• Argentinisches Tageblatt

Der Klimawandel und Argentinien

Von Juan E. Alemann

Die Veränderung des Klimas unseres Planeten kommt immer deutlicher in Erscheinung und droht, etwa in einem Jahrzehnt in eine Katastrophe von ungeahntem Ausmaß auszuarten. Extreme Dürren und anormaler Regen, mit Überschwemmungen, heiße Sommer und kalte Winter, und dazu noch wilde Stürme mit Zerstörung von ganzen Städten, all das erleben wir immer häufiger. Doch das schlimmste kommt noch: die Erhöhung des Meeresspiegels um einen Meter, und danach eventuell bis zu fünf. Gemäß einer Studie der Weltbank wird dies eine schwierige Lage bei 70% der europäischen Städte schaffen., und auch in vielen der Vereinigten Staaten, wie New York, Baltimore, Miami, New Orleans und Charleston.

Es ist höchste Zeit, und eigentlich schon zu spät, um energisch vorzugehen und die größten Verschmutzungsquellen abzuschaffen, an erster Stelle die mit Kohle betriebenen Wärmekraftwerke, die heute weltweit 38% des erzeugten Stromes liefern. Zwischen 1971 und 1981 ist der weltweite Ausstoß von Kohllendioxid (CO2) um 137% gestiegen. Und dabei hat die durchschnittliche Temperatur des Planeten ständig zugenommen, was in den oben genannten Phänomenen zum Ausdruck kommt.

Das Thema wird zunehmend ernst genommen, aber es geschieht viel zu wenig. Das Problem, das sich jetzt stellt, besteht darin, dass die Bekämpfung des Klimawandels das Wirtschaftswachstum hemmt, und sogar eine Verringerung des Bruttoinlandsproduktes herbeiführen kann, mit Verlust von Arbeitsplätzen.

Man fragt sich dabei, wie weit dadurch die Marktwirtschaft betroffen wird. Die Antwort der Experten lautet, dass zunächst die richtigen Signale gegeben werden müssen, z.B. mit Steuern auf Tätigkeiten, die einen hohen CO2-Ausstoss mit sich bringen, damit sich die Marktteilnehmer entsprechend verhalten. Und dann muss es auch Verbote geben. Aber das wirtschaftliche System als solches kann weiter funktionieren wie bisher. Das jüngste deutsche Gesetzesprojekt geht in diese Richtung.

Der Übergang der Energieerzeugung von Kohle, dem weitaus größten Umweltverschmutzer, und dann auch von Erdöl und Gas, auf saubere Quellen (Wasserkraftwerke, Windkraftwerke, Solaranlagen) ist mühsam und kostspielig und stellt in einigen Fällen auch das Problem der Speicherung. Außerdem sind die Möglichkeiten für diese Energiegewinnung in vielen Ländern sehr beschränkt, weil es keine Möglichkeiten für Wasserkraftwerke und wenig Wind und Sonne gibt. Das ist in Argentinien zum Glück nicht der Fall. Die Möglichkeiten für saubere Energiegewinnung sind, im Gegenteil, sehr groß.

Der Übergang von Automobilen, die mit Benzin oder Dieselöl angetrieben werden, auf elektrischen Antrieb, hat besonders dann Sinn, wenn saubere Elektrizität in ausreichenden Ausmaß produziert wird, wie in Norwegen. Doch auch sonst ist der CO2-Ausstoss bei einem Wärmekraftwerk geringer als bei den vielen Automobilen mit Verbrennungsmotoren, die die entsprechende Leistung liefern.

In Argentinien besteht das Problem des Klimawandels ebenfalls, weil der Planet Erde eine Einheit ist, aber die öffentliche Meinung und die Politik verdrängen es auf einen unteren Platz. Dabei spüren auch wir die klimatischen Extreme immer mehr. Doch wenn der Meeresspiegel um einen Meter oder mehr steigt, dann haben alle Küstenstädte ein riesiges Problem, angefangen mit Buenos Aires. Ein höherer Meerespegel bedeutet auch einen höheren des Río de la Plata und der Flüsse Paraná und Uruguay, so dass auch die Städte an deren Küsten betroffen werden.

