• Argentinisches Tageblatt

Der konfliktive BIP-Coupon

Die Regierung hat die Klage des Geierfonds Aureliuns zurückgewiesen, die sich auf einen Trick bezog, den die argentinische Regierung vollzogen haben soll, als sie die Berechnung der Zunahme des Bruttoinlandsproduktes geändert hat, um eine Zahlung zu vermeiden. Dieser Fonds hatte Wachstumscoupons gekauft, die anlässlich der Umschuldung von 2005 ausgegeben worden waren, bei denen eine Zahlung erfolgte, wenn das BIP in einem Jahr über 3,22% stieg. Bei der ursprünglichen Berechnung, auf der Basis des Jahres 2003, hätte das Jahr 2014 eine Zunahme von 3,5% ausgewiesen, was eine Zahlung von u$s 3 Mrd. bedeutet hätte. Doch Wirtschaftsminister Axel Kicillof verfügte nach Bekanntgabe dieser Tatsache eine Änderung der Berechnungsbasis, und gelangte dabei auf eine Zunahme von 2,8%, sodass keine Zahlung erfolgte.

Der Fonds Aurelius vertritt die Meinung, dass die nachträgliche Änderung der Methodologie nicht zulässig ist. Die argentinische Regierung hat jetzt das Argument vom ehemaligen Wirtschaftsminister Axel Kicillof beim zuständigen US-Gericht vorgebracht, was merkwürdig erscheint. Kicillof hätte die Änderung der Berechnung des BIP lange vorher verfügen müssen, was er versäumt hat. Die übliche Schlamperei der Kirchner-Regierungen.

Der Fall zeigt erneut, dass dieser Wachstumscoupon (den Wirtschaftsminister Lavagna und sein Finanzsekretär Nielsen 2005 erfunden haben), ein großer Fehler war. Die Gläubiger haben den Coupon nicht als ein Vorteil empfunden, und viele haben ihr zu einem Schleuderpreis verkauft. Ohnehin ist die Berechnung des BIP sehr ungenau. Angenommen, jetzt würde eine Neuberechnung des BIP ab 2000 erfolgen und es ergäbe sich dabei eine Zunahme, die weit über der bisher ausgewiesenen liegt, wie es nach unserer Ansicht der Fall wäre, würde dies den Staat mehrere Milliarden Dollar kosten. Somit muss von dieser Neuberechnung, die Argentinien in einem besseren Licht erscheinen ließe, Abstand genommen werden. Es wäre auf alle Fälle vernünftig, wenn das Schatzamt diese Coupons so weit wie möglich auf dem Markt kauft, und sich danach mit den restlichen Inhabern über eine Abfindung einigt. Auch dieser Konflikt gehört zur Kirchner-Erbschaft.

Es verbleibt noch ein potentieller Konflikt mit den Staatstiteln in Pesos, die mit dem CER-Index berichtigt werden, und vielen Gläubigern anlässlich der Umschuldung übergeben wurden. Der CER, der im Wesen den Index der Konsumentenpreise wiedergibt, blieb somit ab Januar 2007, hinter der effektiven Inflation zurück, wie sie mehrere private Wirtschaftler berechneten, wobei das Ergebnis dann als Durchschnitt von Oppositionsdeputierten im sogenannten “Kongressindex” aufgenommen wurde. Handelssekretär Guillermo Moreno hatte den Index der Konsumentenpreise ab 2007 grob gefälscht (was formell ein Verbrechen ist), so dass die Zunahmen viel niedriger als die des Kongressindices waren. Ab Mitte 2016 wurde der Index der Konsumentenpreise wieder richtig berechnet, aber die vorangehende Periode von 9 Jahren und 6 Monaten wurde nicht korrigiert. Wenn jemand jetzt den Sprung zwischen dem alten und dem neuen Index auf die vorangehenden Jahre verteilt, dann ergibt sich eine gewaltige Zunahme, die sich automatisch auf den CER-Index überträgt. Die Inhaber dieser Staatspapiere mit CER-Berichtigung könnten dann eine hohe Zahlung vom Staat fordern. Bisher haben sie es jedoch unbegreiflicherweise nicht getan.

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