• Argentinisches Tageblatt

Argentinische Woche in Kürze

(Vom 15.11. bis 22.11.)

Der Dollarkurs schloss am Mittwoch zu $ 62,90, gegen $ 63 eine Woche zuvor. Die ZB musste letzte Woche weiter Dollar kaufen, wobei auch die Banco Nación kaufte, um einen Einbruch des Wechselkurses zu verhindern. Das Devisenangebot verblieb hoch. Der Schwarzkurs (genannt “blue”) schloss bei $ 66,75, fast ohne Veränderung gegenüber der Vorwoche. Der Kurs, der sich bei Überweisungen über Kauf von Staatstiteln in Dollar in Buenos Aires und Verkauf in New York ergibt (genannt “contado con liqui”) lag bei $ 75,34, gegen $ 77,16 in der Vorwoche. Die erhöhte Liquidität, die durch die Auszahlung von Leliq in Höhe von $ 12,85 Mrd. enstand, die nicht durch neue Leliq gedeckt wurden, hat sich überhaupt nicht auf dem Dollarmarkt ausgewirkt. Die ZB-Reserven lagen am Mittwoch bei u$s 43,49 Mrd., gegen u$s 43,47 Mrd. eine Woche zuvor. Der Rofex-Terminkurs lag zum 30.8.20 bei $ 88, was einen Zinssatz von 64,28% zum Ausdruck bringt. Die Landesrisikorate (Differenz der Rendite argentinischer Staatspapiere, die in NY kotieren, und den US-Schatzscheinen) ging nach dem Gespräch zwischen Kristalina Georgiewa und Alberto Fernandez um 15,6% zuruck

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Der Merval.-Aktienindex der Börse von Buenos Aires verzeichnet in einer Woche zu Mittwoch eine Zunahme von 3,34%, und liegt somit umm 10,33% über Ende 2018.

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Die argentinischen Staatspapiere verzeichnen in einer Woche zum Mittwoch eine ausgeprägte Hausse. Die Entwicklung war im Einzelnen wie folgt: Argentina 2022: +9,06%, Argentina 2021: +7,71%; Argentina 2026: +10,33%; Argentina 2046: +10,33%.; Bonar 2024: -0,58%.

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Gold wurde in Buenos Aires (Banco Ciudad) am Mittwoch bei 24 Karat zu $ 2.752,90 je Gramm gehandelt, gegen $ 2.739,07 in der Vorwoche.

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Die Geldmenge, definiert als monetäre Basis (Banknoten im Umlauf plus Bankdepositen bei der ZB) stieg in 12 Monaten zum 15.11.19 um 37,01%, wobei der Notenumlauf um 27,53% stieg und die Depositen bei der ZB um 52,91% zunahmen. In den letzten 30 Tagen nahm die monetäre Basis um 16,32% zu. Die Geldpolitik wurde notorisch gelockert. Das monetäre Aggregat M2 (Banknoten im Umlauf plus Giro- und Spardepositen), das sich auf Zahlungsmittel im weiteren Sinn bezieht, stieg in 12 Monaten um 33,15%.

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Die gesamten Pesodepositen der Banken stiegen in 12 Monaten zum 15.11.19 um 18,48% auf $ 3,34 Bio., und die gesamten Pesokredite nahmen in der gleichen Periode um 13,21% auf $ 1,85 Bio. zu. Die Dollardepositen nahmen in 12 Monaten um 32,31% auf u$s 21,23 Mrd. ab, und die Dollarkredite nahmen in dieser Periode um 25,96% auf u$s 17,67 Mrd. ab.

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Das Gesetzesprojekt über Wohnungsmieten wurde am Mittwoch von der Deputiertenkammer verabschiedet und geht jetzt an den Senat über, wo es voraussichtlich noch vor dem Regierungswechsel angenommen wird. Es sieht folgende wesentlich Aspekte vor: 1. Mietverträge müssen auf 3 Jahre laufen, statt bisher zwei; 2. Die Berichtigung der Mieten erfolgt einmal pro Jahr (statt bisher zwei Mal), und dabei wird zur Hälfte der Index der Konsumentenpreise des INDEC und zur anderen Hälfte der RIPTE-Lohnindex des Arbeitsministeriums verwendet; 4. Der Wohnungseigentúmer muss den Vertrag bei der AFIP registrieren, so dass der Mieter die Miete eventuell bei der Gewinnsteuer vom versteuerbaren Einkommen abziehen kann; 5. Die normalen Wohnungsausgaben (“Expensas”) fallen dem Mieter zur Last, die ausserordentlichen (die sich meistens auf Reparaturen und Verbesserungen des Gebäudes beziehen), dem Eigentümer; 6. Der Mieter kann als Garantie eine Bankgarantie, eine Kautionsversicherung oder eine persönliche Garantie (auf der Grundlage eines Einkommensausweises) bieten. Hier ist nicht klar, ob der Eigentümer gezwungen ist, die gebotene Garantie anzunehmen. In Argentinien gibt es gegenwärtig an die 9 Mio. Mieter. Die Mieten ergeben für den Eigentümer eine Nettorendite von höchstens 3% auf den Wert der Wohnung, wobei jedoch die Wohnungspreise im letzten Jahrzehnt in Dollarwerkten allgemein gestiegen sind. Doch wenn der Eigentümer die Wohnung leer hält, muss er die relativ hohen Ausgaben tragen, so dass er eine negative Rendite hat. Dennoch gibt es in der Stadt Buenos Aires sehr viel leere Wohnungen, schätzungsweise über 100.000.

