• Argentinisches Tageblatt

Argentinische Woche in Kürze

(Vom 17.5.19 bis 24.5.19)

Der Dollarkurs schloss am Mittwoch zu $ 46,05, gegen $ 46,33 eine Woche zuvor. Der Markt hat sich beruhigt, und die ZB ist bei ihrer Poltik der Verwaltung des Devisenmarktes erfolgreich. Dabei wird kaum noch über Devisenverkäufe und -käufe, sowie Terminverkäufe berichtet. Der Zinssatz für Leliq ging letzte Woche leicht zurück und endete am Mittwoch bei 71%. Die ZB-Reserven lagen am Mittwoch bei u$s 67,04 Mrd., gegen u$s 67,28 Mrd. eine Woche zuvor. Der Rofex-Terminkurs lag zum 30.4.20 bei $ 72, was einen Zinssatz von 65,90% zum Ausdruck bringt.

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Der Merval-Aktienindex der Börse von Buenos Aires weist in einer Woche zum Mittwoch eine Zunahme von 4,10% aus und liegt somit um 14,15% über Ende 2018.

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Die Staatstitel verzeichnen in einer Woche zum Mittwoch mehrheitlich Haussen. Die Entwicklung war im Einzelnen wie folgt: Argentina 2021: +0,88%; Argentina 2022: +0,82%; Argentina 2026: unverändert; Argentina 2046: +1,75%, Bonar 2024: -3,13%.

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Die Geldmenge, definiert als monetäre Basis (Banknoten im Umlauf plus Bankdepositen bei der ZB) weist in 12 Monaten zum 20.5.19 eine Zunahme von 27,45% auf, mit einer Erhöhung von 6,04% in den letzten 30 Tagen. In 12 Monaten stieg der Notenumlauf nur um 11%, während die Bankdepositen bei der ZB um 66,73% stiegen. Das monetäre Aggregat M2 (Banknoten im Umlauf plus Giro- und Spardepositen), das sich auf Zahlungsmittel im weiteren Sinn bezieht, stieg in 12 Monaten um 14,13%.

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Die gesamten Depositen in Pesos der lokalen Banken stiegen in 12 Monaten zum 20. Mai um 32,77% auf $ 3,1 Bio., und die gesamten Pesokredite nahmen um 1,52% auf $ 1,59 Bio zu. Die Dollardepositen stiegen in dieser Periode um 13,94% auf u$s 32,77 Mrd., und die Dollarkredite nahmen um 2,99% auf u$s 16,10 Mrd. ab.

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Der EMAE-Index des INDEC (“Estimador mensual de la actividad económica”), der eine grobe Schätzung des Bruttoinlandsproduktes ist, lag im März um 6,8% unter dem gleichen Vorjahresmonat und (saisonbereinigt) um 1,3% unter Februar 2019. Das erste Quartal 2019 liegt um 5,7% unter dem Vorjahr und (saisonbereinigt) 0,23% unter dem 4. Quartal 2018. Der BIP-Rückgang dürfte etwas geringer sein, weil der EMAE stabilere Bereiche, besonders Dienstleistungen und die Staatsverwaltung, kaum erfasst.

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Der Index der Industrieproduktion des Institutes FIEL weist im April einen interannuellen Rückgang von 9,6% aus, und gegenüber März einen von 0,5%.

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Guillermo Nielsen, der sich von 2002 bis 2006 als Finanzsekretär (mit Roberto Lavagna als Wirtschaftsminister) mit der Regelung des Ende 2001 erklärten Defaults befasst hat, und danach Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland war, ist jetzt informeller Berater des Präsidentschaftskandidaten Alberto Fernández und würde wohl bei einem Wahlsieg Wirtschaftsminister oder Schatz-und Finanzminister sein. Er erklärte am Mittwoch, dass die Beziehungen mit dem Internationalen Währungsfonds noch gut 8 Jahre dauern werden. Damit bringt er zum Ausdruck, dass es auch bei einer anderen Regierung keinen Abbruch der Beziehungen geben werde, wie er unter Néstor Kirchner stattfand, sondern nur eine Verlängerung der Amortisationsfristen.

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Am Mittwoch hat der Senat einstimmig das Gesetzesprojekt über die Förderung der Informatik u.a. technologischen Tätigkeiten (was als Wirtschaft des Wissens zusammengefasst wird) verabschiedet, das somit jetzt zum Gesetz wird. Das Gesetz ist großzügiger als das vorangehende (aus der Regierung von Cristina K.), und kostet den Fiskus gemäß offizieller Schätzung $ 12 Mrd. im Jahr, gegen $ 3,5 Mrd. gemäss dem bisherigen Gesetz. Es sind jetzt für 10 Jahre die Ausnahme der Unternehmerbeiträge zum Pensionierungssystem und ein Gewinnsteuersatz von nur 15% vorgesehen. Außerdem wird ein Fonds gebildet, der mit 1% der Vergütungen gespeist wird, die die Unternehmen erhalten, der für die Bildung neuer Unternehmen auf diesem Gebiet bestimmt ist.

