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Chaos bei Siegesparade

WM-Feier in Buenos Aires musste abgebrochen werden

Siegesparade
Der Bus mit den WM-Helden müht sich durch die Massen. (Foto: dpa)

Buenos Aires (dpa/mc) - Am Ende gab es unschöne Bilder: Stunden nach dem aus Sicherheitsgründen erfolgten Abbruch der Siegesfeier für den WM-Titel der argentinischen Nationalmannschaft kam es in Buenos Aires zu Zusammenstößen. Wie der Fernsehsender TN berichtete, wurden insgesamt 60 Menschen verletzt, 23 wurden festgenommen. Auf Fotos war zu sehen, wie Einsatzkräfte mit Helmen und Schildern geschützt in Formation rund um den Obelisken standen, um den herum Fußball-Fans traditionell Siege feiern. Den Angaben zufolge handelte es sich aber um isolierte Vorfälle, als der größte Teil der Menschen schon nicht mehr vor Ort war.

Laut Medienberichten hatten geschätzt fünf Millionen Menschen auf den Straßen der Stadt gefeiert und versucht, bei einer Parade einen Blick auf das Weltmeister-Team um Lionel Messi zu erhaschen. Weil der Bus so langsam vorankam, wurden die Spieler in Hubschraubern über Buenos Aires geflogen. Es gab Kritik am Verhalten der Sicherheitskräfte und der mangelhaften Organisation. Dabei schien alles für eine rauschende Party an einem strahlenden Sommertag gemacht zu sein, den Präsident Alberto Fernández zuvor zum Nationalfeiertag erklärt hatte.

Es spielten sich chaotische Szenen ab. Die Fans strömten auf Brücken und die Stadtautobahn, viele kletterten auf Ampeln und Verkehrsschilder. Bei rund 30 Grad warteten die Fans in der prallen Sonne stundenlang auf die Ankunft der Nationalmannschaft, die von ihrem Quartier im Vorort Ezeiza aufgebrochen war. Der U-Bahn-Verkehr in der Stadt wurde eingestellt. Die Fluggesellschaft Aerolíneas Argentinas warnte aufgrund des Verkehrschaos vor Problemen mit verspäteten Flügen. Auch die Mobilfunknetze waren zeitweise überlastet.

Messi saß auf dem Bus auf einer Erhöhung mit vier seiner Mitspieler, trank immer mal wieder was aus einem Glas und winkte den euphorischen Fans zu. Dabei wurde auch der goldene WM-Pokal präsentiert. Bei Instagram veröffentlichte der siebenmalige Weltfußballer ein Video mit Szenen seiner Karriere. "Ich hatte immer den Traum, Weltmeister zu werden, und ich wollte nicht aufhören, es zu versuchen, auch wenn ich wusste, dass es vielleicht nie passieren würde", schrieb er dazu. Mittelfeldspieler Thiago Almada veröffentlichte bei Instagram ein Foto von Messi mit dem Pokal auf dem Dach des Busses, Rodrigo de Paul ein Video von den singenden und feiernden Spielern.

Der Bus kam aufgrund der Menschenmassen aber nur schleppend voran. Als dann noch zwei Fans von einer Brücke auf den fahrenden Bus mit den Champions sprangen und einer von ihnen auf die Straße stürzte, brachen die Sicherheitsbehörden die Parade ab. Die Spieler im Bus hatten noch versucht, die Springer per Handzeichen von ihrem Vorhaben abzubringen. Der zweite Mann landete auf dem hinteren Teil des Busses, rutschte ab und stürzte auf die Straße. Ob er sich dabei verletzte, war zunächst unklar.

Der Bus, der gerade erst die Stadtgrenze überschritten hatte, fuhr zum Parque Roca im Stadtteil Villa Soldati, wo die Spieler in die Hubschrauber umstiegen.

Claudio "Chiqui" Tapia, der Vorsitzende des argentinischen Fußballverbands AFA, beschwerte sich über den Abbruch der Siegesparade: "Sie lassen uns nicht zu all den Menschen, die am Obelisken waren. Dieselben Sicherheitskräfte, die uns eskortiert haben, lassen uns nicht weiterziehen." Der nationale Sicherheitsminister Aníbal Fernández betonte hingegen, dass es es angesichts der Menschenmassen unverantwortlich gewesen wäre, den Mannschaftsbus in Richtung Innenstadt weiterfahren zu lassen.

Vergeblich wartete so auch Staatspräsident Alberto Fernández darauf, die Spieler in der Casa Rosada begrüßen zu können. Hiesige Medien berichteten indes darüber, dass es ohnedies fraglich gewesen wäre, ob die WM-Helden der Einladung des Staatschefs gefolgt wären. So erklärte Tapia, man wolle den sportlichen Erfolg nicht politisch vereinnahmen lassen. Zwischen dem AFA-Boss und dem Staatspräsidenten stimmte schon vorher die Chemie nicht, seitdem Fernández im Vorjahr die Copa América in Argentinien wegen der Corona-Pandemie absagen ließ.



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