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Der Index der Industrieproduktion der Studienabteilung des Spitzenverbandes der Industrie, die “Unión Industrial Argentina”, lag im September 2019 um 7% unter dem gleichen Vorjahresmonat und um 3,3% unter August 2019. Es sind somit jetzt schon 16 Monate in Folge mit einem negativen interanuelllen Ergebnis. Den grössten Rückgang erlitt die Kfz-Industrie, gefolgt von der Chemie und der Metallindustrie. Dennoch gab es in einigen Bereichen Zunahmen gegenüberdem Vorjahr: Textilien und Zigaretten. Die Nahrungsmittelproduktion blieb gegenüber dem Vorjahr stabil.

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Der Index der Industrieproduktion des Wirtschaftsinstitutes FIEL lag im Oktober um 3,2% untr dem gleichen Vorjahresmonat.und um 0,4% unter September 2019. Die ersten 10 Monate lagen um 5,6% unter dem Vorjahr. Die Differenz mit dem UIA-Index beruht vornehmlich auf einer unterschiedlichen Wägung der einzelnen Branchen.

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Am Freitag der Vorwoche fand eine zweite Erhöhung der Preise von Benzin und Dieselöl binnen 2 Wochen statt; in beiden Fällen waren es 5%. Nachdem die Preiseinfrierung abgelaufen ist, die hier galt, wird jetzt mit einer weiteren Erhöhung noch vor der Regierungsübergabe gerechnet. Zur Wirkung der Abwertung, die noch nicht voll übertragen wurde, wie es vorgesehen war, kommt noch die Erhöhung des Betrages der Brennstoffsteuer ab 1. Dezember hinzu, die $ 12 pro Liter bei Benzin und $ 7,50 bei Dieselöl betragen wird. Die Unternehmen vertreten die Auffassung, dass der Liter Superbenzin einen Dollar kosten müsste, was jetzt $ 63 pro Liter wäre. Superbenzin kostet jetzt (bei YPF) $ 50,19 pro Liter, Premium-Benzin $ 57,94. Dieselöl kostet $ 46,99 pro Liter, und Premium-Dieselöl $ 54,99.

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Die Getreidebörse von Buenos Aires hat die Weizenernte der Periode 2019/20 jetzt (nachdem die Aussaat bei 13,5% der gesäten Fläche von 6,6 Mio. Ha., 4% über dem Vorjahr, vollendet wurde) auf 18,5 Mio. Tonnen geschätzt, nachdem sie ursprünglich von 21 Mio. Tonnen ausgegangen war, und danach von 18,8 Mio. Im Vorjahr hatte die Ernte 19,5 Mio. Tonnen betragen. In der Periode, die Mitte 2019 mit der Aussaat begonnen hat, waren die Wetterbedingungen schlechter als im Vorjahr, mit Dürre in wichtigen Gebieten.

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Die Auslastung der Kapazität der Industrie wurde vom INDEC für den Monat September 2019 mit 57,7% angegeben, gegen 61,1% im gleichen Vorjahresmonat und 60,5% im August 2019. Bei den einzelnen Branchen war die Auslastung sehr unterschiedlich, mit 79,1% bei Stahl und Aluminium, 77% die Raffinerien, 75,4% bei nicht metallischen Erzen (an erster Stelle Zement) an einen Extrem, und Kfz mit 37,4% und Metallmechanik mit 40% am anderen.

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Die Regierung hat am Freitag der Vorwoche beschlossen, den Gasproduzenten den Betrag zu zahlen, der sich aus der verfügten Preiseinfrierung ergibt, die gegen die Rahmenordnung für die Bestimmung der Preise verstößt. Es sind $ 24,5 Mrd, die in 30 monatlichen Raten gezahlt werden, und dabei zum passiven Zinssatz der Banco Nación verzinst werden, YPF erhält $ 6,79 Mrd., Total $ 2,35 Mrd., Pampa Energía $ 1,22 Mrd. Wintershalll $ 962 Mio., Tecpetrol $ 635 Mio., Pluspetrol $ 476 Mio., CGC $ 409 Mio. und Vista Oil $ 34,6 Mio. Im April wurde der durchschnittliche Gaspreis bei einer Ausschreibung auf u$s 4,5 je Mio. BTU (British Termic Unit) festgesetzt, bei einem Wechselkurs von $ 41. Dieser Pesowert sollte im Oktober berichtigt werden, aber die Regierung hat den Wert bis Ende Jahres eingefroren, so dass die Gasproduzenten umgerechnet u$s 3,29 je Mio. BTU erhalten.

