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„Dürfen Aggression nicht hinnehmen“

Botschafter Sante spricht zum Volkstrauertag

Sante
Botschafter Ulrich Sante auf dem Deutschen Friedhof. (Foto: Embajada alemana)

Buenos Aires (AT/mc) - Ganz im Zeichen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine stand die diesjährige Zeremonie zum Volkstrauertag auf dem Deutschen Friedhof in Chacarita. Deutschlands Botschafter Ulrich Sante sagte bei der Veranstaltung am Sonntag angesichts des Leids: „Im Jahr 2022 müssen wir Bilder aus der Ukraine sehen, von denen wir gehofft hatten, dass sie sich gerade auf unserem Kontinent niemals wiederholen: Menschen, die vor Bomben in U-Bahnschächte fliehen, die sich an der Grenze von ihren Familien trennen oder gar für immer Abschied nehmen müssen an langen, frisch ausgehobenen Grabreihen.“

Für viele Menschen sei es kaum vorstellbar gewesen, dass Russland tatsächlich die Ukraine angreifen könnte. Seit Februar, wenn man präzise hinschaue, aber eigentlich bereits seit der Annexion der Krim im Jahre 2014, herrsche wieder Krieg in Europa. Russland habe mit dem Angriff auf die Ukraine erneut das Völkerrecht und alle Regeln der Nachkriegsordnung in Europa gebrochen, wählte der Botschafter deutliche Worte. Die politische Verantwortung für den „skrupellosen Überfall“ müssten Präsident Putin und die russische Regierung übernehmen.

„Wir sehen, wozu Menschen in diesem Ausnahmezustand fähig sind - im Guten wie im Schlechten: Flüchtlingskonvois unter gezieltem Beschuss, geplünderte und zerstörte Städte und grausame Massaker an Zivilisten, aber auch erbitterter Widerstand von ukrainischen Soldaten, mutiger Protest von Zivilisten gegen Panzer und eine immense internationale Hilfsbereitschaft.“

All dies finde im Herzen Europas statt. Von Berlin bis zur ukrainischen Grenze ist es genauso weit wie von Berlin nach Brüssel. Die Bilder erinnerten stark an zerstörte Städte in Europa im Jahr 1945. Mit Blick auf die Ukraine meinte Sante: „Mit diesem brutal angegriffenen Land und seinen Menschen trennt und verbindet uns vieles: eine gewaltvolle Vergangenheit, aber auch die Fundamente einer gemeinsamen Kultur und der Wille zur demokratischen Selbstbestimmung für eine friedliche Zukunft.“

Am Volkstrauertag gedenke man aller Toten von Krieg und Gewaltherrschaft in Deutschland und weltweit. Doch in diesem Jahr denke man im Besonderen an die Kriegstoten und ihre Angehörigen in der Ukraine: der vielen in den vergangenen Monaten gefallenen Soldaten und getöteten Zivilisten. Mitleid gelte aber auch den „getöteten russischen Soldaten, die diesem verbrecherischen Krieg nicht ausweichen konnten und oft sogar mit einer falschen Wahrheit in die Pflicht genommen wurden“. Sante erinnerte auch an die Millionen von Toten, die nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion zu beklagen waren.

Der Volkstrauertag gebe Anlass nachzudenken und sich besinnen, aber auch, um entschieden tätig zu werden. „Aggression dürfen wir nicht hinnehmen und müssen daran erinnern, dass wir gemeinsam in Europa für Menschenrechte, Frieden und Freiheit eintreten.“

Man könne sich aus den Konflikten um einen herum nicht heraushalten. Stattdessen gelte es, sich lange ignorierten Realitäten zu stellen: ‚Nie wieder Krieg‘ sei so eingängig wie zu kurz gegriffen, wenn man auf die aktuellen Kriegsverbrechen in der Ukraine und anderswo schaue. „Die Menschenwürde ist unantastbar - und zwar überall. Diese Lehre aus dem Zivilisationsbruch des Angriffskrieges gilt unverändert. Nur so kommen wir zu einem gerechten Frieden“, argumentierte Sante.

Das diesjährige Motto für den Volkstrauertag „Gemeinsam für den Frieden“ sei hoch aktuell. „Wir sind aufgefordert, uns an die vergangenen und heutigen Kriege zu erinnern und unser Bewusstsein dafür zu schärfen, dass wir uns für Frieden einsetzen müssen.“

Der Volkstrauertag wurde durch den 1919 gegründeten Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge eingeführt. Die erste offizielle Feierstunde fand 1922 im Reichstag in Berlin statt. 1934 bestimmten die Nationalsozialisten per Gesetz den Volkstrauertag zum Staatsfeiertag und benannten ihn „Heldengedenktag“ um.

Nach dem Krieg war das Gedenken zweigeteilt. Die Bundesrepublik führte den Volkstrauertag 1952 wieder ein. Er findet seitdem jedes Jahr zwei Sonntage vor dem ersten Adventssonntag statt. In der DDR gedachte man der „Opfer des Faschismus“, wozu vor allem kommunistische Widerstandskämpfer zählten. Seit der Wiedervereinigung orientiert sich das Gedenken an der westdeutschen Variante.


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