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Energiesekretär Gustavo Lopetegui hat bekanntgegeben, dass die Außenhandelsbilanz bei Energie dieses Jahr voraussichtlich ausgeglichen sein werde, was seit 2011 nicht mehr der Fall war. 2018 ergab die Bilanz zwischen Exporten und Importen von Gas, Erdöl, Erdölprodukten und elektrischem Strom noch ein Defizit von u$s 2,3 Mrd. Bis April 2019 ergab die Bilanz einen Überschuss, weil im Sommer weniger Gas nachgefragt wird, so dass ein Exportüberschuss verblieb. Im Winter ist es umgekehrt, wobei Gas importiert werden muss, aber eben viel weniger, wobei das teure verflüssigte Gas entfällt, das per Schiff geliefert wird, und faktisch nur das viel billigere Gas aus Bolivien verbleibt.

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Der Index der Industrieproduktion des Studienzentrums des Industrieverbandes “Unión Industrial Argentina” weist für März einen interannuellen Rückgang von 13,6% aus, und einen von 6,3% gegenüber Februar 2019. Das erste Quartal 2019 liegt um 9,3% unter dem Vorjahr. Am stärksten war der Rückgang im März bei Kfz, mit -41,1%, bei Grundmetallen mit -26,7% und bei nicht metallischen Erzen mit -14,7%.

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Der Umsatz von Maschinen für die Landwirtschaft lag im 1. Quartal 2019 mit $ 9,66 Mrd., um 62,5% über den $ 5,95 Mrd. der gleichen Vorjahresperiode, berichtet das INDEC. Am meisten nahm der Umsatz bei Saatmaschinen zu, mit 223 Maschinen, gegen 155 im Vorjahr. Die Zahl der Erntemaschinen ging von 331 im Vorjahr um 10% auf 296 Einheiten zurück, und die Zahl der Traktoren nahm von 1.661 Einheiten um 28,8% auf 1.183 ab.

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Die AFIP hat ein vereinfachtes System für die Zahlung der Steuer auf Zinsen eingeführt. Diejenigen, die im Jahr 2018 Zinsen bis zu $ 200.000 erhalten haben, können die Steuer per Internet bezahlen (mit einer Erklärung, die VEP, benannt wird, was “volante electrónico de pago” heisst). Die Steuer gilt bei Zinseinnahmen über $ 66.917,91. Eine andere Möglichkeit, die für all diejenigen gilt, die Zinsen auf Bankdepositen erhalten haben, besteht in einer vereinfachten Steuererklärung. Als dritte Möglichkeit besteht die traditionelle eidestaatliche Einkommensteuererklärung, die jetzt auch diese Zinsen umfasst. Die Steuer auf “finanzielle Renten”, die das Gesetz 24.730 geschaffen hat, das durch die Dekrete 976/18und 1170/18 reglementiert wurden, hat eine Zinssteuer von 5% bei Pesodepositen und von 15% bei Dollardepositen eingeführt. Bei den Pesodepositen wird ein nominelles Einkommen besteuert, das unter der Inflation liegt, so dass die Steuer den realen Verlust erhöht.

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Die Getreidebörse von Buenos Aires hat die Saatfläche für Weizen für die Periode 2019/20, bei der die Aussaat unmittelbar beginnt, auf 6,8 Mio. ha geschätzt, 9,6% über dem Vorjahr und über drei Mal so viel wie 2015/16 unter der Regierung von CFK. Dies würde eine Rekordernte von 21 bis 22 Mio. Tonnen erlauben, gegen 19 Mio. Tonnen der Periode 2018/19, wobei die klimatischen Bedingungen bisher sehr gut waren, mit ausreichendem Regen, so dass der Boden die notwendige Feuchtigkeit enthält. Der internationale Weizenpreis liegt jetzt um 26% über dem Vorjahr.

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Die lokale Erzeugung (oder Montage) von Mobiltelefonen lag im 1. Quartal 2019 um 33% unter dem Vorjahr, berichtet der Verband AFARTE. 2018 war die Produktion schon um 25% gegenüber 2017 gefallen. Der Rückgang ist nicht nur durch die schwache Konjunktur bedingt, sondern auch ein Sättigungsphänomen, nachdem es schon viel mehr Mobiltelefone als Einwohner in Betrieb sind.

