• Argentinisches Tageblatt

Die Woche in Argentinien

(Vom 31.5. bis 7.6.)

Rücktritt gefordert

Im Fadenkreuz der Kritik steht derzeit Pedro von Eyken, der argentinische Botschafter in Haiti. Der Diplomat mit deutschen Wurzeln hatte am Tag des argentinischen Heeres auf seinem Twitter-Account geschrieben: „Als Sohn eines deutschen Offiziers des Zweiten Weltkriegs grüße ich das (argentinische) Heer an seinem Ehrentag.“ Die Bezugnahme auf die deutsche Wehrmacht, deren oberster Kriegsherr Adolf Hitler war, löste Empörung aus. Alejandro Amor, der Bürgerbeauftragte der Stadt Buenos Aires, forderte in einem Schreiben an Außenminister Jorge Faurie, dass von Eyken von seinem Posten entbunden werden müsse. Der in den Äußerungen enthaltene Vergleich zwischen der Armee des deutschen Diktator und dem Heer des argentinischen Unabhängigkeitshelden General San Martín sei eine Beleidigung für alle Argentinier. Amor folgerte weiter: „Der Vergleich verneint die Realität und das Ausmaß des Holocausts.“ Empört war auch Jorge Knoblovits. Der Vorsitzende des jüdischen Dachverbands DAIA verwies auf den „völkermörderischen Charakter“ der deutschen Armee. Von Eyken verteidigte sich mit dem Hinweis, nicht alle Wehrmachtsoffiziere seien Nazis gewesen.


Missbrauchsfälle

In Argentinien gab es in den vergangenen Jahrzehnten offenbar zahlreiche Verdachtsfälle von sexuellem Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche. Dies berichtet die Katholische Nachrichten-Agentur KNA unter Bezugnahme auf eine Recherche der Zeitung „La Nación“. Demnach habe es in den letzten 20 Jahren mindestens 63 entsprechende Anschuldigungen gegen katholische Geistliche gegeben. Das jüngste Opfer soll drei Jahre alt gewesen sein, betroffen gewesen seien neben Pfarreien auch Kinderheime, Schulen und Priesterseminare. 17 Anschuldigungen führten zu Verurteilungen, 22 Fälle sind Teil laufender Verfahren, 20 wurden nicht geahndet. Bislang gab es hierzulande keine umfassende Untersuchung, sei es durch die Justiz oder durch die Kirche. Nun erklärte Bischof Sergio Buenanueva (Córdoba), es habe ein „krankes System in der Kirche gegeben, dass die Missbrauchsfälle vertuschte“.


Frauenproteste

„Ciudad Verde“ (Grüne Stadt), der Marketing-Beiname für Buenos Aires nimmt mit den immer stärker werdenden feministischen Demos eine andere Bedeutung an, als die Stadtregierung ursprünglich im Sinn gehabt hat. Denn die grünen Halstücher waren auch beim fünften Protestzug gegen Gewalt an Frauen - Ni Una Menos (Nicht eine weniger) - am Montag wieder omnipräsent. Zusammen mit den lila Tüchern der links-feministischen Bewegung zogen die Teilnehmerinnen, wie bereits traditionell auch in diesem Jahr am 3. Juni, durch die Innenstadt. Die Zeitung „Clarín” berichtete von noch mehr Gruppierungen, die im Vergleich zu den früheren Protesten mitmachten. Gewalt gegen Frauen ist weiterhin ein großes Problem. Wie die Zeitung berichtete, stirbt seit 2008 unverändert im Schnitt alle 30 Stunden eine Frau an den Folgen männlicher Gewalt.


Gesetz bestätigt

Der oberste Gerichtshof der Nation hat am Mittwoch Gletscherschutzgesetz bestätigt. Es wies eine dagegen gerichtete Klage des kanadischen Bergbau-Riesen „Barrick Gold“ ab. Das Gesetz definiert, wo im Land Bergbau betrieben werden darf und wo nicht. „Barick Gold“, das sich bei seinen Bergbau-Projekten Pascua Lama und Veladero in San Juan betroffen sieht, hatte gefordert, die geografischen und morphologischen Begrenzungen neu zu definieren. Das Unternehmen wurde dabei von der Regierung der Provinz San Juan unterstützt. Der Gerichtshof vertrat aber die Meinung, dass „Barrick Gold“ durch das Gesetz nicht in seinen Rechten beeinträchtigt und dem Unternehmen kein Schaden zugefügt werde. Von dem Richterspruch sind landesweit 44 Bergbauvorhaben betroffen. Umweltschutzverbände feierten die Entscheidung.


Neue U-Bahn-Stationen

Buenos Aires - Im Wahlkampf macht es sich gut, öffentliche Bauten einzuweihen. So ließen es sich Hauptstadt-Bürgermeister Horacio Rodríguez Larreta und der nationale Verkehrsminister Guillermo Dietrich am Montag nicht nehmen, die Eröffnung von drei neuen Stationen der U-Bahn-Linie E vorzunehmen. Es war dies der Schlusspunkt einer 20-jährigen Planungs- und Bauzeit. Die nun fertiggestellte zwei Kilometer lange Erweiterung erstreckt sich zwischen der bisherigen Endstation „Bolívar“ an der Plaza de Mayo bis zur neuen Endstation Retiro. Dort hat die Linie E nun eine weitere Verbindung mit der Linie C, die zwischen Retiro und Constitución pendelt. In Retiro besteht zudem Anschluss an die Zuglinien „Mitre“, „San Martín“ und „Belgrano“, den Buquebus-Terminal sowie die rund 30 Buslinien, die den Metrobus del Bajo nutzen. An der Linie E sind des Weiteren die neuen Stationen „Catalinas“ und „Correo Central“ entstanden. An Letzterer besteht eine Umsteigemöglichkeit zur Linie B. Die Linie E verbindet in ihrer ganzen Länge nun die Stadtteile Flores und Retiro. Um die gesamte Strecke abzufahren, braucht man 32 Minuten. (AT/mc/mse)

0 vistas

© 2019 Tageblatt - All rights reserved

  • White Twitter Icon
  • White Facebook Icon
  • White Instagram Icon