• Argentinisches Tageblatt

Erstes Gespräch der IWF-Leiterin mit Alberto Fernández

Die Generaldirektorin des Internationalen Währungsfonds, die Bulgarin Kristalina Georgiewa, rief letzte Woche den zukünftigen Präsidenten Alberto Fernández an. Sie hatten ein freundliches Gespräch, bei dem die IWF-Leiterin zunächst ihre guten Willen äußerte, um Argentinien über die Runden zu helfen. Im Grunde bleibt dem IWF nichts anderes übrig, als eine realistische Lösung zu finden, vor allem nachdem Argentinien für über die Hälfte der gesamten IWF-Kredite verantwortlich ist. Außerdem ist der IWF kein Geierfonds, sondern ein internationales Organ, das nach dem 2. Weltkrieg geschaffen wurde, um Ländern mit Zahlungsbilanzkrisen zu helfen, diese zu überwinden. Wesentlich ist es dabei, und das hat Georgiewa betont, dass Argentinien bei den Staatsfinanzen einen Ausgleich anstrebt. Das bedeutet, dass sich über andere Auflagen, die der IWF bei Abkommen fordert, reden lässt. Ohnehin ist Argentinien gezwungen, mit einem sehr geringen Defizit auszukommen, weil die Möglichkeiten, das Defizit mit Krediten zu finanzieren, sehr beschränkt sind.

Alberto Fernández äußerte den Willen, die Schuld gegenüber dem IWF zu zahlen, forderte jedoch eine angemessene Frist. Er sagte ausdrücklich, die argentinische Gesellschaft vertrage keine weiteren rezessiven Maßnahmen (was er als “ajuste”, also “Anpassung” bezeichnete). Im Wesen besteht Fernández darauf, dass die Amortisation der Schuld erst möglich ist, wenn Argentinien die bestehende Krise überwindet und wieder wächst.

Der IWF hat 2018 beim Abkommen mit Argentinien, bei dem es zunächst um einen Kredit von u$s 50 Mrd. ging. (der in einer zweiten Etappe um u$s 5,4 Mrd. erweitert wurde), die argentinische Wirtschaft nicht verstanden. Der Fonds ging von einem freien Devisenmarkt aus, und duldete zunächst nur eine Intervention auf dem Devisenmarkt, wenn der Kurs sehr stark stieg oder fiel. Die Marge zwischen beiden Extremen war sehr hoch, so dass der Kurs stark schwanken konnte, und das hatte eine verheerende Wirkung auf die Wirtschaft. Das wurde erst später korrigiert und schließlich von der ZB ganz beiseite gelassen, die zur traditionellen Kurspflege zurückkehrte, ohne den Fonds um Erlaubnis zu bitten.

Ebenfalls hatte der Fonds eine Nullzunahme der monetären Basis gefordert, was bis vor einigen Wochen eingehalten wurde, aber eine starke rezessive Wirkung hatte. Der IWF, und auch die argentinischen Unterhändler, hatten die Eigenart der argentinischen Inflation, die stark durch autonome Kostenerhöhungen bedingt ist (Tarife öffentlicher Dienste, Löhne und Wirkung der Änderungen der relativen Preise) nicht begriffen, und somit mit dieser harten monetären Politik eine akute Rezession provoziert, ohne die Inflationsrate dabei senken zu können.

Es bleibt zu hoffen, dass das neue Abkommen mit dem IWF wirklichkeitsnäher ist als die bisherigen. Die Regierung braucht dabei gute Unterhändler, die eine gute Kenntnis der argentinischen Wirtschaft und ihrer Eigenarten haben, und der IWF muss seine schematische Einstellung, bei der alle Länder gleich behandelt werden, aufgeben. Es muss ein Gespräch auf hohem wirtschaftlichen Niveau sein.

Wichtig ist dabei auch die Erhaltung der guten Beziehungen zu den USA, deren Stimme beim IWF stark ins Gewicht fällt. Für die Vereinigten Staaten kommt es hier auch auf die politische Haltung Argentiniens in Lateinamerika an. Alberto Fernández wäre gut beraten, wenn er Distanz zu Maduro u.a. nimmt, die ihm schließlich keinen Vorteil bringen.

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