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Beim 60. lateinamerikanischen Regionalkongress der Stahlindustrie kam an erster Stelle die aggressive Haltung von China auf diesem Gebiet zum Ausdruck, wobei die Fabrikanten von Lateinamerika von den Regierungen Schutz für ihren Markt und Gleichheit der Konkurrenzbedingungen forderten. Das bezieht sich unterschwellig auf die Anwendung der Dumpinggesetzgebung bei Stahl, Stahlprodukten und auch solchen, die Stahl in höherem Umfang enthalten. Der Präsident von Ternium (die in Argentinien das Stahlwerk Sidinsa, in San Nicolás, betreibt und zum Techint-Konzern gehört), Martín Berardi sprach sich für eine “intelligente” Integrierung innerhalb des Mercosur aus, und nahm dabei das neue NAFTA-Abkommen als Vorbild, das diese Industrie in den USA, Kanada und Mexiko gegen Importe aus Drittländern schützt.

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Die Staatsfinanzen schlossen im Oktober 2019 mit einem Defizit von $ 64,24 Mrd, gegen eines von $ 78,32 Mrd. in der gleichen Vorjahresperiode. Das primäre Ergebnis (ohne Zinsen) schloss im Oktober mit einem Überschuss von $ 8,52 Mrd., was die Zunahme der Zinslast, von $ 61.74 Mrd. im Vorjahr auf $ 72,77 Mrd. in diesem, zum Teil ausglich. In 10 Monaten 2019 wurde ein primärer Überschuss von $ 31,42 Mrd. erzielt, (gleich 0,1% des BIP), gegen ein Defizit von $ 169,99 Mrd. in der gleichen Vorjahresperiode. Doch die Zinslast nahm in 10 Monaten 2019 um 88,7% zu: sie betrug $ 551,75 Mrd., gegen $ 292,36 Mrd. im Vorjahr.

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Der gewählte Präsident Alberto Fernández hat den Präsidenten der Entwicklungsbank für Lateinamerika (vormals als Andenköperschaft bekannt) Luis Carranza empfangen, der ihm Kredite für u$s 4 Mrd. in Aussicht stellte. Davon sollen Programme für u$s 1,5 Mrd. schon fertig sein, so dass der Kredit in Kürze ausgezahlt werden kann.

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Die Richterin Gilardi de Negre, zuständig für ein Bundesgericht für Verwaltungskonflikte, hat den Antrag einer Inhaberin von Staatspapieren abgelehnt, die durch Dekret 596/19 umgeschuldet (“neuprofilziert”) wurden, und dem Dekret somit volle Rechtsgültigkeit verliehen.

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Der Index der Grossistenpreise des INDEC weist im Oktober eine Zunahme von 3,6% aus, etwas unter den 4,2% vom September, und 47,1% über dem gleichen Vorjahresmonat. Die Zunahme beträgt in diesem Jahr 45%. Dabei stiegen lokale Produkte um 44,7% und importierte um 48,6%.

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Der Index der Baukosten des INDEC stieg im Oktober um 4,2%, wobei Baumaterialien um 2% und Arbeitskosten um 5,7% stiegen. In 12 Monaten betrug die Zunahme 48,3%, und in 10 Monaten 2019 40,8%.

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Die AFIP hat die Beträge des Umsatzes und der Quoten der Einheitssteuer ab 1. Januar 2020 um 51% angehoben. Die Zunahme liegt leicht unter der für dieses Jahr erwarteten Inflation.

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Die Zeitung “Ambito Financiero” berichtet, dass die neue Regierung gleich am Anfang ein Gesetzesprojekt über ein großzügiges Moratorium für Steuerschulden und Schulden bei Sozialabgaben im Kongress einbringen wird. Dies soll Teil des Sozialabkommens sein. Das Moratorium soll einen Schuldenabschlag und Zahlung in Raten auf eine längere Frist vorsehen. Angeblich geht es dabei um die Rettung von geschätzten 400.000 kleinen und mittleren Unternehmen, die ohne dies schließen müssten.

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Die Großunternehmen der Lebensmittelindustrie weisen wegen des starken Umsatzrückganges hohe Verluste auf. In 9 Monaten 2019 weist Arcor einen Verlust von $ 2,16 Mrd. aus, Molinos Rio de la Plata einen von $ 1,35 Mrd. und Mastellone (Marke La Serenísima) einen von $ 2,45 Mrd. Unilever schloss eine Fabrik in La Rioja, und Mondelez (ehemals Kraft Foods) hat ein Krisenverfahren beim Arbeitssekretariat eingeleitet, das sich auf auf zeitlich begrenzte Entlassungen bezieht. Auch andere Unternehmen, wie Danone, erleiden hohe Verluste.

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