Ein Hauch von Nostalgie

Actualizado: 1 jun

Die historische Straßenbahn von Buenos Aires in Caballito

Von Maja Dimitroff

Strassenbahn
Mit der Straßenbahn durch Caballito. (Foto: BA Turismo)

Buenos Aires (AT) - Mit Leidenschaft, Herz und in authentischer Schaffneruniform erklärt Juan Pablo (Name durch die Redaktion geändert) die Entstehung der Vereinigung der Straßenbahnfreunde (Asociación de amigos del tranvía) und bewegt dabei behutsam die Schalthebel der historischen Straßenbahn. Wir hören seinen Ausführungen gespannt zu, genießen dabei den Sonnenuntergang und beobachten den bewegten Verkehr auf der Avenida Rivadavia. Die Straßenbahn ächzt und rumpelt, bleibt immer mal wieder stehen, da die parkenden Autos in zweiter Reihe wohl nicht mehr damit gerechnet hatten, dass auf den alten, kaum noch sichtbaren Schienen für ein paar Minuten ein Buenos Aires von früher wieder „aufleben“ wird. Die kleinen Fahrgäste unter uns juchzen vor Freude und staunen mit großen Augen, die älteren unter uns vielmehr über die schöne Holzvertäfelung der historischen Straßenbahn. Erinnerungen an die weltberühmte Straßenbahn in Lissabon, aber auch an die alten Waggons der Subte der Linie A im Herzen von Buenos Aires werden wach.

Buenos Aires ist bekannt für seine Nostalgie, der Tramway Histórico de Buenos Aires bislang jedoch weniger als (internationale) Touristenattraktion - obwohl dieser schon seit 1980 existiert. Die 1976 gegründete Vereinigung der Straßenbahnfreunde möchte genau dies ändern: In den liebevoll restaurierten Waggons bietet der Verein an den Wochenenden und Feiertagen alle 25 Minuten kostenlose Fahrten durch die Straßen von Caballito an - ein Rundweg von lediglich zwei Kilometer Länge und 20 Minuten Dauer, doch ein einmaliges Erlebnis für Jung und Alt.

Da es nicht möglich ist, die nostalgischen Papiertickets in Grün und Weiß im Voraus zu buchen, wird die Wartezeit durch kurzweilige Informationsvorträge über die Historie der Straßenbahnen in Buenos Aires durch die ehrenamtlichen Straßenbahnliebhaber verkürzt. So lernen wir hier, dass die erste elektrische Straßenbahn in Buenos Aires am 22. April 1897 ihr Licht der Welt erblickte und sich im Laufe der Zeit bis zu zwölf Straßenbahnunternehmen in der Stadt etablierten. Die letzten Straßenbahnen (Linie 38 und 20) kurvten noch 1964 durch Groß-Buenos Aires.

Die Vereinigung der Straßenbahnfreunde lebt 45 Jahre nach ihrer Gründung den Traum eines „lebenden Museums“, verfügt über ein Bibliotheksarchiv und ist Herausgeberin einer monatlichen Zeitschrift. Zu ihrem Jubiläum freut sich die Vereinigung ganz besonders über neue Mitgliedschaften.

Praktische Infos: Startpunkt der historischen Tramtour ist Ecke Emilio Mitre und José Bonifacio (Emilio Mitre 500). Samstags und sonntags finden die Fahrten zwischen 16 und 19 Uhr statt. Sonntags auch vormittags von 10 bis 13 Uhr. Weitere Infos und eine Übersicht der Straßenbahnflotte sind auf www.tranvia.org.ar einzusehen. Bei Regen fallen die Fahrten aus.


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