• Argentinisches Tageblatt

Diskussion um „Killer“ Putin

Moskau reagiert mit Schärfe auf Bidens Äußerungen

Joe Biden - Wladimir Putin
Joe Biden vs. Wladimir Putin. (Fotos: dpa)

Moskau (dpa) - Mit seinen scharfen Äußerungen über Kremlchef Wladimir Putin hat US-Präsident Joe Biden breites Entsetzen in Russland ausgelöst, im Ausland aber auch teils Zuspruch erhalten. Biden hatte in einem Interview die Frage bejaht, ob Putin ein „Killer“ sei. Der 68 Jahre alte Putin reagierte gestern mit einer Anspielung auf das Alter des zehn Jahre älteren US-Kollegen. „Bleiben Sie gesund! Ich wünsche ihm Gesundheit“, sagte Putin am Donnerstag auf eine Frage bei einer Videoschalte, was er von den Äußerungen Bidens halte. Und er holte noch weiter aus, indem er den USA die Tötung von Schwarzen und amerikanischen Ureinwohnern vorwarf.

Der russische Präsident meinte, dass Biden in den Spiegel schauen solle. Er warf den USA mit Blick auf ihre Geschichte einen „Genozid an den Indianerstämmen“ vor und die Vernichtung von Schwarzen. „Die Vereinigten Staaten sind das einzige Land auf der Erde, das eine Atomwaffe abgeworfen hat - noch dazu auf ein Land ohne Kernwaffen: gegen Japan am Ende des Zweiten Weltkrieges, gegen Hiroshima und Nagasaki.“ Dafür habe es keinen militärischen Grund gegeben. „Das war die direkte Auslöschung der zivilen Bevölkerung“, sagte Putin.

Der Kreml hatte zuvor die Äußerungen Bidens über Putin als „sehr schlimm“ bezeichnet. „Natürlich hat es so etwas in der Geschichte noch nicht gegeben“, meinte Putins Sprecher Dmitri Peskow. Biden hatte in dem Interview mit dem Sender ABC auf Nachfrage auch erzählt, er habe Putin bei einem Treffen in der Vergangenheit mal offen gesagt, er halte ihn für seelenlos. „Ich war allein mit ihm in seinem Büro.“ Er habe Putin in die Augen geschaut und gesagt: „Ich glaube nicht, dass Sie eine Seele haben.“ Putin habe ihn angeschaut und geantwortet: „Wir verstehen uns.“

Biden sagte mit Blick auf seine lange Vergangenheit als US-Vizepräsident und Senator, er habe in seiner Karriere mit vielen ausländischen Regierungschefs zu tun gehabt. Es sei wichtig, den anderen zu kennen. Und er kenne Putin ziemlich gut.

Rückhalt für Biden kam von der EU, die Putin die politische Verantwortung für Mordanschläge in Russland gab. „Es gibt leider eine lange Liste gescheiterter und erfolgreicher Mordanschläge gegen kritische und unabhängige Persönlichkeiten in Russland, darunter Politiker und Journalisten“, sagte die Sprecherin des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell.


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