Ein großes deutsch-argentinisches Fest

Die Toten Hosen nach vier Jahren wieder in Buenos Aires

Von Marcus Christoph

Toten Hosen
Die Toten Hosen in „Obras Sanitarias“. (Foto: Christoph)

Buenos Aires (AT) - Auswärtsspiel oder Heimspiel? Wenn „Die Toten Hosen“ in Argentinien spielen, weiß man nicht genau, welche Formulierung hier angemessen ist. Zwar stammt die deutsche Punkband aus dem knapp 11.500 Kilometer entfernten Düsseldorf. Doch längst fühlen sich die Musiklegenden am Río de la Plata wie zuhause. Von „unserem zweiten Wohnsitz am anderen Ende der Welt“, sprach Frontmann „Campino“ (Andreas Frege) kurz vor der aktuellen Tour nach Argentinien.

Es geht um eine „Liebesbeziehung“ zwischen Deutschlands bekanntester Punkrock-Band und ihren argentinischen Fans, die 1992 begann. Damals spielten „Die Toten Hosen“ zum ersten Mal in Argentinien. Seitdem kamen sie immer wieder her - und so ging es diesmal auch darum, die 30-jährige Bühnenfreundschaft zu feiern. Es ist das zweite Jubiläum der Band in diesem Jahr, die auf insgesamt 40 Jahre erfolgreicher und bewegter Geschichte zurückblicken kann.

Die ersten beiden Konzerte der aktuellen Tour fanden am Freitag und Samstag in der Mehrzweckhalle „Obras Sanitarias“ im Buenos-Aires-Stadtteil Núñez statt. Es war wie ein großes deutsch-argentinisches Fest. Unter den Fans war auch der deutsche Botschafter Dr. Ulrich Sante.

Verblüffend einmal mehr, wie die argentinischen Teilnehmer die zumeist deutschen Texte der Band mitsangen. In ihrem Repertoire hatten die Punkrocker neue Stücke wie „Alle sagen das”, aber auch alte Klassiker wie „Opel-Gang“ oder „Wünsch Dir was“. Sprachliche Anstrengungen unternahm aber auch „Campino“: So sang er auf Spanisch einige Songs der argentinischen Punkband „Los Violadores“, deren Sänger Pil Trafa vor einem Jahr gestorben ist. Dieser hatte vor 30 Jahren maßgeblichen Anteil daran, dass „Die Toten Hosen“ nach Argentinien kamen.

Ein weiterer Beleg für die Verbundenheit der Band aus Düsseldorf mit der hiesigen Szene war der Kurzauftritt von Walter „Mosca“ Velázquez, dem Sänger der Punkband „2 minutos“, mit dem der Song „Ya no sos igual“ gespielt wurde.

Die Stimmung in der Halle war von Anfang an von Begeisterung geprägt. „Campino“ sprach am Freitag von der großen Freude, nach vier Jahren auch pandemiebedingter Unterbrechung wieder in Buenos Aires spielen zu können. Er und seine Bandkollegen - als da wären Andreas von Holst alias „Kuddel“ und Michael Breitkopf („Breiti“) an den Gitarren, Andreas „Andi“ Meurer am Bass und Vom Ritchie am Schlagzeug - legten gleich kraftvoll los. Der Funken sprang sogleich aufs Publikum über.

Dass die Bandmitglieder um die 60 Jahre alt sind, spürte man überhaupt nicht. Im Gegenteil: Es gab eine Zugabe nach der anderen. Der letzte Schlussakkord nach zwei Stunden intensiver Show gehörte zum legendären Party-Klassiker „Eisgekühlter Bommerlunder“. Am Ende, das anders als ein bekanntes Motto der „Toten Hosen“ nicht bitter war, waren die Fans vermutlich heiserer als die Musiker.

Ein weiteres Konzert gab die Band am Mittwoch in dem Club „La Trastienda“ in San Telmo. Am heutigen Freitag betreten „Campino“ & Co. dann Neuland mit einem Auftritt in Tandil, wo sie im „Club Union & Progreso“ spielen.

Nimmt man die Stimmung der Konzerte zum Maßstab, darf man wohl davon ausgehen, dass noch manch weitere Kapitel der Freundschaft zwischen den „Toten Hosen“ und ihren Fans in Argentinien geschrieben werden.


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