang einzige Frau unter den Preisträgern. Verliehen werden alle Nobelpreise am 10. Dezember.


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