• Argentinisches Tageblatt

Der Strohmann

Als Strohmann (auf spanisch testaferro) wird jemand bezeichnet, der Besitz auf seinen Namen hat, der jedoch in Wirklichkeit einem Anderen gehört. In der Rechtsordnung ist dies nicht vorgesehen, weder in Argentinien noch sonstwo, so dass der Strohmann als echter Besitzer auftritt und der wirkliche Besitzer auf den guten Willen des Strohmannes angewiesen ist. Eventuell kann es einen Vertrag zwischen beiden geben, der jedoch eine zweifelhafte Gültigkeit hat, vor allem wenn der wirkliche Besitzer des Vermögens den Vertrag beim Steueramt nicht angegeben hat. Es gibt weltweit unzählige Fälle, in denen ein Strohmann das Vermögen, das auf seinen Namen lautet, schließlich behalten hat, vor allem, wenn der echte Besitzer gestorben ist und die Erben nicht oder nur unvollständig über den Fall unterrichtet sind, oder eine konfliktive Beziehung zum Strohmann haben.

Es besteht nicht der geringste Zweifel, dass Lázaro Báez Strohmann von Néstor Kirchner war. Er war ein kleiner Stift in der Bank von Santa Cruz, der dann die Beziehung zu Néstor Kirchner aufnahm, schon als dieser Gouverneur war, und diesem über die Kredite der Bank und die Kunden Bericht erstattete. Als NK Präsident wurde, hat er sofort eine Baufirma, Austral Construcciones, gegründet, ohne über Kapital zu verfügen. Denn er war damals bettelarm. Dennoch erhielt dieses Unternehmen dann den allergrößten Teil der Zuteilung des Baus von Straßen, die in der Provinz gebaut wurden. Und es waren sehr viele, wobei die meisten unnötig waren und Báez viele auch nicht beendet hat. Rein formell wäre dies nicht möglich gewesen, da ein Bauunternehmen nur öffentliche Aufträge im Verhältnis zum Umfang der Arbeiten erhält, die es schon vorher vollzogen hat. Ein Sprung, wie der von Báez, ist formell nicht möglich. Doch Nestor Kirchner hielt sich auch hier nicht an Formalitäten. Außerdem wurde auf Anordnung von Néstor Kirchner das bisherige Zahlungssystem geändert, so dass Báez Vorschüsse erhielt, ohne die er die Arbeit bei den öffentlichen Aufträgen nicht hätte beginnen können, weil er kein Kapital besaß. Außerdem erhielt Báez hohe Kredite der Banco Nación, für die er gewiss nicht qualifizierte. Später hat Báez dann auch die Bauunternehmen Gotti und Kank & Costilla übernommen, die in der Provinz Santa Cruz führend waren, deren Besitzer verkaufen mussten, weil sie keine Aufträge der Provinzregierung und der Bundesregierung erhielten. Er hatte somit in der Provinz keine Konkurrenz.

In 11 Jahren erhielt Báez 52 Bauaufträge, meistens für Straßen. An diesen Aufträgen hat er so viel verdient, dass er Landgüter und alles mögliche kaufen konnte. Sein Vermögen wurde schließlich von den gerichtlich verpflichteten Fachleuten auf umgerechnet über u$s 200 Mio. berechnet.

Es besteht nicht der geringste Zweifel, das Báez ein Strohmann von Néstor Kirchner war. Denn sonst hätte es keinen Sinn gehabt, dass die staatlichen Ämter, die für Zuteilung von Infrastrukturprojekten zuständig sind, an erster Stelle das Straßenbauamt “Vialidad Nacional”, ihn so unverschämt begünstigten. Dennoch gibt es formell keinen Beweis, eben weil die Rechtsordnung am Thema vorbeigeht.

War er nur ein Strohmann von Néstor Kirchner, dann bedeutet das, dass er ab dessen Tod, im Oktober 2010, einer von Cristina Fernández de Kirchner, ihrem Sohn Máximo und ihrer Tochter Florencias sein muss. Doch das war bisher nicht geklärt worden. Jetzt wurde eine telefonische Abhörung bekannt, die ein Richter angeordnet hatte, in der Lázaro Baez sagt, “dass alles was er hat, einer Person gehört, die dort oben ist“. Es besteht kein Zweifel, dass sich dies auf Néstor Kirchner bezieht. Die Zeitung Clarín berichtet, dass diese telefonische Abhörung von den Richtern, die für den Prozess verantwortlich sind, der gegen Báez wegen seiner illegalen oder korrupten Bereicherung läuft, als Beweis dafür genommen wird, dass sein Vermögen Cristina Kirchner gehört. Was im Grunde selbstverständlich ist. Báez hat dieses Telefongespräch zunächst dementiert, aber es besteht eben, und er kann nicht leugnen, dass er es war, der sprach, und nicht jemand anderes.

Báez muss jetzt vor Gericht bestätigen, was er telefonisch gesagt hat. Tut er es, dann kann zweierlei geschehen: entweder Cristina und ihre Kinder geben zu, dass das Báez-Vermögen ihnen gehört, oder sie verneinen es. Im ersten Fall haben diese Erben von Néstor Kirchner zunächst ein steuerliches Problem, weil sie dies nicht angegeben und die Vermögenssteuer u.a. Steuern nicht gezahlt haben. Dann wäre auch die Vermögenserklärung von Cristina, die Richter Oyarbide für richtig erklärt hat, obwohl sie hinten und vorne nicht stimmte, noch unvollständiger, was die Wiederaufnahme des Prozesses wegen illegaler Bereicherung von Cristina Kirchner noch mehr rechtfertigt.

Wenn Cristina jedoch verneint, die wirkliche Besitzerin des Báez-Vermögens zu sein, dann hätte dieses Vermögen keinen Besitzer, so dass es dem Staat gehört. Dann könnte der Staat die Landgüter von Báez in Santa Cruz, seine weiteren Immobilien, seine Automobile und was er sonst noch als Strohmann ausweist, direkt übernehmen und verkaufen. Auch wenn die “Estancias” in Santa Cruz nicht viel wert sind, dürfte doch ein ansehnlicher Betrag zusammenkommen.

Báez kann zwar seine telefonische Erklärung nicht zurückziehen, aber er dürfte versuchen, sie so auszulegen, dass ihm Néstor Kirchner nur geholfen hat, weil er ein guter Freund war. Allerdings war es eine Freundschaft, die erst entstand, als Lázaro Báez begann Geschäfte in großem Stil zu machen. Was immer Báez jetzt erzählt ist unglaubhaft und, wenn er nicht zugibt, der Strohmann der Kirchners zu sein, muss er vom Richter als Lügner eingestuft werden, was seine gerichtliche Lage verschlechtert. Das sollte ihm von vornherein klar gemacht werden.

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