• Argentinisches Tageblatt

Ernährungsnotstand?

Von Juan E. Alemann

Die katholische Kirche, soziale Organisationen, der Präsidentschaftskandidat Roberto Lavagna, eine Gruppe peronistischer Bürgermeister, Gewerkschaften - sie alle und noch andere fordern die Erklärung eines Ernährungsnotstandes. Was das genau bedeutet, sagt keiner. Das Gesetzesprojekt, das im Kongress behandelt wird, bezieht sich nur auf zusätzliche staatliche Lebensmittellieferungen.

Die Befürworter weisen darauf hin, dass eine große Zahl Menschen, darunter auch viele Kinder, nur gelegentlich essen und unterernährt sind. Statistiken, die dies bestätigen, gibt es nicht. Allgemein wird nur auf die hohe Zahl derjenigen hingewiesen, die sich im „Elendszustand“ befinden, die das statistische Amt ermittelt. Das Familieneinkommen dieser Gruppe reicht angeblich nicht aus, um den Mindestbedarf an Nahrungsmitteln zu decken. Doch andererseits sieht man kaum Menschen, die dieser Lage entsprechen, also Haut und Knochen sind. Die Menschen sehen allgemein ernährt aus, so dass auch diejenigen, denen das Einkommen angeblich nicht ausreicht, irgendwie zu Nahrung gelangen. Dass viele dabei dennoch unzureichend oder falsch ernährt sind, ist etwas anderes.

Das Ministerium, das sich mit sozialen Themen befasst, geleitet von der rührigen Carolina Stanley, weist darauf hin, dass 2019 im Haushaltsgesetz 12,5 Mrd. Pesos für Ernährungsprogramme vorgesehen seien, von denen 10,20 Mrd. Pesos schon ausgegeben worden seien. Der Betrag wurde dann um 6 Mrd. Pesos erhöht. 2015 waren es 3,2 Mrd. Pesos und danach jedes Jahr mehr. Die Programme umfassen die Abkommen mit Provinzen, die sich auf die Versorgung von Nahrungsmitteln für Schulen beziehen, die Unterstützung von gemeinschaftlichen Anstalten, die Mahlzeiten bieten, auf direkte Vergabe von Nahrungsmitteln und Förderung der Eigenproduktion von Nahrungsmitteln (vornehmlich Gemüse). Hinzu kommt noch das Programm für Kinder von einem bis vier Jahre. Die konkrete Frage ist die, ob all dies ausreicht.

Es bestehen viele private und öffentliche Anstalten, die die ein Frühstück, ein Mittagessen und ein Abendessen bieten. Sie werden von uneigennützigen Organisationen oder Frauen betrieben, wie Margarita Barrientos, die dies aus Menschenliebe tun. Dabei ist jetzt eine zunehmende Klage aufgekommen, dass diese Essräume überfüllt und überfordert sind, mit immer mehr Menschen, die sich dort ernähren wollen

Die Regierung sollte sich zunächst genau über dies unterrichten und die bestehenden Anstalten mit Zufuhr von Nahrungsmitteln und direkten Subventionen unterstützen. Das solle nicht schwierig und auch nicht sehr kostspielig sein. Auch die Errichtung weiterer öffentlicher Tafeln, wenn möglich zusammen mit uneigennützigen Organisationen (genannt ONG), sollte machbar und finanzierbar sein.

In einem Land, das Nahrungsmittel in hohem Umfang erzeugt und dabei viele auch wegwirft, sollte niemand hungern und auch nicht unter- oder falsch ernährt sein. Der Einsatz von überschüssigem Gemüse und Obst, auch von verarbeiteten Lebensmitteln, all das erfordert im Wesen nur eine gute Organisation. Das ist etwas, was der Regierung schwer fällt, wobei jedoch private Organisationen dafür verpflichtet werden können. Der Staat kann gewiss an anderen Orten sparen, um die Mittel aufzubringen, ohne den Haushalt durcheinander zu bringen.

Die Regierungssprecher haben erklärt, das sie das neue Gesetz für unnötig halten, sich dennoch der Verabschiedung im Kongress nicht widersetzen werden. Doch darüber hinaus sollte die Regierung ein umfassendes Ernährungsprogramm ausarbeiten und vorlegen, um der Opposition den Wind aus den Segeln zu nehmen.

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