• Argentinisches Tageblatt

Der erstaunliche Fall Alberto Samid


Alberto Samid.

Der Unternehmer Alberto Samid wurde vor einigen Monaten wegen Steuerhinterziehung zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt, die er zunächst im Gefängnis von Marcos Paz verbrachte. Jetzt wurde ihm der Hausarrest gewährt, nachdem er 71 Jahre alt ist und an Diabetes u.a. Krankheiten leidet. Er hatte auch ein notorisches Übergewicht, das er während seines Gefängnisaufenthaltes abgebaut hat, wohl weil das Essen ihm dort nicht schmeckte. Das ist ihm gut bekommen. Der Fall von Samid ist wirklich erstaunlich, wurde jedoch von der AFIP, die als Kläger auftrat, nicht erklärt. Ebenfalls wurde nicht mitgeteilt, ob er auch eine hohe Geldstrafe erhielt, ob er sie bezahlt hat und ob sein Vermögen beschlagnahmt wurde. Das ist faktisch wichtiger als die Haftstrafe.

Samid, dessen Eltern aus dem Irak einwanderten, betrieb Schlachthäuser und Metzgereien, und hatte auch einen Landbetrieb, auf dem er Rinder züchtete. Sein Fleischgeschäft hatte einen beträchtlichen Umfang. Er hat dabei Steuern in gigantischem Ausmaß hinterzogen, mit sehr groben Manövern, und außerdem auch Lastwagen mit Rindern überfallen und die Rinder gestohlen. Das war so weit bekannt, dass die Lastwagen einen weiten Bogen um seine Schlachthöfe machen mussten, weil sie wussten, dass sie in der Straße, die nahe am Schlachthof von Samid vorbeiging, ausgeraubt wurden.

Diese Versorgung mit Rindern zum Nullpreis erlaubte Samid Rindfleisch für “Asados” bei politischen Veranstaltungen bereitzustellen Dafür wurde er in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts mit einem politischen Posten belohnt. Und später ernannte ihn der damalige Gouverneuer der Provinz Buenos Aires, Daniel Scioli (2007/2015) zum Vorsitzendes des Zentralmarktes von Buenos Aires, ein Amt, für das er gewiss nicht qualifizierte. Mit Scioli war er persönlich befreundet, und sie spielten Schach. Wusste Scioli wirklich nicht, wer Samid war? Er ist gewiss eine Erklärung schuldig. Samid erschien auch oft im Fernsehen (weil er sehr amüsant war), wo er einen notorischen Unfug verzapfte, und stets betonte, dass er in der Lage sei, Fleisch viel billiger zu verkaufen. Effektiv hat er dies jedoch nicht getan. Auch im Zentralmarkt, wo auch Rindfleisch verkauft wird, hat er nichts geändert.

Indessen hatte das Steueramt schon 1996 eine Klage wegen Hinterziehung von Steuern gegen ihn vor Gericht eingebracht. Die Klageschrift umfasst über 60 Seiten und ist sehr detailliert und ausführlich. Dabei tauchen viele Strohmänner auf, also Angestellte von Samid, die für größere Geschäfte verantwortlich zeichneten, die sie weder finanziell noch sonst hätten durchführen können. Sie haben auch zugegeben, dass sie unterschrieben haben, weil sie Geld dafür erhielten. Obwohl der Tatbestand einer gigantischen und systematischen Hinterziehung von Steuern in Einzelheiten nachgewiesen wurde, dauerte es über 20 Jahre, bis es zu einem Urteil gekommen ist. Zumindest die AFIP ist eine Erklärung schuldig. Warum wurde das Verfahren während der Kirchner-Regierungen nicht vorangetrieben? Haben die zuständigen Richter es liegen gelassen? AFIP-Direktor Leandro Cuccioli sollte diesen Fall, der aus der Reihe tanzt und einen Skandal darstellt, genau erläutern.

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