• Argentinisches Tageblatt

Der politische Pilotenstreik

Flugverkehr in Ezeiza und Aereoparque lahmgelegt

Buenos Aires (AT/jea) - Am Freitag der Vorwoche haben die Gewerkschaften von Aerolineas Argentinas ganz plötzlich das Luftfahrtpersonal zu einer Protestversammlung gegen die Luftfahrtpolitik der Regierung aufgerufen. Daraufhin mussten um die fünfzig Flüge eingestellt werden, und ca 5000 Passagiere mussten stundenlang in den Flughäfen Ezeiza und Aeroparque warten, oder auf ihren Flug verzichten. Am Freitag gab es sehr viele Passagiere, weil ein langes Wochenende bevorstand, das bis zum Mittwoch reicht. Die Gewerkschafter haben für ihre Versammlung einen Zeitpunkt gewählt, der einen besonders großen Schaden verursacht.

Es war formell kein Streik, aber effektiv doch einer, der illegal war, weil er nicht in einer Versammlung des Personals verfügt und vorzeitig angekündigt worden war. Außerdem war er nicht durch einen Arbeitskonflikt bedingt. Die Regierung ist somit befugt, gegen die Gewerkschaften vorzugehen, und Verkehrsminister Guillermo Dietrich hat in diesem Sinn schon harte Maßnahmen angekündigt. Eigentlich müsste diesen Gewerkschaften die sogenannte “Gewerkschaftspersönlichkeit” entzogen werden, die der Staat ihnen gewährt, damit die Unternehmen den Gewerkschaftsbeitrag der Belegschaft abziehen und dann die Gewerkschaften übertragen muss. Das ist jedoch bisher nicht geschehen. In einer Wahlperiode ist es für die Regierung schwierig, hart vorzugehen.

Im Grunde müsste der Arbeitsvertrag des Luftfahrtpersonals von Aerolineas gründlich revidiert werden, da er viele wirklich unhaltbare Bestimmungen enthält, wie die, dass die Arbeitszeit ab Antritt der Fahrt von ihrem Heim zum Flugplatz berechnet wird, wobei diese mit einem von Aerolineas bezahlten Taxi und nicht einem öffentlichen Verkehrsmittel erfolgt. Ebenfalls sind die Aufenthalte im Ausland bei internationalen Flügen anormal lang, wobei auch 5-Sternehotels verwendet werden, was allgemein nicht üblich ist.

Es ging am Freitag um einen Protest gegen die Zulassung anderer Airlines, vor allem der sogenannten “low cost”, und auch gegen die Zulassung unbeschränkter Flüge zwischen Argentinien und den Vereinigten Staaten. Die Gewerkschafter wittern dahinter ein Manöver zur Zerstörung von Aerolineas Argentinas, obwohl dieses Unternehmen rein staatlich ist und auch dieses Jahr eine Subvention erhält, die über eine Millionen Dollar pro Tag ausmacht, zu der noch Steuervergünstigungen u.a Vorteile hinzukommen. Bei diesen Motivationen handelt es sich unmissverständlich um einen politische und somit illegalen Streik.

Im Grunde besteht ein unlauterer Wettbewerb von Aerolineas gegenüber den anderen Fluggesellschaften, die unter schwierigen Bedingungen tätig sind. Die kolumbianische Avianca hat schon aufgegeben, und andere Unternehmen weisen hohe Verluste auf. Sie machen ihr Bestehen u.a. von der Genehmigung des sogenannten “interchange-Systems” abhängig, das in einem Pilotenaustausch besteht, so dass Piloten, die irgendwohin fliegen, beim Rückflug in einem anderen Flugzeug eingesetzt werden können, eventuell auch von einer anderen Airline. Doch auch das wird von den Gewerkschaften von Aerolineas schroff angelehnt. Sie wollen im Grunde ein Monopol von Aerolineas, mit einer hohen Subvention, die auch all die Exzesse beim Arbeitsvertrag und bedeutende Gehaltserhöhungen deckt. Doch das ist nicht vereinbar mit der schwierigen Lage der Staatsfinanzen und der Notwendigkeit der Ausmerzung des Staatsdefizits.

Die Präsenz der neuen Flugunternehmen hat zu einer Zunahme der internen Flüge geführt, wobei Personen, die sonst im Omnibus reisten, auf das Flugzeug übergegangen sind, was die Omnibusunternehmen schon spüren. Am Freitag war der Flugverkehr auf dem Flugplatz “El Palomar”, den Flybondi und Norwegian verwenden, normal. Diese Unternehmen haben eigene Arbeitsverträge und die Belegschaft untersteht nicht den Gewerkschaften von Aerolineas, die ständig Krach machen.

Der Streik ist stark politisch bedingt, wobei man den Kircherismus dahinter vermutet, der der Macri-Regierung Schwierigkeiten machen will. Einer dieser Gewerkschafter hat sich auch politisch geäußert, und erklärt, dass sie das baldige Ende der Macri-Regierung herbeiführen will. Womit er sein illegales Vorgehen offen zugegeben hat.

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