Die Dollarinflation und ihre Folgen


Die Inflation in den USA hat sich im März von hohem Niveau aus weiter beschleunigt. Die Verbraucherpreise stiegen gegenüber dem Vorjahresmonat um 8,5%. Das ist die höchste Inflationsrate seit Ende 1981, Die stärksten Preistreiber waren Kraftstoffe, Mieten und Lebensmittel. Allein die Benzinpreise stiegen im Monatsvergleich um 18,3% und standen damit für mehr als die Hälfte des Anstiegs. Die Preise anderer Energieträger erhöhten sich ebenfalls deutlich. Die Kernpreise ohne Energie und Nahrungsmittel stiegen im Jahresvergleich um 6,5% und im Monatsvergleich um 0,3 Prozent.

Das Inflationsziel der US-Notenbank Fed von 2% wird schon seit längerem deutlich überschritten. Die Fed hat bereits durchblicken lassen, ihren geldpolitischen Kurs erheblich zu verschärfen. An den Finanzmärkten werden allein für dieses Jahr Zinsanhebungen von mehr als zwei Prozentpunkten erwartet. Außerdem will die Fed ihre billionenschwere Bilanz bald zügig abschmelzen.

Der Höhenflug des Defizites der US-Bundestaatsfinanzen dürfte noch nicht beendet sein. Nur ein unmittelbarer Rückgang der internationalen Erdölpreise könnte den Index positiv beeinflussen. Dieser Rückgang, der nicht mit den normalen Schwankungen zu verwechseln ist, steht vorerst nicht in Aussicht, nachdem sich das OPEC-Kartell auf die Beibehaltung hoher Preise und beschränkte Lieferungen geeinigt hat. Die USA haben ihren Einfluss auf Saudi-Arabien nicht geltend gemacht, das ohne weiteres viel mehr Erdöl fördern und liefern könnte. Die EU will zudem ihre Erdölkäufe von Russland beschränken, was eine höhere Nachfrage auf dem Weltmarkt bedeutet und dafür sorgt, die Preise hoch zu halten.

Abgesehen vom Benzin und Dieselöl ist auch der Preis für Getreide und Ölsaat gestiegen, was sich auf allerlei Nahrungsmittel überträgt. In den USA besteht nicht nur Vollbeschäftigung, sondern es fehlen Arbeitskräfte, und die Löhne steigen, und das überträgt sich ganz oder zum Teil auf die Preise. Außerdem ist die Geldversorgung der US-Wirtschaft weiterhin anormal hoch, so dass von der monetären Seite kein Druck auf die Preise besteht. Die US-Notenbank (Federal Reserve) leitet einen härteren Kurs sehr langsam ein, weil eine Rezession auf alle Fälle vermieden werden soll. Was der Fed-Präsident Paul Volcker 1981 vollzogen hat, als er die Dollarzinsen auf über 20% trieb und einer weltweite Rezession auslöste, will man auf keinen Fall wiederholen.

Zusätzlich kommt noch die Wirkung der stark erhöhten Frachtraten und die Knappheit an Halbleitern u.a. kritischen Produkten, was die Preise in die Höhe getrieben hat. Man kann somit damit rechnen, dass der Index der Konsumentenpreise der Vereinigten Staaten in den kommenden Monaten eine jährliche Zunahme von 10% und eventuell etwas mehr ausweist, bis die Normalisierung wieder einsetzt.

Diese Dollarinflation hat weltweite Folgen. Die Dollarschulden, die viele Länder aufweisen, darunter auch Argentinien, werden entwertet und sind für die Schuldner erträglicher. In Argentinien wird das in Dollar berechnete Bruttoinlandsprodukt entsprechend der US-Inflation höher werden, und die Staatsschuld in Dollar somit einen geringeren Prozentsatz auf das BIP ergeben. Eine Dollarinflation von jetzt 8,5% jährlich bedeutet somit, dass die argentinische Staatsschuld real um diesen Prozentsatz geringer ist. Etwa wie wenn 8,5% der Schuld, gleicht ca. U$s 25 Mrd. gezahlt worden wären.

Die US-Inflation wirkt sich auch auf den Außenhandel aus, mit höheren Preisen für Exportprodukte und einer besseren Konkurrenzfähigkeit bei Importprodukten, sofern sich die interne US-Inflation nicht auf den Wechselkurs überträgt, und dieser dann die relativen Preise von Export- und Importprodukten wieder wie vorher herstellt. Auch bei privaten Schulden u.a. Geschäften verändert sich die Lage. Das ist jedoch ein Prozess, der nicht von heute auf morgen geschieht. (dpa & jea/AT)


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