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Die Regierung hat die Staatsausgaben für 2019 um $ 13,6 Mrd. erhöht, die zum Betrag hinzukommen, der im Haushaltsgesetz vorgesehen ist. Davon werden $ 1,7 Mrd. mit höheren Steuereinnahmen u.a laufende Einnahmen gedeckt, und der Rest mit zusätzlicher Verschuldung. Von den neuen Ausgaben entfallen $ 2,3 Mio. auf Zinsen der Staatsschuld, die wegen der Abwertung gestiegen sind. Weitere $ 1,9 Mrd. werden für öffentliche Sicherheit eingesetzt. Schließlich sind $ 3 Mrd. für das Staatsunternehmen Integracion Energética Argentina (ehemals Enarsa) bestimmt.

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Die Bundesregierung hat die Neuverschuldung der Provinzen (die der Genehmigung des Schatzministeriums bedarf) stark beschränkt. Im ersten Quartal 2019 wurde die Aufnahme von Schulden für insgesamt $ 30 Mrd. genehmigt, 32% unter der gleichen Vorjahresperiode. In konstanten Werten ist der Rückgang noch viel größer. Die Wirtschaftsführung will vermeiden, dass Argentinien die hohen Zinsen zahlt, die für das Land auf den internationalen Finanzmärkten gelten.

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Der Index der Grossistenpreise des INDEC verzeichnet im April eine Zunahme von 4,6%. In 4 Monaten 2019 sind es jetzt 13,2%, und in 12 Monaten zum April 72,6%. Im April stiegen lokale Produkte um 4,6% und importierte um 4%.

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Der Index der Baukosten des INDEC weist im April eine Zunahme von 2% aus. In vier Monaten 2019 sind es somit 7,3%, und in 12 Monaten zum April 2019 40,2%.

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Die Kapitalflucht, die die ZB bei der Zahlungsbilanz als Differenz ermittelt (und als “Bildung von externen Aktiven des nicht finanziellen Bereiches” bezeichnet) lag im April mit u$s 2,34 Mrd. um 32% über März und um 14% über April 2018. In 4 Monaten 2019 waren es u$s 7,03 Mrd., 22% unter dem Vorjahr, aber 24% höher als die gleiche Periode von 2017 und 70% über der von 2016. Von der Kapitalflucht vom April entfallen u$s 1,28 Mrd. auf Kauf von Dollarnoten in Argentinien. Dies ist keine echte Kapitalflucht, sondern ein Übergang von Pesos auf Dollar bei der Haltung von Liquidität durch physische Personen und eventuell auch Unternehmen. Das gehört zum bimonetären System, das in Argentinien besteht. Wenn die Inflation hoch ist, steigt der Anteil an Dollar.

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Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit OECD (oder OCDE auf spanisch) hat eine neue Schätzung über die Entwicklung des argentinischen Bruttoinlandsproduktes veröffentlicht. 2019 werde es um 1,8% abnehmen und 2020 um 2,1% steigen. Die OECD urteilt positiv über die Entwicklung der Staatsfinanzen, weist aber darauf hin, dass die strukturellen Reformen beschleunigt werden müssen, um die Produktivität zu erhöhen, die Exporte zu steigern und einen Wachstumsschub herbeizuführen.

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Die US-Regierung hat bestimmt, dass der Prozess gegen YPF, den der Geierfonds Burford angestrengt hat, weiter vom zuständigen US-Gericht behandelt werde, und nicht auf ein argentinisches Gericht übertragen werde, wie es die argentinische Regierung beantragt hatte. Diese Entscheidung war zu erwarten. Doch die argentinische Regierung hat solide Argumente, um sich vor Gericht zu verteidigen, da es sich um ein krummes Geschäft handelt.

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Das Schatzamt hat Schatzscheine (Letes) in Dollar auf 210 Tage (die am 20. Dezember 2019 verfallen) für u$s 300 Mio. zu 6,21% untergebracht. Der Zinssatz lag stark über dem der vorangehenden Ausgaben dieser Staatstitel (4,5% und 5,5%), weil die Frist über den Regierungswechsel hinausgeht. Das Interesse für diese Schatzscheine war letzte Woche gering.

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Bei der Erneuerung der Gesamtarbeitsverträge liegen die Lohnerhöhungen für 2019 bei 28%. Zunächst wurde dieser Satz bei den Arbeitern der Schlachthöfe vereinbart, mit einer Zunahme von 15% im April, 8% im Juli und 5% im Oktober, plus einer einmaligen Zahlung von $ 12.000 als Ausgleich für den Reallohnverlust des Vorjahres. Im November soll dann eine Revision stattfinden. Die Lohnerhöhungen bei der Metallindustrie und der Gastronomie hielten sich mit geringen Abweichungen an das der Fleischindustrie. Allgemein ist das Ministerium für Produktion und Arbeit bestrebt, diese Größenordnung als Richtlinie durchzusetzen.

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