• Argentinisches Tageblatt

Die Woche in Argentinien

(Vom 5.4.19 bis 12.4.19)

Wahldebakel für „Cambiemos“

Wahldebakel für die nationale Regierungskoalition „Cambiemos“ (Verändern wir) in der Provinz Río Negro. Bei den Gouverneurswahlen in dem nordpatagonischen Gliedstaat erreichte die Kandidatin der Macri-Allianz, Lorena Matzen, gerade einmal 5,67 Prozent der Stimmen. Wahlsiegerin wurde Arabela Carreras, die für das lokale Bündnis „Gemeinsam für Río Negro“ antrat und 52,43 Prozent auf sich vereinigen konnte. Carreras gehört zum politischen Lager des bisherigen Gouverneurs Alberto Weretilneck, der aufgrund richterlicher Entscheidung nicht noch einmal antreten durfte. Der zweite Platz ging an Martín Soria, dem Kandidaten der Kirchner-treuen „Siegesfront“. Der Sohn des am Neujahrstag 2012 von der eigenen Ehefrau getöteten Ex-Gouverneurs Carlos Soria verbuchte 35,06 Prozent. In der Casa Rosada konnte man sich über das ernüchternde Wahlergebnis der eigenen Kandidatin zumindest damit trösten, dass das Kichner-Lager in Río Negro keinen Triumph feiern konnte. Einen solchen wollte die Nationalregierung in Buenos Aires um jeden Preis verhindern. Wahlsiegerin Carreras erhielt so auch viele Stimmen von der Radikalen Bürger Union (UCR), die eigentlich integraler Bestandteil von „Cambiemos“ ist. Der Wahlsieg des lokalen Wahlbündnisses lag auch in den zahlreichen Infrastrukturmaßnahmen begründet, für deren Finanzierung die Provinzregierung einen Kredit von 300 Millionen Dollar aufgenommen hat. Die Gelder wurden zur Verbesserung der Stromversorgung sowie für Bodenbewässerung, Gasleitungen und Kläranlagen verwendet.


Spannendes Rennen

In Chubut zeichnet sich ein spannendes Rennen um den Gouverneursposten ab. Bei den Vorwahlen (PASO) am Sonntag konnte der amtierende Verwaltungschef Mariano Arcioni vom Bündnis „Chubut sind wir alle“ (Chubut somos todos) mit mehr als 31 Prozent der Stimmen das beste Einzelergebnis verbuchen. Doch die Kirchner-treue „Patriotische Front von Chubut“ kam, wenn man ihre drei Bewerber zusammenaddiert, auf 33 Prozent. Im internen Vergleich der Kirchneristen setzte sich Carlos Linares mit 16 Prozent durch und darf nun bei den Gouverneurswahlen am 9. Juni das Bündnis vertreten. Der einstige Vize-Gouverneur César Mac Karthy bekam zwölf Prozent; Omar Burgoa war mit drei Prozent der am schlechtesten platzierte Kandidat des Kirchner-Lagers. Drittstärkstes politisches Lager in Chubut wurde die nationale Regierungskoalition „Cambiemos“ (Verändern wir), deren Kandidat Gustavo Menna 14 Prozent erzielte. Bei Vorwahlen ist es den Bündnissen überlassen, wie viele Kandidaten sich bewerben. Manche Allianzen begnügen sich mit einem einzigen. Die nächsten Vorwahlen finden am kommenden Sonntag in Entre Ríos statt, wo sich Gouverneur Gustavo Bordet um eine Wiederwahl bemüht.


U-Bahn-Fahren teurer

Das Fahren mit der U-Bahn von Buenos Aires (Subte) ist wieder teurer geworden. Seit Dienstag kostet der Basistarif für eine Einzelfahrt 19 Pesos. Bedenkt man, dass der Preis für eine Fahrt vor einem Jahr noch 7,50 Pesos betrug, ergibt sich eine Steigerung um 153 Prozent. Ab Mai soll eine Fahrt sogar 21 Pesos kosten. Das wäre gegenüber dem April 2018 sogar eine Zunahme um 180 Prozent. Es soll jedoch weiter Vergünstigungen für Vielfahrer geben. Damit liegen die Preiserhöhungen für die U-Bahn deutlich über der Inflation und den tariflich vereinbarten Gehaltsanpassungen. Die Betreibergesellschaft Sbase begründete den Schritt mit Verweis auf die Betriebskosten. Der reale Wert einer einfachen Fahrt betrage sogar 23,20 Pesos. Im Vorfeld hatte es in öffentlichen Anhörungen scharfe Kritik an der neuerlichen Preiserhöhung gegeben. Diese kam seitens der U-Bahn-Nutzern, aber auch von Angestellten.


Samid ausgeliefert

Fleischunternehmer Alberto Samid ist zurück in Argentinien. Der 71-Jährige, gegen den eine Interpol-Fahndung lief, war in Belize untergetaucht. Dort wurde er Anfang der Woche abgeschoben. Der „Fleischkönig“, der sich in früheren Jahren auch für die Peronistische Partei (PJ) engagierte, muss sich in Argentinien einem Prozess wegen Steuerhinterziehung verantworten. Samid schuldet dem Steueramt AFIP umgerechnet rund 23 Millionen US-Dollar. Die Staatsanwaltschaft fordert sieben Jahre Haft. Der Richterspruch wird in Kürze erwartet. Angesichts dessen hatte Samid sich am 24. März illegal zunächst nach Paraguay abgesetzt und war von dort über Panama nach Belize gereist. Samids Rechtsbeistand Vicente D‘Attoli beantragte bei der Justiz nun eine psychiatrische Untersuchung seines Mandanten, um ihn so vor einem Gefängnisaufenthalt zu bewahren. (AT/mc)

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