Auch in Deutschland!


Willy-Brandt-Zentrum
Blick auf das Terminal 1 vom Willy-Brandt-Zentrum. (Foto: Wikipedia.de)

In Argentinien ist es normal, dass öffentliche Bauten viel mehr kosten, als veranschlagt wurde. Zum Teil ist dies inflationsbedingt; aber es besteht auch eine hohe reale Verteuerung, die besonders auf fehlende Planung, periodische Unterbrechungen der Arbeit und starke Verlängerung der Bauzeiten zurückzuführen ist. Hinzu kommt dann die Korruption, die unter den Kirchner-Regierungen in Form von Aufschlagen von bis zu 50% zum Ausdruck kamen. Über dies läuft jetzt ein Prozess. Aber außerdem sind die Projekte ungenügend studiert worden, so dass sie oft teurer (und schlechter) sind, als es hätte sein können. Es gibt auch keinen PERT, also ein Programm über den Zeitpunkt und die Folge der einzelnen Bauphasen. Das verkürzt die Bauzeiten sehr stark.

Yacyretá hat über das doppelte gekostet (in Dollar), als es hätte kosten sollen. Doch das ist keine Ausnahme. In Mendoza wurde vor Jahrzehnten das Wasserkraftwerk Nihuil III gebaut. Der Bau dauerte 17 Jahre, und die Kosten (einschließlich des durch die Verzögerung nicht gelieferten Stromes) stiegen auf das Dreifache. Mit dem gleichen Geld (zu konstanten Werten) hätten somit drei solche Kraftwerke gebaut werden können. Es gab dabei immer Ausnahmen, wie das Wasserkraftwerk El Chocón, das 1968 in Angriff genommen und 1970 fertiggestellt wurde, und weniger kostete, als die Weltbank veranschlagt hatte. In diesem Fall wurde gut geplant, die Finanzierung von vornherein verpflichtet, und im Eiltempo gebaut.

Man geht allgemein davon aus, dass die Schlamperei, die in Argentinien Regel ist und zu unnötigen Kostenerhöhungen führt, in Deutschland nicht besteht. Doch jetzt sind wir in einem konkreten Fall, nämlich des neuen Flugplatzes von Berlin, eines Besseren belehrt worden.

Der für den Flughafen gebildete BER-Untersuchungsausschuss im Berliner Abgeordnetenhaus hat seine Arbeit abgeschlossen.

Abflughalle
Abflughalle. (Foto: Wikipedia.de)

Nach drei Jahren wurde am Mittwoch der Abschlussbericht vorgestellt. Der Flughafen war im vergangenen Jahr mit neun Jahren Verspätung eröffnet worden. Planungsfehler, Baumängel und Missmanagement führten auch zur Verdreifachung der Baukosten auf rund E 6,5 Mrd. Das bedeutet, dass E 4,3 Mrd. vergeudet wurden. Doch in Wirklichkeit ist es mehr: denn man muss Zinsen auf das investierte Geld (während der Bauzeit) und den Ausfall von Einnahmen in der unnötig zusätzlichen Bauzeit hinzufügen. Die Bundesregierung hat sich den Luxus geleistet, gut E 5 Mrd. zu vergeuden.

Eigentümer des Flughafens sind Berlin, Brandenburg und der Bund. Eine wichtige Erkenntnis: In Zukunft sollten Baufachleute im Aufsichtsrat solche Großprojekte der öffentlichen Hand überwachen, nicht Politiker. Das wäre auch eine gute Idee für Argentinien. (jea/dpa)


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