• Argentinisches Tageblatt

Die große Liebesparade

Hunderttausende bei der 28. Parade für sexuelle Freiheit und Diversität

Von Catharina Luisa Deege

Originelle Outfits bei der Parade. (Foto: Rennecke)

Buenos Aires (AT) - Die Plaza de Mayo ist gefüllt am Samstagnachmittag. Unter der Erde, in den Gängen der U-Bahnstation Catedral, deutet sich schon an, dass auf dem wohl berühmtesten Platz der argentinischen Hauptstadt etwas ganz Besonderes vor sich geht. Regenbogenarmbänder, außergewöhnliche Make-Ups und auffällige Outfits lassen das Fest der Diversität und des Stolzes der LGBT-Community (Lesbisch-Schwul-Bisexuell-Transsexuelle Gemeinschaft) erahnen. Steigt man langsam die Treppe der Unterführung hoch, so wird die Musik, die aus den Umzugswagen klingt, mit jeder Stufe etwas lauter.

Am Samstag wurde getanzt, gefeiert und vor allem: geliebt. Die Parade „Marcha del Orgullo“, die sich über die gesamte Avenida de Mayo erstreckte, wurde gegen 16 Uhr in Gang gesetzt und fand erst in den späten Abendstunden ihr Ende. Mehrere Wagen verschiedenster Gruppierungen zogen mit dicken Lautsprechern an den kunterbunten Menschenmassen vorbei. Von „Frente izquierda“, „Patria Grande“ bishin zur „Juventud Radical“ waren Tausende lesbische, schwule, bi-, trans-, inter-, pan-, und asexuelle Mitglieder politischer Vereinigungen vertreten.

Unter den ebenfalls nicht gerade in geringem Maße anwesenden Travestien befand sich auch der Sohn des zukünftigen Präsidenten Alberto Fernández, Estanislao Fernández. Kein Wunder, denn sein Vater plädierte bereits bei seiner Siegesrede am Wahlabend für „ein Argentinien mit mehr Rechten, in dem Liebe und Gleichheit herrschen“.

Die Organisatoren gingen von 350.000 Teilnehmern und Teilnehmerinnen aus. 350.000, die für sexuelle Diversität und Freiheit einstehen. Viele Anwesende machten sich dazu ebenfalls mit dem grünen „Aborto Legal“-Tuch für die Legalisierung der Abtreibung und die Rechte der Frauen stark. 350.000, die anhand von Plakaten, riesigen Regenbogenflaggen und anderen eindrucksvoll-berührenden Aktionen ihre Stimmen vereinten, um sich gemeinsam im Chor für die Gleichberechtigung derer laut machten, die immer noch aufgrund ihrer sexuellen Orientierung unterdrückt werden.

Die aktuelle Teilnehmerzahl ist vor allem im Vergleich zur ersten „Marcha de Orgullo“ beeindruckend, waren doch 1992 lediglich 300 Personen anwesend, um gegen die Diskriminierung der Homosexuellen zu kämpfen. Da viele staatliche Institutionen in Argentinien immer noch eng mit der katholischen Kirche zusammenarbeiten, bekommt die Gegenbewegung der Feministinnen und der LGBT-Gemeinschaft jedoch mit jedem Jahr mehr Zuspruch und Unterstützung. Übersehen und überhören kann man die jährlichen Pride-Umzüge also nicht mehr - und das soll auch so bleiben.

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