Weltweit trägt Argentinien kaum zum CO2-Austoss bei. Der größte Luftverschmutzer ist bei weitem China, wo enorm viel Kohle bei der Energieerzeugung eingesetzt wird, gefolgt von den Vereinigten Staaten und der EU, die insgesamt weit mehr als die Hälfte des CO2 ausstoßen. Argentinien verwendet keine Kohle für Kraftwerke, sondern nur für Hochöfen. Und das ist wenig. Ein symbolischer Beitrag zum Ausgang von der Kohle wäre die Schließung des Kohlenbergwerkes Río Turbio, in Santa Cruz, das ohnehin überhaupt keinen Sinn hat und eine kontinuierliche Verschwendung öffentlicher Gelder darstellt. Das Kohlenkraftwerk, das dort errichtet wurde und immer noch nicht fertig ist (obwohl es Cristina im Oktober 2015 feierlich eingeweiht hat) muss abmontiert, auf Gas umgestellt und woanders montiert werden. All das hätte auch eine Signalwirkung auf die große Welt, und erlaubt uns, von den großen Verschmutzern mehr zu fordern.

Auch wenn die Wasserkraftwerke in Argentinien einen großen Anteil an der Stromerzeugung haben, wird der größte Teil des Stromkonsums mit Wärmekraftwerken gedeckt, die Gas und gelegentlich auch Heizöl oder Dieselöl verwenden. Hier ist der CO2-Ausstoss viel geringer als bei Kohle, aber besteht dennoch. Die Erzeugung sauberer elektrischer Energie schreitet voran, vor allem mit Windkraftwerken und Solaranlagen. Auch beim Ausbau der bestehenden Möglichkeiten für neue Wasserkraftwerke gibt es Fortschritte, die jedoch gering sind. Dabei bestehen noch viele Möglichkeiten für Wasserkraftwerke. Das Problem ist bei all diese sauberen Energiequellen, dass sie hohe Kapitalinvestitionen erfordern, ganz besonders bei Windanlagen, in denen das Kapital pro MW besonders hoch ist. Hierzu sei bemerkt, dass die Investition pro MW in den letzten Jahrzehnten dank technologischem Fortschritt, zu dem Deutschland an erster Stelle beigetragen hat, halbiert wurde. Argentinien verfügt nicht über das notwendige Kapital und erhält es auch in ungenügendem Ausmaß von der Weltbank, der interamerikanischen Entwicklungsbank u.a. Banken. Somit muss beim Energiekonsum auch gespart werden, was jetzt schon der Fall ist, mit LED-Leuchtkörpern, sparsamen Eisschränken und noch viel. mehr. Doch eine Haltung der Bevölkerung und der Unternehmen in diesem Sinn setzt auch relativ hohe Tarife voraus. Die Erhöhung des Stromtarifs, weit über die Inflation hinaus, die die Macri-Regierung vollzogen hat, hängt nicht nur mit den Staatsfinanzen zusammen, die die hohen Subventionen nicht vertragen, die vor 2016 bestanden, sondern mit der Notwendigkeit eines sparsamen Konsums als Beitrag zur Politik der Behinderung des Klimawandels.

Die extremen Dürren und Regenfälle haben eine verheerende Wirkung auf die argentinische Wirtschaft, die sie dennoch bisher recht gut ertragen hat. Die Dürre von 2018, angeblich die schlimmste in über einem halben Jahrhundert, hat dennoch nicht verhindert, dass die Gesamternte von Getreide und Ölsaat über 100 Mio. Tonnen lag, etwa doppelt so viel wie eine normale Ernte in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Das sich die Dürre so wenig auswirkte, wurde an erster Stelle durch die direkte Aussaat erreicht, bei der die Bodenfeuchtigkeit einigermaßen erhalten wird, aber auch durch den Einsatz von Samen, bei denen die Pflanzen, die aus ihnen wachsen, die Dürre besser vertragen. Aber wenn das Phänomen extrem wird, dann nützt all dies wenig. Und dessen müssen wir uns jetzt schon bewusst sein, und aktiv mit denen mitmachen, die sich auf der Welt intensiv um das Thema kümmern. Zum Glück sind des immer mehr, und sie werden immer aktiver.

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