• Argentinisches Tageblatt

Die Woche in Argentinien

(Vom 30.8. bis 6.9.)

Großdemo in Buenos Aires

Zehntausende haben in Buenos Aires gegen rasant steigende Lebensmittelkosten demonstriert. Bei der von verschiedenen sozialen Gruppen organisierten Kundgebung vor dem Ministerium für soziale Angelegenheiten im Zentrum der Millionenmetropole wurden vor allem Hilfen für arme Bevölkerungskreise gefordert. Die Organisatoren kündigten an, die Menschen würden solange vor dem an der Prachtstraße Nueve de Julio gelegenen Ministerium zelten, bis ihre Forderungen erfüllt sind. Das einst reiche Argentinien befindet sich wieder einmal in einer schweren Wirtschafts- und Finanzkrise. Die Landeswährung Peso verlor nach der Niederlage des marktfreundlichen Präsidenten Mauricio Macri bei den Vorwahlen im August knapp 25 Prozent seines Wertes im Vergleich zum Dollar. Die Inflation nahm an Fahrt zu. Schon bisher lag die Jahresinflationsrate bei mehr als 50 Prozent. 32 Prozent der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze.


Flug zu den Malwinen

Die Fluggesellschaft LATAM hat offiziell die Erlaubnis erhalten, Flüge von São Paulo über Córdoba zu den Malwinen-Inseln durchzuführen. Dies geht aus einem Dekret von Präsident Mauricio Macri hervor, das am Dienstag veröffentlicht wurde. Die chilenisch-brasilianische Airline will nun am 6. November den Flugbetrieb auf der Route aufnehmen. LATAM bietet bereits Flüge vom chilenischen Punta Arenas zu der britisch verwalteten Inselgruppe im Südatlantik an, die einmal pro Monat auch im argentinischen Río Gallegos zwischenstoppen. Bereits im Dezember vorigen Jahres hatte die Regierung (Executive Council) der Inselgruppe der Einrichtung einer neuen Flugverbindung mit dem südamerikanischen Festland zugestimmt. Die Kelper erhoffen sich dadurch jährliche Mehreinnahmen von 1,9 Millionen Britischer Pfund, was momentan einem Gegenwert von 138 Millionen argentinischen Pesos entspricht.


Appell der Bischöfe

Die Katholische Kirche hat die Regierung aufgefordert, den „Ernährungsnotstand“ auszurufen. Dies formulierte die Bischöfliche Kommission für soziale Angelegenheiten in einer Denkschrift an die Staatsführung. Die Geistlichen beklagten in ihrem Schreiben die Zunahme extremer Armut, Arbeitslosigkeit sowie den rasanten Anstieg der Preise der Lebensmittel für den täglichen Grundbedarf. In dem Kommunikee wird zudem der „sehr hohe Grad an sozialer Ungleichheit“ moniert, der „höchstgefährlich“ für das Land sei. Die Verfasser der Denkschrift fordern vor allem sofortige Hilfsmaßnahmen für Kinder. Wenige Tage vor der Veröffentlichung hatte sich die Kirchenspitze mit Präsident Mauricio Macri zu einem Gespräch getroffen. Bei der Unterredung ging es um die soziale und wirtschaftliche Lage im Land seit den Vorwahlen am 11. August.


Nicht im Zeitplan

Im Prozess gegen den inhaftierten Bauunternehmer Lázaro Báez treten immer neue Details zutage. Laut einer Gerichtsuntersuchung, bei der fünf von insgesamt 51 öffentlichen Bauaufträgen genauer unter die Lupe genommen wurden, sollen nicht nur Überpreise in Millionenhöhe gezahlt worden sein. Vielmehr befand sich offenbar auch kein einziges der untersuchten Bauvorhaben im Zeitplan, ohne dass dafür ausreichende Gründe vorlägen. Dies berichtet die Zeitung „Clarín“. In dem Verfahren geht es um mögliche Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe öffentlicher Bauten in der Provinz Santa Cruz an Báez. Auch Ex-Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner und ihr einstiger Planungsminister Julio De Vido müssen sich in der Angelegenheit vor Gericht verantworten.


Bürgermeister bestätigt

In Bariloche ist Gustavo Gennuso am Sonntag im Amt des Bürgermeisters bestätigt worden. Der Parteifreund von Gouverneur Alberto Weretilneck, der für das Bündnis „Juntos Somos Río Negro“ (Gemeinsam sind wir Río Negro) antrat, konnte fast 41 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen. Damit behauptete er sich deutlich vor Daniel Natapof, der für das linksperonistische Bündnis „Frente de Todos“ (Bündnis von allen) ins Rennen ging und knapp 22 Prozent erzielte. Deutlich abgeschlagen mit neun Prozent auf Platz drei landete Santiago Palmeyro von der Macri-treuen Allianz „Juntos por el cambio“ (Gemeinsam für den Wandel). Die Wintersportmetropole Bariloche, in dem eine größere deutsche Gemeinschaft lebt, ist die größte Stadt der patagonischen Provinz Río Negro. Im Wählerverzeichnis sind mehr als 100.000 Bürger registriert. Von diesen nahmen rund 65 Prozent an dem Urnengang teil.


Klarsfeld geehrt

Anerkennung für Beate Klarsfeld. Die deutsch-französische Journalistin, die als „Nazi-Jägerin“ bekannt wurde, erhielt am Dienstag die Auszeichnung eines „Ehrengastes“ (Huésped de Honor) der Stadt Buenos Aires. In Gegenwart von Francisco Quintana, dem Präsidenten des Stadtparlaments sowie Vertretern der Nationalregierung wie Umweltstaatssekretär Sergio Bergman und dem Medienbeauftragten Hernán Lombardi nahm die 80-Jährige die Ehrung entgegen. Die französische Botschaft in Buenos Aires bereitete ihr einen Empfang. Klarsfeld trug zusammen mit ihrem französischen Mann Serge Klarsfeld maßgeblich zur Auffindung und Verhaftung zahlreicher NS-Täter bei. In Deutschland wurde sie 1968 einer breiteren Öffentlichkeit bekannt, als sie den damaligen Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger wegen dessen NS-Vergangenheit ohrfeigte. (AT/mc)

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