• Argentinisches Tageblatt

Die Struktur der argentinischen Landwirtschaft

Das Statistische Amt hat die Ergebnisse des landwirtschaftlichen Zensus bekanntgegeben, der Mitte 2018 durchgeführt wurde. Der vorangehende Zensus fand 2008 statt, war jedoch unvollständig, weil damals der Konflikt zwischen der Regierung von Cristina Kirchner und der Landwirtschaft aufgekommen war, der störend wirkte. Der vorangehende Zensus, von 2002, war hingegen vollständig. Dieses Mal haben 3.500 Personen am Zensus gearbeitet.


Die Zahl der Betriebe

Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe lag bei 250.881, von denen 222.201 genau festgesetzte Flächen aufwiesen. Es waren 25% weniger als 2002. Im Jahr 1988 gab es noch 378.357 landwirtschaftliche Betriebe, so dass in 30 Jahren ein Rückgang von 41,2% stattgefunden hat. Die durchschnittliche Fläche stieg dabei von 550 ha auf 690 ha. Der Durchschnitt besagt jedoch sehr wenig, da diese Fläche in der zentralen Gegend der feuchten Pampa einem Landwirt den Lebensunterhalt bieten kann, während in Patagonien Betriebe unter 5.000 ha nur ausnahmsweise wirtschaftlich sind.

Die Entwicklung war jedoch bei den einzelnen Provinzen unterschiedlich, mit einigen, die mehr Betriebe aufweisen. Von der gesamten Fläche waren 2018 157.400 ha produktiv eingesetzt. Der Rest der Fläche (93.481 ha) entfällt auf natürliche Wälder, extrem trockene oder bergige Gegenden. Gelegentlich gehen produktive Betriebe auf diese nicht genutzten Flächen über, wobei dann oft die äußere Grenze unbestimmt bleibt.

Die Zahl der Landbesitzer ist viel höher, da viele Betriebe mehrere Besitzer haben, wobei Großbetriebe in der Regel Aktiengesellschaften sind, mit vielen Aktionären. Da in Argentinien kein Majorat besteht, wie in Europa (wo ein Landbetrieb auf den ältesten Sohn übergeht), sondern das normale Erbrecht gilt, schreitet die Aufteilung des Landbesitzes ständig voran. In einigen Fällen wird das Land nach dem Tod des Besitzers unter den Erben aufgeteilt, in anderen nur der Besitz des Kapitals der Gesellschaft.


Verwendung des Landes

37,4 Mio. ha wurden mit Getreide, Ölsaaten, Futterpflanzen, Gemüse und Obst gesät. 2002 waren es 38 Mio. ha, so dass die Veränderung minimal war. Doch innerhalb der Gesamtfläche hat seit 2002 die Fläche abgenommen, die für Weiden bestimmt ist, während die mit Getreide und Ölsaaten gesäte Fläche zugenommen hat, bei Getreide von 9,9 auf 11,3 Mio. ha und bei Ölsaaten von 12,9 auf 14,3 Mio. ha. Die mit künstlichen Weiden bedeckte Fläche ging von 7,8 auf 3,8 Mio. ha. zurück. Hier kommt der Aufschwung der “feed lots” zum Ausdruck, mit denen die Rinder in Ställen und nicht auf dem Land gemästet werden.

130.803 ha werden für Rinderzucht und -mästung eingesetzt, wobei dies auch oft auf Flächen geschieht, auf denen die Ernte von Getreide und Ölsaaten beendet wurde. Zum 30.6.18 wurden 40,41 Mio. Rinder festgestellt. 2002 waren es 48,5 Mio. Rinder. Indessen sinkt der Rinderbestand im Juni aus saisonalen Gründen, weil Land für die Neugeburten im Frühling freigesetzt wird. Der Bestand wird jetzt gemäß jüngsten offiziellen Angaben auf 53,94 Mio. Rinder berechnet.

Die Zahl der Schafe betrug 8,62 Mio., die der Schweine 3,6 Mio., der Ziegen 2,57 Mio. und der Pferde 908.288. Der Schafbestand nimmt seit Jahrzehnten schon stark ab, weil der Preis für Wolle auf dem Weltmarkt stark wegen Übergang auf Kunststoffe (im letzten Jahrzehnt besonders auf “Polar-Stoffe”) zurückgegangen ist. Der Übergang von Schafzucht für Fleischproduktion schreitet nur langsam voran, weil er mit einer Änderung der Rassen einher geht, auf solche mit mehr Fleisch und Fett und weniger Wolle. Der Bestand an Pferden nimmt ständig ab, weil das Pferd durch die “Pick-up” und den Traktor ersetzt wurde. Außerdem benötigen die Pferde viel Land. Hingegen nimmt die Schweinezucht rasant zu, die nur geringe Landflächen beansprucht und sehr intensiv ist. In den letzten Jahrzehnten haben sich neue Großbetriebe gebildet, und die bestehenden haben sich ausgeweitet und modernisiert.


Landbesitz und Pachten

213,2 Mio. ha werden von den Besitzern betrieben, und 29,3 Mio. ha werden verpachtet. Der Anteil der von Besitzer verwalteten Betrieben lag bei 69%, gegen 74% 2002, und der von verpachteten lag bei 19%, gegen 12% 2002.

Die Zunahme der Pachten hängt mit der Aufteilung des landwirtschaftlichen Besitzes zusammen. Landwirte mit kleineren Flächen haben gegenwärtig verschiedene Möglichkeiten: 1. Sie können das Land selber bearbeiten, und dabei mehr auf Gemüseanbau u.dgl. übergehen, bei dem keine großen Flächen erforderlich sind. 2. Sie können Unternehmen für die Aussaat und die Ernte verpflichten, die mit großen Maschinen ausgestattet sind und sehr wirtschaftlich arbeiten. 3. Sie können ihr Land verpachten; 4. Sie können das Land in einen “Pool” eingeben, so dass es im Rahmen eines Großbetriebes bearbeitet wird und der Gewinn dann gemäß der Fläche aufgeteilt wird, die jeder Landbesitzer beigetragen hat. Die Lage ist grundsätzlich anders als vor einem Jahrhundert, als viele Großgrundbesitzer ihr Land an viele Landwirte pachteten, die es dann bearbeiteten, mit viel persönlichem Einsatz und kaum mit Landmaschinen. Sie waren eigentlich Landarbeiter. Dabei entstand ein sozialer Gegensatz, und es gab auch kritische Situationen, wenn die Pächter nicht zahlen konnten und das gepachtete Land verlassen mussten. Diese Pächter wurden vom Verband “Federación Agraria Argentina” vertreten.

Auf den landwirtschaftlichen Betrieben wohnten 2018 732.986 Personen, davon 420.704 als ständige Landarbeiter. In 34% der Betriebe werden Computer eingesetzt, und 35% haben Zugang zu Internet. 35% der Betriebe verpflichteten unabhängige Fachleute für Beratungsdienste.


Der Maschinenbestand

Insgesamt wurden 2018 200.069 Traktoren, 23.475 Erntemaschinen,74.956 Saatmaschinen und 37.778 Maschinen für die Zubereitung von Futtermitteln festgestellt. Was nicht bekanntgegeben, oder nicht erhoben wurde, ist das Ausmaß des Übergangs auf stärkere Traktoren (von über 200 PS, gegen früher knapp über 50 PS) und größere Landmaschinen, so dass die Kapazität, gemessen an der möglichen Leistung stark zugenommen hat. Das spart Kosten und erlaubt, schneller zu säen und zu ernten und somit günstige Klimaperioden besser zu nutzen.

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